Türchen 9- es läuft eben auch mal nicht glatt
Für meine 1. Übernachtung halte ich in Yamba, wo ich mir ein Zimmer im Schlafsaal gebucht habe. Die Leute sind sehr aufgeschlossen, ich finde gleich Jemanden zum Tischtennis...


Veröffentlicht: 10.12.2019










Am 8. Juli war es dann schließlich soweit. Wir verließen gegen 8 unser Airbnb um endlich unser geliebtes Auto wieder einzusammeln. Ich hatte bis zum 6. gearbeitet um noch etwas mehr Kohle auf der Kante zu haben und freute mich nun endlich, der überfülltesten Stadt Australiens zu entkommen. Die Zeit war durchaus schön gewesen und die Stadt hatte viele tolle Seiten aber das Winterwetter wurde immer schlimmer und es wurde Zeit, etwas Neues zu erleben und endlich Farmwork zu finden. Um 9 ging unser Zug nach Newcastle, dem ersten Stop unserer Reise. Gleich nach der Ankunft bezogen wir unser Airbnb und stellten unsere 3 Millionen Sachen ab, die noch nicht im Auto waren und starteten in die Stadt. Zuerst ein bisschen Wandern, danach eine Brauerei und abends noch eine Bar mit Bier aus aller Welt. Am nächsten Morgen machten wir uns früh auf den Weg, denn unser liebes Auto wollte nach dem Benzinpumpentausch endlich abgeholt werden. Der Zug fuhr pünktlich ab und ein paar Stunden später erreichten wir Kempsey. Clara ließ mich mit all unserem Zeug auf dem Bahnhof stehen und beeilte sich, zur Werkstatt zu kommen. Und eine halbe Stunde später stand sie dann endlich vor mir mit dem guten alten, großen grünen Schlachtross. Jetzt ging das eigentliche Chaos erst so richtig los. Zwei Frauen waren auf einem Roadtrip gewesen und jetzt sollte ich es schaffen, alles was wir noch hatten zusätzlich in diese Unordnung mit hereinzupressen. Aber für den Moment gings, als es endlich geschafft war fuhren wir los. Zuerst wieder ein keines Stück Richtung Süden, nach Port Macquarie. Hier waren zwei Brauereien, die ich mit gerne angucken wollte und außerdem ein schöner Platz am Wasser, wo man die Nacht kostenlos stehen konnte. In der ersten Brauerei stand eine tolle alte englische Brauanlage und nach ein wenig Rumgegucke kam der Brauer an und wir hatten ein tolles, sehr interessantes Gespräch. Er gab uns sogar noch ein paar Bier zum Sonderpreis und eins für lau mit. Die Andere besuchten wir am nächsten Morgen nach einem langen Spaziergang, um das Zelt trocknen zu lassen und die Knochen nach einer 3° kalten Nacht wieder warm zu kriegen. Hier kauften wir 4 richtig gute Biere, alle nach belgischem Baustil. Mal was schönes, körperreiches zum Genießen. Denn körperreich ist gar nicht so leicht zu finden in Australien. Danach gings dann auch endlich weiter, denn wir hatten schließlich noch jede Menge Weg, Erlebnisse und Sehenswürdigkeiten vor uns. Nach einem kurzen Stop und einer kleinen Wanderung in South West Rocks an der Küste schafften wir es an diesem Tag noch bis kurz hinter Bellingen, wieder auf einen kleinen kostenfreien Campingplatz. Vorher aßen wir noch in Macksville zu Abend - grandioses Preis- Leistungs- Verhältnis- wo Clara auf ihrem Weg zurück von Brisbane schon mal gehalten hatte.(Und wieder eine extrem kalte Nacht, noch kälter als die davor…) Der folgende Tag sollte den gesamten Plan des Roadtrips verändern. Wir brachen morgens auf in den Dorrigo National Park, wo wir uns zuerst einen richtig schönen Wasserfall und dann den meiner Meinung nach schönsten Wald Australiens ansahen. Gondwana Rainforest wird er genannt und beherbergt einige einzigartige Bäume und Gewächse, die noch aus Urzeiten stammen. Dichtes Unterholz, Farne und gigantische Urwaldriesen haben den Beschlag in den 1800er Jahren überstanden und sind ein wahres Paradies auf Erden, hoch oben im bergigen Hinterland von New South Wales. Es war eine lange Tour und als wir endlich wieder unser Auto erreichten, war auch endlich das noch taunasse Dachzelt getrocknet, was wir noch einmal aufgebaut hatten. Wir konnten zusammenpacken und aufbrechen nach Coffs Harbour, so der Plan. Aber Bellingen hielt uns auf. Eigentlich ein kleines eher verschlafenes Nest war von unnatürlich viel Leben und bunten Farben erfüllt. Das mussten wir uns näher ansehen. Also wurde der Panzer geparkt und geguckt, was denn abgeht. Die Antwort war schnell gefunden: Es war das Bellingen Winter Music Festival mit vielen Strasenkünstlern, Folk, Straßenmärkten und anderen Shows. 4 Tage am Stück. Wir wussten beide sofort, daß müssen wir uns noch ein bisschen genauer zu Gemüte führen. Der örtliche Campingplatz hatte leider keine Kapazitäten mehr, aber zum Glück konnte uns die Dame am Eingang mit einer Wiese im Dorf aushelfen, wo noch einige andere Leute wild campten. Nicht so ganz legal, aber juckt auch Keinen während des Festivals. Und ne öffentliche Toilette mit (kalter) Dusche war auch gleich um die Ecke (macht echt Spaß abends bei guten 10° draußen). Der Abend war wunderschön mit lecker Essen und 1-2 Bier und dem kostenfreien Programm, von dem es auch jede Menge gab. Die Nacht war wieder einmal super kalt, aber wir waren ja schon daran gewöhnt. Am nächsten Morgen ließen wir das Dachzelt gleich offen und begaben uns die 500 Meter in die Stadt, um uns den Markt anzugucken. Leute aus dem Dorf verkauften selbstgemachte Dinge und verschiedene Bands spielten Musik auf der Wiese nebenbei. Und Clara war hin und weg von all den Dingen, die es zu sehen gab, sagte ständig: "Meine Mama würde es hier lieben, würde sie das sehen, wöllte sie gar nicht mehr weg." Tatsächlich ist die Community im Dorf sehr schön und es gibt extrem viele Gruppen für gemeinsame Tätigkeiten, wie Yoga, Kochen, Sport, mit und ohne Kinder, alles. Es fiel uns nicht einfach, uns von dem Spektakel wieder loszureißen und zusammenzupacken. Aber alles hat ein Ende und wir mussten weiter Richtung Norden. So verließen wir dieses wunderschöne und interessante Dorf gegen Nachmittag und machten uns auf den Weg Richtung Coffs Harbour, wo wir eigentlich schon längst sein wollen.