Reiseblog von Fabienne & Simon
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Von Pucon hatten wir gehört, es sei sehr touristisch und gar nicht authentisch. Das stimmt. Aber nach vielen Tagen Pampa waren wir gerade in Stimmung für wieder mal gutes Brot, eine heisse Dusche, Shopping, ein gutes Restaurant und andere Menschen. Zumal es auch noch zwei Tage lang wacker regnete und wir nicht viel unternahmen, war es auch ganz nett in einem belebten und gut ausgerüsteten Hostel zu sein. Lesen, Spielen, Kochen, Telefonieren, Fotos backuppen, Rechnungen zahlen, etc. Und an einem Tag haben wir «Hydrospeed» gemacht, da man das sowieso im Neoprenanzug macht, spielts ja auch keine Rolle wenns regnet. War übrigens mega lustig, kann ich also sehr empfehlen!

Als es dann nach zwei Tagen wieder schonte, mieteten wir uns je ein Mountainbike und Simon fand im Netz einen Singletrailtrack im Wald zwischen Pucon und Vulkan Villarrica. Auf dem Weg bergan trafen wir noch auf einen Fuchs, den wir zunächst für einen Hund hielten, weil die hier nicht etwa rötlich sonder grau sind, und er vollkommen entspannt auf dem Weg stand und uns entgegen blickte. Der Trail war ein Glückstreffer! Er war perfekt für unser Können und auch die Mietvelos waren wirklich ganz in Ordnung.

Und dann haben wir uns schliesslich auch entschieden, auf den Vulkan zu gehen. Wir zögerten, weil es eine sehr beliebte und touristische Tour ist und man mit einer Agentur gehen muss, selbstständig ist nicht erlaubt. Aber wer möchte nicht gerne mal auf einen aktiven Vulkan steigen? Ja, so ging es uns eben auch…

Vulkan Villarrica

Das war mal eine Bergtour der anderen Art. Von der Agentur erhält man Schuhe, Steigeisen, Pickel, sogar Handschuhe – alles was nötig ist in einem vorgepackten Rucksack. Dieser war ziemlich schwer, wir fragten uns, was wir hier alles mittragen..?

Um ca. 7:30 Uhr brachen wir von der Skistation auf. Einer der Sessellifte (Sowjetmodelle) läuft auch im Sommer um den Besteigern die ersten 400hm zu sparen. Doch diese 13 Franken sparten wir uns.

An der Bergstation beim Montieren der Steigeisen, ging mir schon zum ersten Mal der Laden runter: Es wimmelte von Leuten. Alle drängten sich auf demselben Fleck vor dem Firn. Es war dichter als an der Chilbi! Ich habe sowas an einem Berg noch nie gesehen und fand es überhaupt erquickend.

Ich konnte die halbautomatischen Steigeisen, die ich aus meinem Rucksack zog, zufriedenstellend an meinem durchaus nicht steigeisenfesten Schuh befestigen, die Gamaschen Grösse XL ebenfalls. Das Marschieren nachher entspannte mich leider auch eher wenig. Wir waren eine Gruppe von 20 Personen und die Leiter wollten möglichst zusammen bleiben. Wir gingen also im Gänsemarsch bergan und es war ein einziges Handorgelspiel. Ständig blieb einer stehen um dann wieder hektisch aufzuschliessen.

Und bei jeder Pause gabs sicher drei die sich gemütlich einrichteten und ihr Sandwich auspackten, auch wenn die Leiter sagten, dass es nur eine Kurzpause sei. So zog sich jede Kleiderpause in unendliche Längen – und ich gehöre ja sonst selbst zu den langsamen. Ich wurde fast wahnsinnig. Und überall Leute! Den ganzen Hang hinauf und hinunter überall Menschen-Tatzelwürme.

Was mir indes mega gefiel, war, dass ich wieder einmal über einen Gletscher stapfen konnte – überhaupt wieder einmal etwas bergsteigen war schon ein sehr gutes Gefühl. Der Vulkan ist recht steil, dadurch ist es zwar etwas anstrengend, aber man kommt so zügig vorwärts, das habe ich gerne.

Kurz bevor ich richtig verruckt geworden wäre, beschloss ich, meine Einstellung zu ändern. Anstatt mir vorzustellen, ich sei jetzt auf einer Bergtour, und dabei zu erwarten, dass es mindestens so ähnlich ablief, wie ich das kenne, lasse ich alle Erwartungen zurück und nehme es einfach so, wies kommt. Ich sehe es als einen gemütlichen Ausflug in Steigeisen mit vielen, langen Pausen, wo man immer wieder stehen bleibt und die Aussicht geniesst. So konnte ich mich entspannen und mich einfach ab dem Berg, der Aussicht freuen und mich auf den Krater freuen. Schliesslich amüsierte ich mich sogar ab der Szene von geschätzten 200 Personen am selben Berg. Ein Leiter sagte, an Spitzentagen können es sogar 400 Personen sein.

Der Gipfel sieht schon mega cool aus. Dieser gleichmässige und völlig einzeln stehende Kegelstumpf, aus dem stossweise Dampfwolken steigen. Ab einer gewissen Höhe kann man die Gase auch wellenartig riechen.

Auf dem ganzen Weg sah ich ohne Übertreibung kein einziges Papierchen, kein Nastuch und fast keine gelben Flecken. Die Leiter wiesen uns denn auch an, alles wieder mitzunehmen und Pipi zuzudecken, klar. Aber dass das so gut funktioniert, hat mich ziemlich beeindruckt, das hatte ich bisher noch nirgends in Südamerika so gesehen.

Etwa 100 m unterhalb des Gipfels legten wir die Rucksäcke ab. Alle Felsen, die hier aus dem Gletscher ragen, sind auf der Windschattenseite mit waagrechten, in Windrichtung gefurchten Eiszapfen befroren, was mega schön aussieht! Ich hatte einen kleinen Rückfall, weil ich es fast nicht einsehen konnte, warum manche nicht verstehen, dass wir zügig machen müssen, wenn wir vor dem grossen Pulk oben sein möchten, so wie es die Leiter ja gerade gesagt hatten. Nur mit Pickel und Gasmaske machten wir uns auf zum Kraterrand.

Mir fielen fast die Augen aus dem Kopf! Der Krater ist riesig! Hat einen Durchmesser von 200m (und ist damit noch lange nicht bei den Grossen) und dann einfach dieses buchstäblich bodenlose Loch mit gelblichen Wänden und Dampf der aus den Ritzen und sogar dem Schnee quillt. Und man sieht die flimmernde, heisse Luft mit Dampf aus dem Krater bis über die Köpfe steigen. Ab und zu kommt auch eine Welle Gas, das nach Schwefel und anderem gifitgem stinkt. Und manchmal beginnt der ganze Krater zu dröhnen und fast zu beben, es löst sich eine Heissluftblase aus dem Innern und donnert gewaltig nach oben. Beim ersten Mal erschraken wir nicht schlecht. Und ein paar Mal sahen wir ganz weit unten im Loch, wie schwarze Lavabrocken aufgeworfen wurden.

Ich fragte einen Leiter, wie hoch die höchste Lavafontäne war, die er hier erlebt habe. «25 m über den Kraterrand», inklusive Lavasteinbröckli, die dadurch auf die Köpfe fielen. Aber das war im letzten Herbst, als der Vulkan wegen erhöhter Aktivität während zwei Monaten gesperrt war (gewesen wäre, er ging mit einem Kollegen fürs Schauspiel trotzdem hoch, der Spinner). Und natürlich, meinte er, habe er vom Tal her zugeschaut, als der Vulkan 2015 seinen letzten Ausbruch hatte und Lava bis in den Wald hinunter strömte.

Auch die Aussicht vom Gipfel war super: Für uns ist das so seltsam, wenn alles rundherum, bis zum Horizont in alle Richtungen höchstens hügelig ist, und man auf einem so alleinigen Gipfel steht. Das ist wirklich eine einmalige und sehr eindrückliche Weitsicht!

Und dann gings hinunter. Zuerst zurück zu den Rucksäcken, dort packten wir dann Überhosen und Überjacken aus, die das Gepäck so schwer gemacht hatten. Zudem einen, ich nenne ihn, Füdlirutscher, ein Stück Plastik, das man unters Füdli legt und darauf auf dem Schnee den Hang hinunter rutschen kann. Und so machten wir 7/8 des gesamten Abstiegs! Die Überkleidung so wie ein zusätzliches Stück starken Stoffs, das man übers Füdli spannte, dienten als Schutz, da die Steine im Schnee ziemlich fies die Kleidung aufschlitzen können. Es war so ein Heidenspass! Ich lachte die gesamte Abfahrt hindurch! Dadurch, dass alle so «absteigen» bildet sich schnell eine richtig Bahn, in der man gut Tempo aufnimmt. Der Pickel hält man mit beiden Händen und drückt das Ende bei Bedarf als Bremse in den Schnee. Warum ist man in den Alpen noch nicht darauf gekommen, so von einem Berg hinunter zu kommen? ;-)

Chile

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