Von Elchen und Kaffee #finnland2017
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vakantio.de/finnland2017

…crashed partys and even more snow!

Veröffentlicht: 15.12.2017

Um 5 Uhr klingelte der Wecker. Der Trip zum Arctic Ocean stand an. Marcos Nacht war wesentlich kürzer als erwartet, da er bei dem abwechselnd tiefen (Nicolo) und hohem (Darius) Schnarchen für knapp zwei Stunden keine Ruhe finden konnte. Aber dies waren nun die besten Voraussetzungen für ein Nickerchen im Bus.
Uns standen nämlich vier Stunden Busfahrt bevor, bis wir an unserem Ziel Norwegen oder eher gesagt dem Fischerdorf Skitbon ankommen sollten. Übermüdet und relativ unmotiviert begaben wir uns zum Treffpunkt. Die Kälte war an diesem Tag besonders beißend. Im Bus hatten wir jedoch Glück und jeder bekam seinen eigenen 2er-Sitz für sich alleine. Vor uns waren sicherlich zehn Reihen von Franzosen belegt, welche lautstark irgendetwas unverständliches zwischen einander austauschten. Die nächste Merkwürdigkeit war, dass es trotz angelassenem Motor und einiger Fahrminuten einfach nicht wärmer werden wollte. Man fror regelrecht im Bus. Marco schnappte sich seine Jacke aus der Ablage, Flo hatte seine gar nicht erst ausgezogen.
Unsere Situation sah also wie folgt aus: -3 Grad im Bus und ein lautstarkes Frankreich in unmittelbarer Nähe. Keine guten Voraussetzungen für einen entspannten Ausflug…
Erster Halt, ein kleiner Souvenir Shop mit heißen Getränken. Wir konnten unseren Augen nicht trauen als wir die Temperaturanzeige sahen. -27 Grad Celsius. Es war wie ein Schlag ins Gesicht als man aus dem, schon kalten, Bus ausstieg. Man kann es eigentlich nicht in Worte fassen, man muss es selbst erlebt haben. Nach einer kurzen Pause setzten wir unsere Fahrt fort. Gott sei Dank fing das Heizsystem langsam an zu arbeiten. Frankreich beruhigte sich, da einige noch angeschlagen von einer Party waren. Endlich hatten wir Ruhe.

Als wir die Grenze von Finnland nach Norwegen überquerten änderte sich auch schlagartig die Landschaft. Vom verschneiten Flachland fuhren wir durch Täler und über verschneite Berggipfel. Plötzlich war der Blick aus dem Fenster richtig unterhaltsam.
Eine weitere Stunde verging, bis wir endlich am Zielort ankamen. Eine Art Feriendorf mit anliegendem Trailerpark. -8 Grad Außentemperatur fühlten sich zuerst gar nicht so schlimm an aber wir wussten ja was für uns auf dem Plan stand: Ein entspannter Badespaß im Arctic Ocean !

Da es insgesamt zu viele Teilnehmer waren um alle gleichzeitig in die anliegende Sauna zu quetschen, wurde in zwei Gruppen geteilt. Wir entschieden uns für die Erste. Also, ab ins Zelt und rein in die Badehose. Es kostete Überwindung nur den Gang zur Sauna anzutreten. Leider waren dort Unfähige am Werk. Das ständige Wiederholen des Aufgusses ließ die Steine viel zu schnell abkühlen, so dass es höchstens warm in der geräumigen Sauna war. Uns wurde es zu bunt und nach nur drei Minuten entschlossen wir uns als Erste für das Eiswasser. Offiziell waren es zwei Grad Wassertemperatur, gefühlt waren es schmerzhafte -22 Grad. Beim Weg ins Wasser merkte man kurze Zeit gar nichts, dann setzte aber ganz schnell der Schmerz ein. Die Füße waren am schlimmsten betroffen. Der erste Gang war nur bis auf Hüfthöhe, der zweite sogar bis zum Hals inklusive kurzem Tauchgang für Florian. Ich glaube unser Herz hat zwischendurch kurz aufgehört zu schlagen.
Da die Sauna ja keine wirkliche Hilfe war ging es nach dem zweiten Bade-Gang wieder ins Zelt um uns unsere warmen Sachen anzuziehen. Grüße gehen raus an den Ofen und das Brandloch in Flos Handtuch. Idee war in Ordnung.

Während die zweite Gruppe das Wasser „genoss“ wärmten wir uns mit heißem Glöggi auf. Die skandinavische Variante von Glühwein. Theoretisch war das schon die ganze Aktivität. Auf dem Heimweg gab es nochmal Suppe in einem Restaurant und noch ein weiterer Shop um Souvenirs zu kaufen. Um 19 Uhr erreichten wir endlich wieder unsere Blockhütte. Ausgepowert und mit dem Wissen, dass am morgigen Tag in der Früh Schneemobilfahren auf dem Plan stand wollten wir den Abend ganz entspannt ausklingen lassen. Ein kleine Runde versammelte sich bei uns im Wohnzimmer. Wir öffneten ein paar Bier und zack, Eskalation!

Heißblütige ‚Kings Cup‘ und ‚Fuck the Dealer‘ Partien endeten mit der Entscheidung eine Hausparty zu crashen. Nicht eingeladen aber betrunken für zwanzig machten wir uns zu sechst auf den Weg. Als wir nach einer gefühlten Ewigkeit ankamen, mussten wir feststellen, dass wir absolut niemanden dort kannten. Und zu allem Übel sind wir wieder bei Frankreich gelandet. Aber egal, wir ließen uns die Stimmung nicht vermiesen. Flo konnte von seinem Hochsitz (beste Idee ever) alles aus der Vogelperspektive betrachten. Wonderwall-Performance, rauchen auf der Tanzfläche, herumspringen auf dem Sofa und spontane italienisch-Sessions inklusive. All das machte diesen Abend grandios. Der Heimweg war, wie durch Wunderhand, viel kürzer als der Hinweg. Das Bett kam dem Himmel gleich in dieser Situation. Den kleinen Zwischenstopp im Reisebus, das getötete Schnee-Rentier und den geklauten Schneemann lassen wir lieber mal unter den Tisch fallen.

Kurz die Augen zugemacht, klingelte auch schon wieder der Wecker. Wir quälten uns zum Treffpunkt um von dort zur Schneemobilvermietung zu wandern. Alle ausgestattet mit Kaugummis und Schal, damit man ja keine Fahne riecht. Denn Schneemobile dürfen nur mit gültigem Führerschein und im nüchternen Zustand gefahren werden. Bei der Einweisung wurde in die Runde gefragt ob einer der Teilnehmer am gestrigen Abend Alkohol konsumiert hatte. Jeder musste sein Grinsen im Schneeanzug verbergen. Als dann die Nachricht kam, dass möglicherweise die Polizei auf der Strecke wartet und kontrollieren würde kam dann doch ein wenig Angst auf. Wir entschieden uns für die risikoreiche Variante und begaben uns zu unserem Zweiergefährt. Flo war als Erster an der Reihe. Die Strecke führte uns über vereiste Seen, durch schneebedeckte Wälder, über Brücken, bis hin zu einer Rentierfarm. Dort machten wir kurz Rast und wärmten uns auf. Fahrerwechsel und die gleiche Strecke wieder zurück. Wir erreichten zwischenzeitlich 70 km/h, doch der Teilnehmer vor uns war eher von der vorsichtigen Sorte. Ein langer und geradliniger Streckenabschnitt und was macht er? Die Landschaft genießen und fast stehenbleiben…Junge Junge Junge. Das nächste Mal, wenn Flo dir Lichthupe gibt fährst du besser Rechts ran.

Ohne größere Zwischenfälle (klammern wir den einen Unfall von zwei abenteuerlustigen Fahrern/Franzosen mal aus) kamen wir wieder beim Verleih an. Sogar Nicolo und Darius kamen unbeschadet ins Ziel. Wunder geschehen immer wieder.

Zurück in der Hütte, schmissen wir erstmal die Sauna an. So eine private Sauna muss man halt einfach ausnutzen. Wir entspannten und schmiedeten schon Pläne für den weiteren Verlauf, denn unser Tag war noch nicht beendet. Schneeschuhwandern und Farewell Party standen noch auf der Agenda. Ab hier beginnt wieder die Geschichte des Nicolos. Wie berichtet wirkte die Schwerkraft auf unseren Italiener etwas stärker als auf andere deshalb war es kaum verwunderlich, dass er der Erste war den es beim Wandern auf die Nase legt. Zu allem Überfluss verlor er noch seinen mühsam angelegten Schneeschuh und ein Guide musste ihm helfen. Dieses Schauspiel wiederholte sich bei fast jedem unserer Freunde nochmal. Selina lag gefühlt mehr auf dem Boden, als dass sie auf den Beinen war. Phillip suchte sich immer eine Abkürzung, auch wenn sie direkt einen Abhang hinunterführte. Nicolo war durchgängig am Fluchen, da ihm der Ausflug wohl keinen Spaß machte. Die mitgebrachten Mischungen und Biere wurden in den kurzen Verschnaufpausen geleert und es wurde unglaublich viel gelacht. Was zu Beginn eher eine Qual war entwickelte sich zu einem Highlight für alle von uns…außer Nicolo. Doch sein Abend sollte noch besser werden.

Zurück vom Ausflug hieß es nur kurz umziehen, erfrischen, stylen und dann PRESSEN (Definition: Auf schnellstmöglichen Wege große Mengen Alkohol konsumieren.). Da uns zu Ohren kam, dass ein Bier auf der Party 5€ kosten sollte und wir ja ökonomisch denkende Studenten sind brauchten wir schon eine dezente Menge im Voraus um nicht mit Schulden aus dem Club zu gehen. Für das gesamte Semester galt schon die Buffalo-Regel. Kurz zur Erklärung: Man trinkt nur mit seiner schwachen Hand. Sollte man dies missachten und einem weiteren Teilnehmer fällt dies auf, muss der Regelbrecher das aktuelle Getränk exen.

Und genau hier schlug die große Stunde von unserem Italian Stallion. Ganze fünf Mal in Reihe brach er die Regel und da er ja jedes Bier leerte, hatte er innerhalb von 20 Minuten fünf volle Biere intus. Das war auch das Ende seines Abends. Wir anderen gingen zur Party, Nicolo direkt ins Bett.

Die Farewell Party war ein gelungener Abschluss unserer extrem guten Zeit im Norden der Welt. Suchen nach Handys, jederzeit zwei Bier in der Hand, Black Jack-Partien und einfach jede Menge Spaß endeten mit einer Afterparty, welche wir uns aber eigentlich hätten sparen können. Spruch des Abends: Just do it!

Um 6 Uhr ging es ins Bett. Um 3,5 Stunden später wieder geweckt zu werden. Aufstehen um das Apartment auf Vordermann bringen stand auf dem Plan. Total zerstört bereiteten wir alles für unseren Auszug vor. Bevor es aber in den Bus Richtung Lappeenranta ging, wurde das im Vorfeld gebuchte Spa aufgesucht. Leider haben Finnen eine andere Auffassung von Wellness als wir. Es war eher ein Wasserpark, wir suchten die beheizten Becken vergebens. In der Sauna zog es und auch die Außenbecken waren nicht wärmer als 26 Grad.

Nach einem ausgiebigen Burger King Besuch wurden die Busse aufgesucht, welche uns in einer 15-stündigen Fahrt sicher zu unserem Studienort bringen sollten. Mit Netflix und Spotify wurde die Zeit irgendwie totgeschlagen. Diesmal fiel das Schlafen auf jeden Fall leichter. Insgesamt kam jeder von uns auf ca. 5 Stunden Schlaf. 6 Uhr morgens erreichten wir unsere Haltestelle. Priorität Nummer eins als wir unser Flat erreichten: Schlafen!

Lappland war unglaublich und ein absoluter Höhepunkt unseres Auslandssemesters. Unsere Vorstellung von Winter ist nun leider zerstört aber wir sind glücklich diese Erfahrung gemacht zu haben.

Dieser Sonntag wurde zum absoluten Ruhetag auserkoren. So wenig Bewegung wie möglich war unsere Devise. Dennoch mühten wir uns zum Supermarkt um uns mit Essbarem auszustatten. Mittlerweile hatten wir begonnen nach jedem Einkauf zwei Euro in einen der unzähligen Spielautomaten zu werfen und unser Glück zu testen. Unser Lieblingsspiel heißt „Emma“ und an diesem Tag meinte es Emma wirklich gut mit uns. Insgesamt machten wir aus den zwei Euro ganze 23 €. Aktuell sind wir somit 25€ im Plus und um eine Sucht reicher. Wir überlegten schon kurz das Studium zu schmeißen aber entschieden uns dann doch eher für zwei Pizzen von Selam. Pizza for free rettete den Tag ungemein.

Unsere Zeit hier neigt sich dem Ende. Leider wartet noch unglaublich viel Arbeit auf uns. Dennoch versuchen wir alles in vollen Zügen zu genießen. 

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