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6 Wochen kreuz und quer durch Italien

15.10.2020-Amalfiküste und viel zu schmale Straßen

15.10.2020

Liebe Freunde,

was für shit-Wetter man hier haben kann und im nächsten Augenblick Sonnenschein.

Heute wurden wir von grauem Himmel und dem Gedanken an den traschenden Regen des Morgens geweckt. An Tagen wie diesen habe ich früh natürlich super gute Laune, hust nein hust. Doch mit Papas aufmunternden Worten und der Aussicht auf schöne Sandstrände konnte ich mich genug motivieren, damit wir einigermaßen vormittags los machen konnten. Italienische Straßen ahoi, in den Städten kamen wir auch durch unsere neu gewonnen Erkenntnisse des Vortages sehr gut voran und befanden uns schon bald auf einem schmalen Weg am Rande der Steilküsten, in der Hoffnung das alles gut gehen würde und einem kribbelnden Gefühl im Unterbauch und es waren definitiv keine Schmetterlinge. Bei Vico Equense machten wir zum ersten Mal halt. Das türkisblaue Wasser und die unter Bäumen hervorlugenden Häuser sahen von weiten einfach zuckersüß aus und auch die Tatsache, dass die Sonne uns in diesem Moment bestrahlte, sorgte für eine kindliche Freude beim Anblick des Meeres. Da aber eine graue Wolkenwand mit auffallend dunklen Bindfäden auf uns zu kam, stiegen wir wieder ins Auto und ab ging es einmal über den Berg zur Amalfiküste.

Bei der ersten Einfahrt die sich richtig für uns anfühlte, machten wir Halt. In der Entfernung konnte man sogar eine Stadt erahnen, bloß war auch hier die Front, die unbedingt Wasser los werden wollte, angekommen und so beschlossen wir kurzerhand eine Pause einzulegen, ein Spiel Rummikub zu verlieren und darauf zu warten, dass sie weiterzieht. Nach einem beeindruckend grausamen Regenguss fing die Sonne dann wirklich an zu scheinen und bot uns eine wunderschöne Aussicht, wieder mit meinem heiß geliebten türkisfarbenen Wasser. Doch meine Niederlage konnte ich nicht auf mir sitzen lassen und deshalb musste noch eine neue Runde gespielt werden, diesmal habe ich es hinbekommen. Mit einem befriedigenden Unentschieden setzte sich unser Wohnmobil wieder in Bewegung. Diese steilen Hänge sind schon wunderschön. Fünfzig Meter in die Tiefe stürzend und dann plötzlich, weil jetzt nur noch siebzig Grad Steigung sind, ein Haus. Manchmal sogar an fast geraden Hängen stehen die Häuser wie die Zinnsoldaten, eins nach dem anderen aufgereiht, so hoch gebaut, dass das Dach des Hauses als Parkdeck benutzt werden kann. Manchmal jedoch ist die Grundfläche nur so groß, dass höchstens ein Mini darauf Platz hat oder eine kleine eiserne Tür ist der Beginn einer steilen, steinernen Treppe, die in die Wand geschlagen ist und den einzigen Weg markiert, um zur zwanzig Höhenmeter tiefer gelegenen Haustür zu gelangen. Diese Menschen müssen so starrköpfig gewesen sein, wenn sie sich dachten, dass sie unbedingt hier siedeln wollen. Es ist kein Platz für einen Fußweg, nur schmale Treppen führen zu höher gelegenen Häusern und der Hafen ist ein vielleicht zehn Meter langer Streifen aus Sand, der zufällig zwischen zwei Steilwänden zu finden ist. Niemand hier hat auch nur die Chance auf einen Garten, weil die Häuser häufig ein bisschen über die Felsen hinausragen, aber schön anzusehen, ist es auf alle Fälle. Schwer beeindruckend und unglaublich atemberaubend von der Ferne und einfach nur stur und halsbrecherisch von nahem.

Wir, mit unserem Kastenwagen, gehören schon zu den größeren Autos und die Tatsache, dass dieser Weg an der Küste in Deutschland sofort als Einbahnstraße abgestempelt werden würde, hält die Leute hier nicht davon ab in einem rasendem Tempo um die Kurven zu fahren, die so spitz sind, dass selbst wir manchmal wie ein Lkw um die Ecken schleichen. Doch das Beste kam erst, als uns mein neuer Freund der Busfahrer entgegenkam. Die Male zuvor sind solche Begegnungen immer glimpflich ausgegangen, wir standen am Rand und der entgegenkommende Fahrer wusste, wie er die Straße händeln musste. Doch jetzt waren wir gerade um eine recht steile Kurve gefahren, die dazu noch super eng war und er stand vor uns. Quietschende Bremsen, dann legte Paps den Rückwärtsgang ein und wahrscheinlich wäre alles gut gegangen, wenn mein neuer Freund uns nicht direkt hinterher gesetzt hätte. Immer weiter ging dieses Spiel: wir fuhren ein bisschen zurück damit Paps wieder vor konnte um umzulenken und der tolle Busfahrer fuhr hinterher. Als die Abstandssensoren ein durchgängiges Piepen von sich gaben und mein Blick aus dem Fenster eine Entfernung unseres Hintern von ca. 2mm zur winzigen Barriere, die uns davon abhielt in die Schlucht zu fallen, zeigte. Wurden meine Handbewegungen nun mehr als nur wütend, um dem verfluchten Idioten zu sagen, dass er doch gefälligst zurückfahren sollte. Doch keine Reaktion nur von seiner Seite aus, fluchen, dass wir doch weiter zurücksollen, aber das ging nicht, weil er uns den Weg versperrte, um einzulenken.

Zum Glück kam in diesem Moment der Fahrer des Pkws hinter uns dazu, nickte uns aufmunternd zu und gestikulierte wild und brüllte den Busfahrer freundlich, wie sie hier alle sind, kurz an, danach war plötzlich vor uns frei. Mit einem erleichterten Aufatmen konnte Paps nun endlich das Lenkrad ein bisschen mehr drehen und wir kamen zügig wieder zurück ein kleines Stück der Ecke, was breiter war. Danach lief alles wie geschmiert, nach wahrscheinlich zehn Minuten schwitzen und an den Rand der Klippe gedrängelt werden, konnten wir endlich weiterfahren. Das war genug Aufregung für eine ganze Woche.

Als die Straße dann endlich breiter wurde, konnten wir beide aufatmen und der Weg, der sich vor uns auftat, war gerade wie eine Schnur. Scheinbar wollte uns jemand entschädigen für die voran gegangenen Mühen. Direkt am Sandstrand gab es für uns dann noch Kuchen und natürlich eine kleine Berührung des Wassers. Status update: immer noch nass, irgendwo zwischen kühl und lauwarm.

Unser Endziel erreichten wir heute in Santa Maria di Castellabate. Einer kleinen Stadt die im Sommer bestimmt von Touristen überlaufen ist, jetzt aber nur ein paar Einheimische und ab und zu Deutsche beheimatet. Die Strandpromenade war malerisch und dass sich gegen die Steine des Hafens werfende Meer, war wild und glasklar. Wunderschön und sogar mit Strandabschnitten, die dazu einluden sich in die Wellen zu werfen, doch da die rote Fahne gehisst und es schon von draußen ziemlich gefährlich aussah, wollte ich es nicht unbedingt von drinnen erfahren. Nur zwei Idioten standen in Badehosen zwei Meter vom trockenen Strand entfernt im Wasser und wurden schon dort häufig von Wellen die über ihre Köpfe schmetterten getroffen, doch schön war es auf alle Fälle. Vor allem da der Sonnenuntergang einfach malerisch war.

Bis bald und überleben werden wir das hier hoffentlich.

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