Reiseblog von Fabienne & Simon
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Als 1973 die linksgerichtete Regierung Chiles – u.a. durch die USA unterstützt – durch das chilenische Militär geputscht wurde, kam General Augusto Pinochet an die Macht und prägte das Land mit eiserner Faust bis 1990.

Mit Pinochet und den sog. Chicago-Boys (in den USA ausgebildete chilenische Wirtschaftswissenschafter und Vertreter der freien Marktwirtschaft) überwälzte eine regelrechte Privatisierungs- und Deregulierungswelle das bis anhin sozialistisch geprägte Land. Der pure Kapitalismus führte in der Tat zu einem wirtschaftlichen Umschwung. Lange galt Chile als das Vorzeigekind Südamerikas. Das Bild hat sich jedoch soeben geändert, wie die vielen Demonstrationen im Land bezeugt haben. Die Erhöhung der Metroticketpreise in Santiago um wenige Rappen hat das Fass regelrecht zum Überlaufen gebracht. An gewissen Demonstrationstagen demonstrierten über eine Million Menschen in Santiago auf der Plaza Italia. Im ganzen Land und in allen Städten wurde demonstriert. Und die Demonstrationen gehen noch weiter – zumindest in Santiago. Die Spuren sind deutlich sichtbar. Im ganzen Land.

Auf den ersten Blick mögen Chiles Wirtschaftszahlen der vergangenen Jahrzehnte beindrucken, doch der Schein trügt. Der Durchschnittslohn in Chile beträgt gemäss unterschiedlichen Angaben zwischen CHF 600 und CHF 1'000, wobei der Medianlohn deutlich tiefer liegt bzw. die meisten Menschen weniger als den Durchschnittslohn verdienen.

Das Leben in Chile ist teuer. Das Preisniveau ist ungefähr mit denjenigem von Deutschland zu vergleichen. Dazu kommt das folgenschwere Schicksal des (beinahe komplett) freien Marktes in Chile hinzu: Die staatlichen Schulen sind schlecht, wer es sich leisten kann geht auf eine Privatschule. Es gibt keine obligatorische Krankenversicherung, immerhin sind die Angestellten während der Arbeitszeit durch den Arbeitgeber versichert. Der Staat hat sich dermassen stark zurückgezogen, dass es ein ungesundes Ausmass angenommen hat und dass für die sozial Schwächsten die Aussichten immer düsterer werden.

Der Vergleich mit den USA ist mir relativ schnell nach der Ankunft in Chile ins Auge gefallen. Nebst dem den USA-ähnlich aufgebauten Staatsapparat, fallen auch weitere kulturelle/strukturelle Parallelen auf:

- In keinem anderen Land nebst den USA habe ich verhältnismässig dermassen viele Pickup-Trucks und SUVs gesehen

- Alle Naturparks sind mit dem Fahrzeug befahrbar

- Die Städte sind nach amerikanischem Vorbild quadratisch aufgebaut

- Es gibt diverse vergessene «Indianerstämme», welche an der untersten Armutsgrenze leben und deren Kultur mehr und mehr verschwindet.

- Das günstige Essen ist ungesund und fettig (aber trotzdem sind Completos und Salchipapas unglaublich lecker :-))

- Alkohol in der Öffentlichkeit zu trinken ist verboten, es sei denn man versteckt das alkoholische Getränk in einer Papiertüte

- Die Natur ist einzigartig, wundervoll und abwechslungsreich

- Der Präsident ist Multimilliardär

Wer weiss wohin die Reise führt, ein wenig mehr Sozialismus und Regulierung täte dem wunderschönen Land (und übrigens den USA ebenfalls) bestimmt gut.

Chile

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