Traditionelle Handwerksdörfer rund um Hoi An – Teil 2
Das Schreinerdorf Kim Bong liegt auf der Insel Cam Kim südlich von Hoi An. Hier kann man Kunsthandwerkern bei der Herstellung traditioneller Holzarbeiten, Schnitzereien und Boote...


Veröffentlicht: 24.07.2026




















Wir beschlossen, uns ein paar Tage Auszeit von unserem Urlaub zu nehmen. Vor allem wollten wir aber einige Orte in der Umgebung erkunden. Deshalb buchten wir zwei Plätze in einem Bus, um ein paar Tage in der alten Kaiserstadt Hue zu verbringen und anschließend noch etwas Zeit in Da Nang zu verbringen. Die Online-Buchung war einfach; nur die genaue Bushaltestelle war anfangs etwas unklar.
Die dreistündige Fahrt verging wie im Flug, denn wir genossen eine herrliche Aussicht durch die riesigen Fenster. Die Sitze waren mit Kühl- und Massagefunktionen ausgestattet und boten viel Beinfreiheit – und das alles für nur zehn Euro pro Person.
Von der Bushaltestelle in Hue war es nicht weit zu unserer Unterkunft, also stellten wir schnell unser Gepäck ab und machten uns direkt auf den Weg in die alte Kaiserstadt.
Ich hatte mir Hue ähnlich wie Hoi An vorgestellt – eher kleinstädtisch und ländlich, mit Märkten statt Kaufhäusern. Tatsächlich ähnelt Hue eher Da Nang: Es gibt Hochhäuser und Einkaufszentren, aber auch mehrere Parks mit Kunstausstellungen und gepflegte Gehwege.
Wir schlenderten die wunderschöne Holzpromenade am Ufer des Parfümflusses entlang und probierten zum ersten Mal Sữa Chua – gekühlten Joghurt in einer Plastiktüte. Es war eine interessante Abwechslung und eine willkommene Erfrischung.
Gleich am ersten Abend machten wir einen kurzen Abstecher zur Stadtmauer der alten Kaiserstadt und konnten sogar auf ihr entlangspazieren. Die Altstadt ist von einem mit Lotusblumen bewachsenen Graben umgeben – ein wahrhaft wunderschöner Anblick.
Was wir nicht erwartet hatten: Die Sehenswürdigkeiten schlossen pünktlich. Als wir die Treppe wieder hinunter zur Straße gehen wollten, standen wir vor verschlossenen Toren. Wir gingen dann zu mehreren anderen Toren, aber auch diese waren bereits geschlossen.
Das erinnerte mich lebhaft an Madeira, als wir dort ebenfalls in einem Park eingeschlossen waren und auf abenteuerliche Weise über die Mauer klettern mussten – wobei mich ein bisschen Klettern nicht wirklich stören würde.
Ich hatte also schon nach einem guten Abstieg Ausschau gehalten, als ein Anwohner gegenüber unsere missliche Lage bemerkte. Er fuchtelte energisch mit den Armen und lotste uns zu einer Stelle, wo wir absteigen konnten. Für das letzte Stück organisierte er sogar eine Holzleiter. Zuerst wateten wir ein Stück durch hohes Gras, dann über einen kleinen Vorsprung zwischen Schrott und Unterholz. Schließlich erreichten wir über die wackelige Holzleiter den zweiten Vorsprung. Wir waren dem Anwohner sehr dankbar, aber nicht ganz sicher, ob er uns nicht doch ein bisschen auf den Arm genommen hatte, denn ein Stück weiter wäre der Abstieg deutlich einfacher gewesen.
Am nächsten Tag erkundeten wir die umliegenden Kaisergräber der Nguyen-Dynastie. Insgesamt gibt es sieben offizielle Gräber, die alle zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören. An den jeweiligen Kassenhäuschen vor den Stätten kann man Eintrittskarten einzeln oder als Kombiticket erwerben, das den Eintritt zu den anderen Gräbern und der Zitadelle umfasst.
Wir begannen mit dem Grabmal von Minh Mang. Hier erstreckt sich ein weitläufiger Park – nicht ganz so imposant wie erwartet, aber mit seinen schönen Teichen, mehreren Schreinen und Statuen definitiv sehenswert. Wir konnten das Grabmal selbst leider nicht besichtigen, da es nur einmal im Jahr für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Viele asiatische Touristen nutzten die Kulisse, um zu posieren und unzählige Fotos von sich zu machen. Alles in allem ist es ein lohnenswerter Ort – die empfohlenen zwei Stunden reichten uns aber völlig; 45 Minuten waren angemessener.
Am Ausgang wartete unser Fahrer (Taxi) von der Hinfahrt bereits auf uns. Offenbar hatte er erwartet, dass wir – oder andere Besucher – eine Fahrt zu unserem nächsten Ziel buchen würden.
Unser nächster Halt war das Grabmal von Khai Dinh. Obwohl das Gelände kleiner war als das von Minh Mang, war es umso prächtiger. Wunderschöne Bauwerke, Säulen und Treppen aus dunklem Stein erhoben sich vor einer atemberaubenden Kulisse. Da der Herrscher stark vom Westen beeinflusst war, entstand hier eine faszinierende Mischung verschiedener Stile: Europäische Elemente der Gotik und des Barock treffen auf vietnamesische und chinesische Ornamente. Das Grabmal selbst erinnert eher an einen Thronsaal – voller Pracht und Verzierungen. Die Wände waren sogar vollständig mit Keramikmosaiken bedeckt. Auch hier ließen sich viele asiatische Besucher in jeder Ecke fotografieren – sogar im Souvenirladen wurde fotografiert.
Unser letztes Grabmal war das von Herzog Duc. Die Google-Bewertungen waren hier etwas durchwachsen, aber wir können es als echten Geheimtipp empfehlen. Der Eintritt kostete nur 50.000 VND, und wir hatten die gesamte Anlage für uns allein. Während die anderen Gräber von Touristen überlaufen waren, konnten wir hier die kunstvollen Mosaiken und Bauwerke in Ruhe bewundern – wunderschöne Architektur inmitten einer friedlichen Naturlandschaft. Ein absolutes Highlight. Der Mitarbeiter nahm seinen Job übrigens sehr ernst: Er verkaufte uns zuerst die Tickets, begleitete uns dann durch den Eingang und kontrollierte und stempelte sie schließlich am Pförtnerhaus.
Den heißesten Teil des Tages verbrachten wir mit dem Genuss kalter Getränke und einem Besuch der „Schneekönigin“. Dort wird eine Art festes Softeis mit Fruchtsauce serviert, das genau wie ein Früchtekuchen mit Biskuitboden schmeckt.
Als letzten kulturellen Stopp besuchten wir die alte Kaiserstadt ein letztes Mal, diesmal, um den inneren Bereich – die Zitadelle – zu besichtigen. Zuerst gingen wir zu einem See weiter nördlich und planten dann, durch den Nordeingang hineinzugehen. Doch das war nur unser Plan, denn „Passage“ bedeutete hier nicht automatisch Ein- und Ausgang: Man durfte nur hinaus. Der einzige Eingang ist der südliche Haupteingang. Warum unsere Tickets an den anderen Eingängen trotzdem kontrolliert wurden, bleibt mir ein Rätsel – wir wurden kontrolliert und durften dann nicht hinein. Also liefen wir den ganzen Weg zurück.
Innerhalb der Zitadelle erstrecken sich viele lange Gänge und mehrere prächtige, reich verzierte Gebäude. Zahlreiche asiatische Reisegruppen strömten durch die Anlage, von ihren Führern zügig vorangetrieben, die keine Zeit zum Verweilen ließen. Auch professionelle Fotoshootings fanden statt – die „Models“ trugen sogar traditionelle Trachten.
Es gibt in der Zitadelle auch ruhigere Ecken, wie zum Beispiel den Garten mit der großen Bonsai-Sammlung. Mein Lieblingsplatz war ein kleiner Pavillon mit einem Fischteich, wo wir den Regen abwarteten und zusahen, wie das Wasser von den Lotusblumen abperlte. Währenddessen wurde hinter uns bereits das nächste Fotoshooting vorbereitet – mit passender Beleuchtung und mindestens drei Fotografen.
Die Gebäude erinnerten stark an die Gräber, die wir am Morgen gesehen hatten. Der Thronsaal hingegen war sehr spärlich eingerichtet – außer dem Thron gab es keine Möbel –, dafür waren Wände und Decke umso prächtiger verziert.
Kurz vor Ladenschluss um 17:30 Uhr machten wir uns auf den Rückweg (um nicht wieder eingeschlossen zu werden) und kehrten schnell in einem kleinen Restaurant ein. Dort bekam Simon endlich seine geliebten Baos – gedämpfte Brötchen aus Hefeteig mit verschiedenen Füllungen.
Offenbar waren wir die einzigen westlichen Gäste, denn wir wurden sofort angestarrt und heimlich fotografiert. Und wieder einmal aßen wir das Essen falsch: Die Suppe gehörte eigentlich zum gebratenen Reis. Man lernt eben nie aus. Aber alle waren sehr herzlich und einfach nur neugierig.
Am nächsten Tag ging unsere Reise weiter nach Da Nang. Die Busfahrt war wieder sehr angenehm und komfortabel. Das Hotelzimmer hingegen war eine herbe Enttäuschung – wir hatten noch nie eine Reservierung direkt nach der Besichtigung storniert. Der Geruch aus den Gemeinschaftsbädern des angeschlossenen Hostels drang sowohl durch die Tür als auch durch die Klimaanlage. Das Fenster ging direkt in die Lobby, sodass wir den Lärm von der nahegelegenen Straße sowie die Gespräche und die Musik aus der Lobby hören konnten. Dass sich das Waschbecken nicht im Badezimmer, sondern im Schlafzimmer befand – neben dem Waschbecken in der Küchenzeile (warum überhaupt zwei Waschbecken?!) – war zwar etwas seltsam, aber durchaus erträglich.
Da es für ausgiebige Besichtigungen zu spät war und wir keine alternative Unterkunft gefunden hatten, fuhren wir die 45 Minuten zurück nach Hoi An und kehrten am nächsten Tag nach Da Nang zurück. Schließlich wollte ich meinen Zahnarzttermin ja noch wahrnehmen.
Meine Zähne wurden in der australischen Zahnklinik hervorragend behandelt. Neben einer Zahnreinigung wurden mir eine neue Zahnspange, zwei Veneers und eine Füllung eingesetzt – alles für nur 2 Millionen VND, umgerechnet etwa 67 Euro.
Zur Mittagszeit schlenderten wir ein wenig durch die Stadt und spazierten die Promenade entlang, um die Trần Thị Lý Brücke und natürlich die berühmte Drachenbrücke zu besichtigen.
Wir schlenderten auch über den Han-Markt und den Con-Markt. Der Han-Markt ist eher auf Touristen ausgerichtet: Es gibt dort reichlich Trockenfrüchte und Nüsse, und im Obergeschoss kann man Schuhe, Taschen, T-Shirts und Hosen kaufen – allerdings findet man diese Artikel auch in Geschäften in ganz Hoi An. Der Con-Markt hingegen ist eher auf Einheimische ausgerichtet: Neben frischen Lebensmitteln findet man hier hauptsächlich Haushaltswaren wie Besen und luftdichte Behälter.
Uns hat das Café „Lạc Thảo Viên“ sehr gut gefallen; es serviert köstliche Getränke und ist eine kleine Oase der Ruhe. Die Wände sind wunderschön bemalt und die Eingänge sind von blühenden Pflanzen leicht umrankt.
Wir hatten auch ein tolles Essen in einem kleinen lokalen Restaurant, das auf Sommerrollen spezialisiert ist, dem Tây Sơn Cuốn – Bánh Cuốn Bình Định.
Da Nang hat uns persönlich nicht ganz überzeugt – wir bevorzugen einfach naturnähere Gegenden. Für das Essen, die Getränke und die Einkaufsmöglichkeiten ist es aber definitiv einen Besuch wert.
