Igaliku - der Sitz des Bischofs
Bei starkem Regen mache ich mich auf zum Hafen, die heftigen Windböen klappen sogar den Regenschirm um. Nicht gerade das passende Wetter, um mit einem kleinen Boot knapp 50km...


Veröffentlicht: 19.07.2026
Mit dem alten Toyota Pickup werde ich zur Anlegestelle auf der anderen Seite des Hügels gefahren. Mit ca. 4km wiederum nicht wirklich weit, aber auch hier der Weg eher ein Meer aus rutschenden Steinen. Während der Fahrt erspähe ich einen kleinen Wald - nur wenige hundert Quadratmeter und die Bäume vielleicht 3-4m hoch, aber: ein Wald!
Am Anleger verabschiedet sich der Fahrer. Das Boot käme in ca. einer halben Stunde. Nun stehe ich mutterseelen alleine im Nirgendwo, es regnet. Kurzzeitig flammt der Gedanke auf, weshalb ich nicht einfach eine Woche Malle all inclusive gebucht habe. In der nächsten Sekunde fokussieren meine Augen sich auf die im Hintergrund wie an einer Perlenkette aufgereihten Eisberge. Und auch die Seele ist wieder fokussiert. Eingenordet.
Kurze Zeit später kommt das Boot - wie immer fullspeed. Ich vermute mittlerweile, die grönländischen Boote haben nur zwei Gänge: 1=Langsamfahrt zum Anlegen, 2=volle Kraft voraus.
In Brattahlíð angekommen, lasse ich das verführerische Café rechts liegen. Ein Fehler, wie sich nachher herausstellt. Im Regen laufe ich durch den kleinen Ort den knappen Kilometer zur UNESCO -Welterbestätte, dem Hof Erik des Roten, des Entdeckers Grönlands und Vaters von Leif, dem Entdecker Amerikas, und der ersten auf grönländischen Boden errichteten Kirche, durch Þjóðhildr, die Frau Eriks des Roten. Also eine wirklich interessante, wenn auch raubeinige Familie.
Die Ruinen sind noch größer als in Igaliku, das Gelände des mittelalterlichen Hofes gigantisch. Die Gebäude sind nur noch in Umrissen erhalten, deshalb wurden ein Wohnhaus und die Kirche als eindrucksvolle Replik errichtet. Die zu sehen, darauf hatte ich mich besonders gefreut. Leider hatte ich nirgends einen Hinweis gefunden, dass man eine Besichtigung anmelden muss - der Hinweis erfolgt erst auf einem Schild vor Ort. Also nichts mit Besichtigung des Inneren. Strömender Regen und dann das. Ich bin gnatschig. Noch gut eineinhalb Stunden, bis das Boot mich abholt. Also am Hafen in das Café, stimmungserhellend etwas essen. Dort das Angebot einer Führung gesehen. Ja, sapperlott! Wäre ich doch nur gleich zu Beginn ins Café gegangen... Jetzt habe ich weder Zeit noch Lust, den Weg nochmals zu laufen.
Zusammen mit einem niederländischen Paar freue ich mich auf das (natürlich) fullspeed heranrasende Boot. Kurz vor dem Anleger geht der Motor aus. Hmmm, trotzdem mitfahren? Die genauso unangenehme Alternative: ohne Gepäck (das war vorhin schon allein zum Ziel gebracht worden) im Dauerregen im Nirgendwo bleiben.
Es geht zu den Eisbergen des Qooroq, zwar viel kleiner als im Norden bei Ilulissat, aber Eisberge! Ganz aus der Nähe! Fullspeed (muss ich nicht erwähnen, oder?) rasen wir zwischen den Eisbergen hindurch, manchmal mit einem scharfen Schlenker, um einem solchen auszuweichen. Faszination und Furcht wechseln sich ab. Irgendwann geht es nicht mehr weiter, das Eisfeld wird zu dicht. Der Gletscher ist wegen des Regens leider nicht zu sehen. Zu hören ist aber ein unglaubliches Prasseln, das Platzen der im Eis eingeschlossenen jahrtausendealten Luftbläschen. Magisch! Der Tourbegleiter fischt einen kleinen Eisblock aus dem Wasser und kredenzt uns Martini on the rocks. Das dürfte aber nichts zu dem Genuss des Bootsführers sein, der auf dem Weg nach Narsarsuaq kurzerhand mit der Bugspitze an eine Steilwand fährt und seinen Assistenten direkt aus dem kleinen Wasserfall eine Flasche abfüllen lässt.
