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8. Etappe Teil 2: Nach Hontanas über die Meseta

Veröffentlicht: 06.11.2023

Nun machte ich mich auf den Weg ins elf Kilometer entfernte Dorf Tardajos. Der Weg, wie die letzten Tage im Allgemeinen, war relativ eben, wodurch das Laufen sehr angenehm und zügig von statten ging. Der Weg verlief über eine Autobahn-Brücke und durch Baustellen fand ich den Weg zuerst nicht. Generell kann man aber schon sagen, dass der gesamte Weg gut ausgeschildert ist und abgesehen von ein paar Stellen leicht zu finden ist. Und zur Not hat man ja immer sein Handy und GPS dabei. Im Ort angekommen gab es nicht viel und so ging ich weiter nach Rabé de las Calzadas. Ab dort beginnt die Meseta, eine Hochebene, die kaum von Bäumen bewachsen ist. Meseta geht dabei auf das spanische Wort Mesa zurück, was so viel wie "Tisch" oder "Ebene" bedeutet. Ich überlegte auf dem Weg, bis wohin ich heute gehe. Eigentlich hatte ich vor, nach Castrojeriz zu laufen, doch dies wäre zu viel für mich gewesen. Deswegen entschied ich mich, nur bis nach Hontanas zu laufen. Dort gibt es zwei Herbergen, die ich telefonisch nicht erreichen konnte, aber ich war guter Dinge, dass eine von beiden auf hat. Und wenn alle Stricke reißen, hätte ich weiterlaufen müssen oder ein teureres Hotel dort nehmen müssen je nachdem, wie viel Kraft ich dann haben werde. Auf dem Weg bin ich noch durch Hornillos del Camino durchgelaufen, ein Ort, wo Bienen eine große Rolle spielen. Im Reiseführer wird gewarnt, dass man an den Bienenkasten vorsichtig vorbeigehen muss, um nicht gestochen zu werden. Ich hatte Glück. Bienen hatte ich keine gesehen und auch sonst war der Ort sehr leblos. Die zwei Bars und der Tante Emma- Laden hatten zu, sodass ich weitergegangen bin. Der Weg durch die Meseta ist sehr schön, denn links und rechts sieht man nur schöne Landschaften und verlaufen kann man sich auch nicht. Aber der Weg kann sich dadurch etwas ziehen. Jedenfalls spürte ich schon meinen Körper und obwohl es trocken war, hat es wieder ordentlich gewundert und dadurch wurde der Weg etwas erschwert. Endlich erreichte ich das Dorf und nachdem die erste Herberge zu hatte, ging ich zur nächsten. Dies war die öffentliche Herberge. Ich trat ein, sah schon einige Wanderschuhe im Regal. Also auf hatte sie. Jetzt hoffte ich noch, dass ein Bett frei ist. Leider war niemand an der Rezeption, aber eine Pilgerin meinte, dass der Besitzer gleich wiederkommt und es noch genug Platz gibt. Dies freute mich und ich konnte entspannt meine Schuhe ausziehen und in meine Hausschlappen schlüpfen. Dann kam der Besitzer. Er bot einem an, abends am Pilgeressen teilzunehmen für 12€, doch ich fühlte mich so kaputt, dass ich mich nur duschen und dann hinlegen wollte. Also lehnte ich dankend ab. Und er führte mich in einen großen Raum mit 11 Betten. Viele waren schon belegt und alle wirkten ein wenig distanziert und waren am Handy. Ich müsste ein Bett oben nehmen, aber die Heizung war an und nach der Dusche kuschelte ich mich in die Decke und ruhte mich aus. Dann schaute ich kurz nach, wo der Supermarkt ist. Dieser war schräg gegenüber und leider hatte ich zu. Sonst im Ort gab es 2 Restaurants, die auch geschlossen hatten. Zum Glück hatte ich noch ein halbes Baguette und einen Apfel, den ich mit einer Dose Cola Cherry trank. Dies muss für heute reichen. Die Unterkunft ist schon etwas in die Jahre gekommen und für 15€ verhältnismäßig teuer, aber man beklagt sich nicht. Hygiene im Sanitärbereich ist auch ausbaufähig, aber der Besitzer kann ja auch nichts dafür, wenn andere Pilger das Bad dreckig hinterlassen. Jedenfalls sind dann alle runtergegangen und haben gegessen und ich hatte den Raum für mich. Auf der einen Seite habe ich mich ein wenig ausgeschlossen gefühlt, aber ich wollte meine Ruhe haben und generell bin ich ein Mensch, der oft seine Ruhe braucht und auch zu Hause öfter Abende mit sich verbringt als mit Freunden. Ich kann da viel Kraft daraus schöpfen. Natürlich möchte ich auf dem Jakobsweg auch andere kennenlernen und in Kontakt treten, aber primär mache ich den Weg für mich und gehe ihn in meinem Tempo. Bisher laufe ich den Weg auch fast immer alleine, weil generell wenig Leute unterwegs sind und meistens die Pilger gerade eine Pause machen, wenn ich vorbei gehe oder sie sehr langsam laufen. Vielleicht ändert sich das auf dem Weg noch. Bei meinem ersten Jakobsweg von Porto aus bin ich fast jeden Tag mit anderen gelaufen, bei meinem zweiten Weg bin ich die erste Hälfte auch allein gelaufen, aber gegen Mitte des Weges bin ich meist mit einer Person zusammen gelaufen. Ich finde, sowas kann man nicht planen und muss sich immer ergeben. Deswegen habe ich die Ruhe im Raum genossen und die Etappe für den nächsten Tag geplant. Und bin dann auch früh eingeschlafen.

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