Geteilte Eindrücke
Tag #68 Dienstag, der 07.07. Pausentag in Mostar Land: Bosnien u Herzegowina Zum Frühstück gibt es Börek, Ruben war früher wach und bereits einkaufen. Heu


Veröffentlicht: 12.07.2026




















Tag #69
Mittwoch, der 08.07.
Von Mostar bis Klek
Land: Bosnien u Herzegowina / Kroatien
Es gab ein gutes zweifaches Frühstück. Meine normale Mischung aus Haferflocken und dem Rest, und Ruben hat noch Eier gemacht.
In Ermangelung eines Topfes und Öl in einer Pfanne mit Wasser gekocht. Also ohne Schale.
Kreativ gelöst, das Ergebnis ist annehmbar.
Dann ist es Zeit für den Abschied, da er sich noch einen weiteren Pausentag gönnt, bevor er die selbe Strecke fahren wird wie ich.
Damit es sich auch gelohnt hat, verwenden wir extra nochmal unsere Namen.
Kurz nach der Abfahrt fällt mir nochmal eine Seitentasche ab.
Die Kabelbinder sind griffbereit und bald danach kann es wirklich raus aus der Stadt gehen.
Zum Glück nur kurzzeitig über die Hauptstraße, bis ich auf eine ruhige Nebenstrecke abbiege, immer der Beschilderung des Ciro Trails folgend.
Kurios wird es, als ich an einem Bahnübergang halten muss.
Irgendwann geht die Schranke hoch, ohne dass ein Zug vorbeigekommen ist.
Fast nachvollziehbar, dass ein Auto schon vorher rüber ist.
Zu Beginn folge ich dem Fluss Neretva und komme durch die Ebene gut voran, den Blick immer auf Berge, die sich zu den Seiten erheben.
Es geht bis zu einer alten Bahnbrücke, die eher morsch und baufällig als vertrauen erweckend aussieht.
Naja, bin ich ja bereits aus Albanien dran gewöhnt.
Erstmal ist sowieso Zeit Pause machen und zusätzlich stehe ich hier an einem Scheideweg.
Und während ich noch meine Brote verdrücke und meine Optionen durchdenke, kann ich einer kleinen Gottesanbeterin dabei zuschauen, wie sie direkt neben mir eine komplette Fliege verspeist.
Sinnvoll wäre es den Radweg zu verlassen und von hier den kürzesten Weg Richtung Küste zu fahren.
Doch ich entscheide mich dafür einen Bogen in Kauf zu nehmen, auch wenn nun die Steigungen auf der alten Bahnstrecke beginnen.
Oder gerade deswegen.
Ich will sehen, wo damals die Züge hoch mussten, die von zwei Loks gezogen und von einer weiteren angeschoben wurden, um die Waggons zu befördern.
Zudem soll es einige Tunnel geben, in denen sich auch Fledermäuse befinden.
Bisher lief es über glatten Asphalt und war ein entspanntes fahren, das ändert sich bald.
Wie naiv und ahnungslos ich bin bei meiner Entscheidung dem Trail zu folgen.
Zunächst Zweifel ich arg daran, dass ich mich bei der starken Steigung und dem Schotter auf der richtigen Strecke befinde.
Die Bestätigung kommt mit dem ersten von vielen Eisenbahntunneln und ich muss erkennen, dass meine Idee von einem Radweg weit entfernt von der Realität ist.
Es soll zwar einer sein, doch in meinem Verständnis gehört dazu mehr, als nur die Schienen und Bahnschwellen zu entfernen.
Das Gleisbett mit seinen groben Steinen ist noch vorhanden und entsprechend mühsam ist das fahren.
Das hab ich jetzt davon, dass ich unbedingt wissen wollte, wie es weiter geht.
Blöde Entscheidung.
Kein Wunder, dass ich den ganzen Tag über keine anderen Bikepacker treffe.
Immerhin weiß ich, dass Ruben sich hier morgen auch entlang kämpfen will.
Hoffentlich genießt er seinen Pausentag.
Umdrehen ist zu diesem Zeitpunkt schon lange keine Option mehr für mich und so arbeite ich mich weiter voran.
Immerhin gibt es tatsächlich in einem Tunnel Fledermäuse.
Spannend und ein bisschen unheimlich.
Wegen des Schotters bin ich langsam und muss immer wieder ausgleichende Schlenker machen, da die Reifen wegrutschen.
Als ich dann wiederholt mit den Armen durch die Dornenbüsche am Wegesrand komme ist der Spaß vollkommen.
Als ich mich einer querenden Schnellstraße nähere ist die Entscheidung leicht, direkt auf diese zu wechseln.
Die Route führt später sowieso über diese Hauptstraße.
Und so schaffe ich es nach ein paar letzten Höhenmetern und einer Abfahrt zum Meer noch nach Neum.
Dort geht's noch in ein Restaurant, dann kann ich es mir sparen später noch kochen zu müssen.
Gestärkt fahre ich zur Grenze nach Kroatien, die praktisch hinter der nächsten Kurve liegt.
Was gut ist, denn es dauert.
Die Kontrolle des Ausweises geht schnell, doch bittet mich ein Beamter ihm zu folgen und es beginnt die krasseste Kontrolle, die ich jemals hatte.
Alle Taschen muss ich leeren, und davon hab ich einige.
Zudem ist es wie bei einer Matrjoschka, in den Taschen befinden sich weitere Drybags.
Als er irgendwann anbietet alternativ einen Hund zu holen, wir sind grad vielleicht mal bei der Hälfte, nehme ich das gerne an.
Alles besser, als den kompletten Kram ohne Sinn aus und dann wieder einräumen zu müssen.
Während ich eigentlich dabei bin mir wegen eines Nachtlagers Gedanken zu machen.
Dem Hund bleibt es zum Glück erspart an meinen Sachen schnüffeln zu müssen.
Denn der Vorgesetzte des eifrigen Beamten kommt vorbei, jedenfalls ist das meine Vermutung zu seiner Position, der mich nach meiner Reise fragt, seinem Kollegen irgendwas sagt, und danach kann ich mit einem netten Gruß endlich weiter fahren.
Das Positive an der Aktion ist, dass ich die Zeit nutze, um die Beiden nach einem Campingplatz für die Nacht zu fragen und mir wird ein Strand hinter der nächsten Kurve genannt, wo ich mein Zelt aufbauen kann.
Wildcampen auf Empfehlung der Grenzpolizei, das nehm ich dann auch.
Einmal an der dortigen Strandbar vorbei und dann neben die Olivenbäume.
Fühlt sich sonderbar an, da dort noch viele Menschen sind und laut Musik läuft und so setze ich mich erstmal und kümmere mich um mein soziales Leben, bevor ich mein Camp aufbaue.
Irgendwann kehrt, wenn auch erst gegen Mitternacht, Ruhe ein und ich kann nach einem bewegten Tag in Ruhe im zwischenzeitlich aufgebauten Zelt einschlafen.
Song des Tages:
Goran Bregovic - Polizia Molto Arrabiata
