Hoch die Hände, Wochenende
Samstag, 25.08.2018 Frauen allein in Afrika. Typisch Frau: man setzt sich etwas in den Kopf, wie man es umsetzt ist erstmal zweitrangig. Annika, Juliet und ich lasen etwas über...


Veröffentlicht: 28.08.2018
Dienstag, 28.08.2018
Die Tage in der Klinik waren bisher sehr hart und ehrlich gesagt hatte ich am Morgen nicht wirklich Lust in das Hospital zu fahren. Zu unschön ist dieser Ort einfach, um dort neues Leben zu empfangen und bisher hatte ich keine guten Erfahrungen mit den Schwestern gemacht.
Doch heute durfte ich sehr eigenverantwortlich arbeiten. Eine nette Schwester war mit im Dienst, sie hat, wie alle hier, das Arbeiten nicht erfunden, aber lies mich zumindest in Ruhe die Frau betreuen, allein die Geburt leiten und hörte sich sogar meine Tipps zur Geburtshilfe und Hygiene an.
Ein Mädchen wurde geboren. Für die Frau war es ein besonders glücklicher Moment. Es war ihre dritte Geburt, doch ihre beiden Kinder davor verstarben unter der Geburt. Es ist so grausam, dass es hier alltäglich ist, dass Frauen diese traurigen Situation erleben mussten. Selbst die oberste Spalte im Mutterpass besteht aus: Wievielte Schwangerschaft?/ Wievielte Geburt?/ Wieviele Kinder leben noch?
Jedes Mal durchfährt mich ein Schauer bei dieser Frage.
In Deutschland fragen wir natürlich auch, wieviele Kinder jemand hat, doch gehen wir immer davon aus, dass sie gesund sind und leben. Wie wertvoll ein gesundes Kindes ist, war mir natürlich vorher bewusst und doch wird mir erst hier richtig vor Augen geführt!
Motiviert und glücklich ging ich weiter in den Tag. ‚Sterilisieren‘ der benötigten Instrumente für die Geburt stand an. Was unhygienischeres gibt es kaum. Letztendlich gibt es ein Tisch, wo alle Instrumente zum abtropfen liegen- das sind dann quasi die sauberen Instrumente. Ich wollte etwas dazu legen, und mir kommt ein Insekt entgegen gekrabbelt. Nicht nur, dass alle Instrumente verrostet und definitiv nicht steril sind, sogar Käfer/Schaben/Spinnen leben auf ihnen. Ich hätte mich auf der Stelle übergeben können. Das kann doch unmöglich deren ernst sein dachte ich!? Ich erspare euch hier das Bild, es ist glaube nichts für schwache Mägen.
Ich muss mir etwas einfallen lassen..
Nach dem Schock und der schönen Geburt, waren die letzten zwei Stunden ruhig. Also putze ich, um wenigstens irgendwie das Gefühl zu bekommen, eine Grundhygiene herzustellen..
Doch das Gute hier ist, dass man immer jemanden zum reden hat. Ich kam ‚zu Hause‘ an und konnte berichten. Linda (meine Gastmama, die allerdings zwei Jahre jünger ist als ich) wollte sich neu frisieren. Tansanische Frauen haben alle kurze Haare und flechten sich unechte Haare ein. Ich sollte ihr beim Entfernen der Haare helfen und wir hatten viel Spaß mit den ‚Resten‘. Ich durfte ihre Haare waschen und pflegen, ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sich diese Struktur der Haare anfühlt.
Ich finde es spannend.. wir alles sind Menschen, doch etwas wie Hautfarbe, Beschaffenheit und Haarstruktur ist so komplett verschieden, weil es sich an die Bedingungen von Sonne und Trockenheit angepasst. Das fasziniert mich irgendwie. Da sie mein Shampoo benutzen durfte, freute sie sich wie ein Kind, dass sie jetzt sicher ‚Mzungo- Haare‘ bekommen würde 😅
Also ging der Tag spaßig zu Ende.