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Tag 48 - Mariana fürchtet sich

Veröffentlicht: 21.12.2017

Manchmal esse ich Mittags im Projekt. Es gibt jeden Tag Reis, ganz oft Bohnen (eigentlich ein Kindheitstrauma von mir, aber hier mag ich sie - einigermaßen), die restlichen Bestandteile variieren. Es gibt in der Küche einen Korb mit Geschirr, das wir benutzen können. Die Kinder müssen sich eine Schüssel und Besteck selbst mitbringen. Neben der großen Spüle steht eine Tonne, in der Regenwasser gesammelt wird. Außerdem stehen Spülschwämmchen und festes Spülmittel zur Verfügung. Da bedient sich dann jeder selbst. Jedenfalls, neulich habe ich mich mit meinem Schüsselchen zu Mariana gesetzt. Sie ist diejenige, die ich des öfteren auf dem Nachhauseweg an ihrem Haus treffe, wenn sie Essen verkauft. Treue Blogleser wissen das. Mariana ist schätzungsweise 14 - 15 Jahre alt, ist ein ziemlicher Brummer mit einer kräftigen Stimme und macht einen selbstbewussten Eindruck. Als wir da so einträchtig unsere Suppe löffeln (ah, dann muss es letzten Freitag gewesen sein), kommt Silvana um die Ecke, meine Schweizer “compañera“. Silvana ist spindeldürr, ungefähr so groß wie ich, ist schon pensioniert und mit ihrer lauten Stimme nimmt sie kein Blatt vor den Mund. Neulich erzählte Jim beim “Moment of the week“ ohne einen Namen zu nennen, dass eine/r der Volontäre/innen ihn freundlich aber bestimmt zurecht gewiesen habe. Er bleibt gerne an den Fenstern zu den Klassenräumen stehen und sagt dem einen oder anderen Kind Hallo. Das sei äußerst störend, hier finde schließlich Unterricht statt. Jeder hatte Silvana im Verdacht, aber sie streitet es ab. Nun ja, Mariana bekam also auf einmal große Augen und versuchte sich hinter mir zu verstecken (ha, ha). Sie fürchtet sich schrecklich vor Silvana, dabei sieht sie so aus, als würde sie einen Hänfling wie Silvana als Appetizer vor dem Frühstück verzehren. Ich hatte davon gehört, es aber für einen Spaß oder zumindest eine Übertreibung gehalten. 

Mariana möchte Anwältin werden. Dieses Jahr ist sie allerdings nicht zur öffentlichen Schule gegangen. Viele haben hier hochgesteckte Ziele, obwohl bei manchen klar ist, dass sie diese nicht erreichen können. Aber träumen wird man ja dürfen.

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