Im Damaraland
Vom Etosha Nationalpark aus fahren wir wieder etwas nach Süden und biegen dann nach Westen ab! Das Damaraland ist eine abgelegene Region mit imposanten Berglandschaften,...


Veröffentlicht: 29.04.2025




























Vom Brandberg aus fahren wir direkt an die Atlantikküste, dazu müssen wir zwar durch die Wüste, aber die Straße ist zumindest besser!
Bei unserem Zwischenstopp an einem Küstenort ist plötzlich unser Reifen platt. So ein Glück, dass wir nicht in der Wüste liegen geblieben sind. Mit Reserverad fahren wir in die nächste Werkstatt.
Am nächsten Tag liegt nur noch eine kurze Strecke vor uns – dann erreichen wir Swakopmund, oder einfach Swakop. Mit rund 80.000 Einwohnern ist es längst keine Kleinstadt mehr. Was sofort ins Auge fällt: Diese Stadt steht mitten im Sand. Umgeben von nichts als endloser Wüste wirkt sie wie eine Oase am Rande des Atlantiks. Der kalte Benguelastrom sorgt dafür, dass es hier kaum jemals regnet – und so trifft feiner Sandstrand direkt auf die trockene Weite der Namib. Ein faszinierender Ort, an dem Wüste und Meer nahtlos ineinander übergehen.
Swakop gilt als die deutscheste Stadt Namibias – noch immer sind dort die Einflüsse der deutschsprachigen Namibier spürbar, auch wenn sie heute nur etwa 2 % der Bevölkerung ausmachen.
Wir besuchen das Swakopmund Genocide Museum. Der Gründer, Laidlaw Peringanda, hat in einem Raum seines Wohnhauses ein kleines, aber eindrucksvolles Museum eingerichtet. Dort informiert er Besucher über den Völkermord an den Herero und Nama, der unter deutscher Kolonialherrschaft Anfang des 20. Jahrhunderts verübt wurde. Seine Recherchen sind nicht nur historisch bedeutsam – sie sind auch persönlich: Laidlaws eigene Familie war von diesem Verbrechen betroffen. Seine Urgroßmutter wurde im Konzentrationslager von Swakopmund interniert, das damals unter unmenschlichen Bedingungen betrieben wurde. Sie war gezwungen, die Schädel von Verstorbenen auszukochen. Mehr als 3.000 der Schädel wurden nach Deutschland gebracht - für rassistisch motivierte Studien. Diese kolonial geprägten Forschungen dienten der vermeintlichen wissenschaftlichen Legitimation von Rassismus und kolonialer Unterdrückung. Nur ein Bruchteil dieser Schädel wurde bislang zurückgegeben.
Laidlaw setzt sich mit großer Entschlossenheit für Anerkennung, Gerechtigkeit und Aufarbeitung ein. Er wurde sogar schon mehrfach von Historikern wie Jürgen Zimmerer eingeladen, um über sein Engagement und die Erinnerungskultur in Namibia zu sprechen. Unter anderem fordert Laidlaw, dass die heutige Bundesregierung das enteignete Farmland der Herero und Nama aufkauft und den Nachfahren der ursprünglichen Besitzer zurückgibt.
In Swakop selbst wird seine Initiative nicht überall begrüßt – vor allem in Teilen der deutschsprachigen Gemeinde stößt die Aufarbeitung des kolonialen Erbes auf Zurückhaltung oder sogar offene Ablehnung. Dabei setzt das Museum ein wichtiges Zeichen für Erinnerung, Aufklärung und die Verantwortung gegenüber der Geschichte.
Am Stadtrand von Swakop wurden mit Unterstützung von Spezialisten zahlreiche Gräber ehemaliger Lagerinsassen aus der Zeit des Völkermords lokalisiert. Es handelt sich um einfache Sandhügel, die die Überreste von 2.000 bis 3.000 Opfern beherbergen. Teils wurden diese Gräber in der Vergangenheit überbaut - sie grenzen an ein Wohngebiet.
Die grausamen Verbrechen der Deutschen in Namibia und die deutsche Kolonialgeschichte beschäftigten uns noch lange und man kann das alles während der Reise durch dieses schöne Land auch nie ganz ausblenden...
Am folgenden Tag erwartet uns ein ganz anderes Erlebnis: Auf einer Kanutour vor Walvis Bay sehen wir nicht nur Seehunde, sondern auch eine Meersalzanlage in voller Größe. In weiten Becken wird das Wasser gestaut, so dass sich dicke Salzkristalle bilden, daraus wird dann Kochsalz gewonnen.
In den großen Becken schimmert das Wasser in leichtendem Rosa, durch die Mineralien, die vom Wind aufgewirbelt werden, magisch!
Außerdem fahren wir durch ein Naturschutzgebiet. Hier bekommen wir Pelikane, Flamingos und tausende von Vögeln zu Gesicht!
Ganz in der Nähe der Seehunde treffen wir auf mehrere Schakale.
Es wimmelt im Wasser von Seehunden, die unser Boot umringen. Gerade die verspielten Jungtiere kommen uns Nahe und knabbern an unseren Paddeln. Ein echtes Erlebnis - vermutlich werden wir Seehunden nie wieder so nah kommen.😆
