Bevor es heute gegen Mittag von Managuas Flughafen „Aeropuerto Agusto C. Sandino“ Richtung Mexico City geht, haben wir noch Zeit für ein gemütliches Frühstück im Hotel – heute mit Musikbegleitung, weil eine Mariachi Band ein Geburtstagsständchen an einem Nebentisch darbringt.
Der Weg von Granada zum Flughafen dauert mit dem Auto eine knappe Stunde, zum Glück müssen wir nicht eins der recht zahlreichen TukTuks „Made in India“ benützen.
Unser Flug ist der einzig aktuelle um diese Zeit, sodass wir alle Kontrollen recht schnell hinter uns bringen.
Nach dem Start Richtung Nordwesten haben wir noch einen schönen Blick auf den Lago Xolotlán und den leicht vor sich hin rauchenden Vulkan Momotombo.
Beim Anflug auf den Flughafen „Benito Juarez“ kann man die gigantischen Dimensionen von Mexico City erahnen – die Stadt hat in der Metropolregion gegen 23 Millionen Einwohner und ist damit zurzeit die größte Stadt Nordamerikas. Mexico liegt auf einer Höhe ca. 2300 m über Meer.
Der Flughafen ist derzeit eine einzige Baustelle, aber trotzdem sind wir sehr rasch durch Immigration, unser Gepäck kommt kurz danach und bei der Zollkontrolle müssen wir auch nur ein paar Minuten warten – nach etwas mehr als einer halben Stunde nach Landung sitzen wir schon im Auto unseres Abholers.
Unser Hotel ist im Finanzviertel nahe der Plaza Reforma mit dem bekannten Denkmal für die Unabhängigkeit – „El Ángel de Independencia“.
Der erste Weg in die Stadt führt uns natürlich zum zentralen „Zócalo“ – offiziell „Plaza de Constitutión“. Der riesige Platz umfasst etwa 250 m x 250 m und wird nicht nur zum Valentinstag, sondern auch für diverse Demonstration und Aktionen verwendet. Heute wird zur Solidarität mit Kuba aufgerufen, die alten Kämpfer Fidel Castro und Che Guevara dürfen nicht fehlen. Es ist offensichtlich, dass die Beliebtheit der USA hier in Mexico in letzter Zeit einen gewaltigen Dämpfer erlitten hat.
Umgeben ist der Platz von imposanten Bauten – unter anderem das schöne „Gran Hotel Ciudad de México“ – ursprünglich 1895 – 1899 als Kaufhaus „Centro Mercantil“ im Jugendstil erbaut. 1958 schloss das Kaufhaus und das Gebäude wurde für die Olympischen Spiele 1968 renoviert und in ein Hotel umgewandelt. Eine umfassende Restaurierung 2003 – 2005 brachte den alten Glanz, vor allem der berühmten Tiffany-Glaskuppel über der Empfangshalle, wieder zum Vorschein.
Gegenüber liegt der Regierungspalast, dessen Inneres mit sehr schönen Mosaiken, die Geschichte Mexicos darstellend, leider seit einigen Jahren nicht mehr zugänglich ist.
Die Nordseite des Platzes nimmt die riesengroße Kathedrale – mit vollem Namen „Catedral Metropolitana de la Asunción de María de la Ciudad de México“ ein, die wir später noch besuchen werden.
Es ist allerhand los und auch selbsternannte Schamanen und maskierte Schausteller hoffen auf touristische Einnahmen.
Der aztekische Krieger am Bild ist für den Día de los Muertos (Tag der Toten) in Mexiko verkleidet. Er trägt einen traditionellen Kopfschmuck aus Federn, bekannt als Penacho.
Das Gesicht ist als Totenkopf bemalt, was ein zentrales Element dieser mexikanischen Feierlichkeit ist.
Ein Stück weiter stehen wir vor der archäologischen Ausgrabung des aztekischen „Templo Mayor“ – eine daneben aufgestellte Bronzedarstellung lässt die großen Dimensionen der Aztekenhauptstadt Tenochtitlán erahnen.
Die Stadt wurde um 1325 von den Azteken auf einer Insel im Texcoco-See gegründet. Sie entwickelte sich zu einem mächtigen Zentrum mit beeindruckenden Pyramiden wie dem Templo Mayor.
Unter der Führung von Hernán Cortés belagerten und zerstörten die Spanier und ihre indigenen Verbündeten 1519–1521 die Stadt. Auf den Trümmern von Tenochtitlán gründeten sie die koloniale Hauptstadt Mexiko-Stadt.
Als Sitz des Vizekönigreichs Neuspanien wurde die Stadt nach europäischem Vorbild mit Kirchen und Palästen neu aufgebaut. Große Teile des Sees wurden nach und nach trockengelegt. Jedoch blieb das ehemalige Seebett instabil und daher kämpft Mexico City bis heute dem weiträumigen Absinken des Bodens (bis zu 9 Meter im Zentrum).
Nach der Unabhängigkeit 1821 erlebte die Stadt turbulente Zeiten, darunter Besetzungen durch US-amerikanische (1847) und französische Truppen (1861–1867).
In diese französische Besatzungszeit fällt auch die tragische Episode des unglücklichen Habsburger Erzherzogs Ferdinand Maximilian, einem Bruder von Kaiser Franz Josef.
Der französische Kaiser Napoléon III. wollte in Mexiko ein militärisch und wirtschaftlich an Frankreich angelehntes Reich begründen. Seit 1861 hatte er dort bereits mit Truppen interveniert, weil Mexiko (unter seinem Präsidenten Benito Juárez – einem indigenen Zapoteken) sowohl den spanischen Gesandten wie auch den päpstlichen Legaten des Landes verwiesen hatte. Benito Juárez hatte die Zahlungen der 82 Millionen US-Dollar Schulden, die – unberechtigt -von den Europäern gefordert wurden, eingestellt.
In dieser Situation wurde Ferdinand Maximilian auf Betreiben des französischen Kaisers am 10. April 1864 gegen den Widerstand des mexikanischen Volkes zum Kaiser Maximilian I. von Mexiko ausgerufen.
In Mexiko angekommen, musste der Habsburger feststellen, dass sämtliche amerikanischen Staaten den von den Franzosen abgesetzten mexikanischen Präsidenten Juárez unterstützten, da sie in Maximilian eine unerwünschte europäische Einmischung sahen.
Nach zwei Jahren in Mexiko verabschiedete Maximilian ein Dekret, durch das die Anhänger von Juárez als Räuber galten und ohne Gerichtsurteil getötet werden durften. Auf Grund dieses Dekrets wurden ca. 9000 Menschen ermordet.
Nach dem Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs mussten die Franzosen auf Druck der USA ihre Truppen 1866 aus Mexiko abziehen. Danach konnte sich Kaiser Maximilian nicht mehr lange gegen den populären Juárez behaupten, auch weil seine Hilferufe in Europa unbeantwortet blieben.
Er wurde 1867 von der legitimen Regierung des Präsidenten Benito Juárez gefangen genommen, von einem Kriegsgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Im 20. Jahrhundert kam es zu einem massiven Bevölkerungswachstum auf die heute über 20 Millionen Menschen im Ballungsraum. Meilensteine waren die Olympischen Spiele 1968 und das schwere Erdbeben von 1985 mit offiziell über 10.000 Toten, andere Quellen sprechen von bis zu 25.000 Opfern. Mexico City wurde in großen Bereichen weitgehend zerstört.
Doch zurück zu unserem Rundgang, wir kommen zur Kathedrale und gehen natürlich hinein.
Die Ursprünge der Kathedrale von Mexiko-Stadt reichen bis in die frühen Tage der spanischen Eroberung zurück. Sie wurde auf den Ruinen des Azteken-Tempels Templo Mayor errichtet, wobei der Grundstein 1571 gelegt wurde und der Bau offiziell 1573 begann. Es dauerte bis 1813, also fast 250 Jahre Bauzeit, bis das Äußere vollendet war. Das Design der Kathedrale hat sich natürlich an spanischen Kathedralen orientiert.
Diese lange Bauzeit ergab eine Mischung verschiedener Architekturstile, darunter Gotik, Barock und Neoklassizismus.
Die Kathedrale erstreckt sich über eine Fläche von mehr als zwei Hektar, mit Abmessungen von etwa 61 Metern Breite und 128 Metern Länge. Ihre beiden Türme ragen 67 Meter in die Höhe und beherbergen 35 Glocken,
Im Inneren umfasst die Kathedrale fünf Schiffe, die von 51 Gewölben, 74 Bögen und 40 Säulen getragen werden. Zwei Hauptaltäre dominieren die Kathedrale.
Nach einer kurzen Erholungspause – es ist ziemlich heiß geworden – geht es mit dem Auto unsres Guide Gabriel durch den teilweise eher chaotischen Verkehr Richtung Guadalupe, einem Teil der Metropolregion.
Die Geschichte der Jungfrau von Guadalupe ist das Herzstück der mexikanischen Identität und macht ihren Wallfahrtsort in Mexiko-Stadt zum meistbesuchten Marienheiligtum der Welt mit etwa 20 Millionen Pilgern jährlich.
Die Geschichte geht auf den Dezember 1531 zurück, nur zehn Jahre nach der spanischen Eroberung.
Dem indigenen Bauern Juan Diego Cuauhtlatoatzin erschien auf dem Hügel Tepeyac eine dunkelhäutige Frau. Sie stellte sich als die Mutter Gottes vor und bat Juan Diego, dem Bischof von Mexico auszurichten, dass an diesem Ort eine Kapelle errichtet werden solle.
Da der Bischof dem „ungläubigen“ Indio nicht glauben wollte und Beweise forderte, ließ die Jungfrau mitten im Winter Rosen auf dem kargen Hügel blühen. Als Juan Diego diese bei einem zweiten Besuch im Bischofspalast in seinem Umhang (der Tilma) vor den Bischof schüttete, erschien auf dem Stoff wie durch ein Wunder das Abbild der Muttergottes. Jetzt war auch der Bischof vom Wunder der Marienerscheinung überzeugt. Das Bild auf der Tilma ist bis heute als Gnadenbild in der Basilika ausgestellt und gilt als wissenschaftlich nicht erklärbar. Juan Diego wurde erst 2002 von Johannes Paul II. heiliggesprochen.
Maria von Guadalupe wird als „Schutzpatronin Mexikos“ und „Königin Amerikas“ verehrt. Sie vereint indigene und christliche Symbole, was von der katholischen Kirche zur Missionierung der Indios genutzt wurde und damit entscheidend für die Christianisierung Lateinamerikas war. Der 12. Dezember ist der wichtigste Festtag, an dem Millionen Menschen mit Musik und Tänzen zur Basilika ziehen.
Heute gibt es drei Kirchen, die der Maria geweiht sind.
Die ursprüngliche Kirche auf dem Hügel Tepeyac, wo die Marienerscheinung stattgefunden haben soll -heutzutage nicht regulär zugänglich.
Dazu zwei Hauptgebäude auf dem Gelände unterhalb, die Antigua Basílica -Der barocke Bau aus dem 18. Jahrhundert ist aufgrund des weichen Bodens gefährlich abgesunken. Sowie die 1974 geweihte, moderne Rundkirche Nueva Basílica des Architekten Pedro Ramírez Vázquez. Sie bietet Platz für bis zu 40.000 Menschen und ermöglicht durch Rollbahnen unter dem Gnadenbild auf der Tilma einen steten Besucherfluss. Im Inneren ist diese Kirche ausgesprochen stimmungsvoll.
Diese beiden Kirchen stehen am riesigen Vorplatz „Plaza de las Américas“, auf dem Freiluftmessen für hunderttausende Gläubige am 12. Dezember und bei Papstbesuchen abgehalten werden. Sowohl Papst Johannes Paul II. als auch Papst Franziskus haben die Stätte besucht.