Einfach mal Danke sagen
Tag #42 Donnerstag, der 11.06. Von Kraimorie bis irgendwo bei Gramatikowo Land: Bulgarien [Anm.d.Red.: Erst fehlte das Internet in den bulgarischen Bergen und d


Veröffentlicht: 14.06.2026




















Tag #43
Freitag, der 12.06.
Von irgendwo bei Gramatikowo bis Beypinar
Land: Bulgarien / Türkei
Die Nacht war entspannt und abgesehen davon, dass ich einmal ein Reh verschreckt hab, war alles ruhig.
Aufgrund der doch exponierten Lage beginne ich zeitig damit meinen Schlafkram zusammen zu packen, danach ist's was entspannter.
Und das Solarpanel kann ich auch erstmal in die Sonne legen.
Zudem nehme ich mir die Zeit beim Frühstück nochmal ein bisschen mein Fahrrad zu pflegen.
Ist dringend angebracht.
Das neben der regelmäßig verkehrenden Grenzpolizei auch Frontex vorbei kommt macht deutlich, wie abgeschottet die Grenze ist.
Unabhängig von der gestrigen Begegnung.
Erstmal gibt's eine schöne Abfahrt und dann auch schon den nächsten Grenzposten.
Die beiden Hunde ordne ich den Beamten fälschlich zu und bin entsprechend überrascht, als sie auf mich zustürmen.
Und dann passiert es, dass mich der eine Köter in die Wade beißt.
Fuck!
Während ich die Wunde betrachte spricht mich der Frontextyp auf deutsch an.
Wohl einfach auf Verdacht ... wer ist sonst so bekloppt und fährt hier mit dem Fahrrad durch die Gegend.
Er ist bemüht mir zu helfen, hat jedoch kein Desinfektionsmittel oder ähnliches.
Für die Wundversorgung nehme ich also mein erste Hilfe Täschchen.
Vielleicht suchen die Hunde die Nähe der Beamten, in der Hoffnung auch eine Uniform zu erhalten und endlich jemand zu sein.
Wer weiß.
Der Beamte vom Niederrhein meint jedenfalls zu wissen, dass der bissige Hund vor kurzem geimpft wurde, da eine Kollegin mit dem zum Tierarzt gefahren sei.
Wer auf jeden Fall geimpft ist bin ich, und so kann ich mit einer verbundenen Wade einigermaßen entspannt weiter fahren.
Und ab jetzt gibt's nur eine Richtung, hoch geht's in Richtung Grenze, die oben in den Bergen liegt.
Und während ich noch mit meinem verbleibenden Wasser Haushalte, kommt wie gerufen eine Wasserstelle.
Das auch hier Einheimische mit ihren Kanistern stehen ist schon ein gewohnter Anblick.
Bei einer zwischenzeitlichen Abfahrt kommt ein fieses klackendes Geräusch von meinem Hinterreifen.
Bis ich die Ursache gefunden habe dauert es einen Moment und ich habe leichte Panik, dass was mit der Achse sein könnte.
Es ist zum Glück ein Stück Dreck. Hart wie ein Stein, der oben auf dem Hinterreifen liegt und dort eingesperrt ist.
Ein Überbleibsel von vorgestern, das sich durch das Gerappel gelöst hat.
Schade, dass ich meinen Draht gestern entsorgt hab.
Also Tasche abnehmen, damit ich an die Stelle dran kommen kann und mit einem Stück Holz beginnt die Operation.
Der Fremdkörper kann schließlich entfernt werden, Patient ist wohl auf.
Dann ist sie endlich da, die Grenze zur Türkei.
Vorher muss ich allerdings mehrmals meinen Perso hervor kramen.
Das erste mal, um Bulgarien überhaupt verlassen zu können.
Erfreulich, es wird mir bestätigt, dass ich ich bin.
Dann kommt die eigentliche Grenze
Mein Vorteil ist, dass ich als Radfahrer das Signal bekomme an den wartenden Autos vorbeifahren zu dürfen.
Dem türkischen Beamten gebe ich meinen Ausweis und zusammen mit einem gestempelten Blatt Papier erhalte ich ihn zurück.
Die Kontrolle des Gepäcks ist auch denkbar einfach.
Der nächste Beamte klopft einmal auf meine Gepäckrolle und fragt mich woher ich komme und wohin ich fahre.
Dafür bekomme ich eine Ghettofaust und weiter geht's.
An einer Schranke will ich vorbeifahren, in der Annahme alle Formalitäten erledigt zu haben, doch da hat der Typ in seinem Häuschen was gegen.
Deutlich daran zu merken, dass er mich anschreit.
Okay, hier bitte Ausweis und gestempeltes Papier, dann geht die Schranke hoch und ich darf weiter fahren.
Wie schön ist doch die Reisefreiheit.
Nach dem Grenzübergang, der Asphalt ist ein Traum, nehme ich mir kurz die Zeit für eine Rast, da ich dringend was essen muss.
Einen schönen Platz für eine richtige Pause möchte ich mir anschließend suchen.
Die Leitplanke ist nur bedingt bequem.
Doch es kommt anders, stattdessen treiben mich die Wolken voran.
Der Himmel zieht sich immer weiter zu, es wird richtig dunkel und neben mir höre ich lauter werdendes donnern.
Das eigentliche Gewitter zieht immerhin knapp an mir vorbei.
Die Landschaft ist ganz anders, als auf der bulgarischen Seite.
Wunderschön fahre ich durch die Berge, vorbei an zerklüfteten Felsen, Feldern und komme durch einzelne Bauerndörfer.
Als der Regen anfängt befinde ich mich in einem Waldgebiet, das sich dem Ende entgegen neigt und so entscheide ich bereits am späten Nachmittag, dass für heute Feierabend ist.
Der Tag war auch so bewegt genug.
Als erstes das Tarp aufbauen und dann leg ich mich in die Hängematte.
Und mach ne Stunde lang erstmal gar nichts.
Also doch, mal die Karte und weitere Route checken.
Ansonsten einfach nur existieren.
Um 20:52 ist Sonnenuntergang. Angekündigt durch die Rufe vom Minarett.
Zu dem Zeitpunkt ist das Meiste bereits erledigt und es gibt noch Abendessen aus meinen verbleibenden Resten, da es heute keine Gelegenheit für einen Einkauf gab.
Und nachdem ich Jenni noch mitteilen konnte, dass es mir gut geht, schlafe ich sanft schwingend zum Klang des Regens ein.
Song des Tages:
Heaven Shall Burn - Trespassing the Shores of Your World
