13.02.2024 Santiago de Chile
Die heutige Aktivitätsplanung wollten wir streichen. Zum einen ging es Karin gesundheitlich nicht so gut und außerdem war es sehr heiß. Der Ausflug nach Sewell auf 2000 m Höhe,...


Veröffentlicht: 16.02.2024
Heute war Valentinstag. Den hatten wir ein Jahr zuvor im Adlon in Berlin verbracht. Unser Gewinn beim Lionsclub-Weihnachtskalender. Dabei wurde uns bewusst, wie schnell die Zeit vergeht und wir solche Reisen genießen sollten. Wer weiß denn schon, wie lange solche Ausbrüche aus dem Alltag für uns noch möglich sind?
Das Tagesziel sollte heute die Biblioteca Nacional de Chile sein. Im Jahr zuvor hatte der Besuch nicht geklappt, da die Angaben im Reiseführer und die Realität nicht übereinstimmten. Die Bibliothek war nämlich samstags geschlossen. Auf dem Weg zur Metro fielen uns die vielen Straßenhändler auf, die jegliche Art von Valentinstagkitsch anboten. Für uns war das nichts!
Beim Versuch durch die Schranken der Metro zu kommen, stellten wir fest, dass das Guthaben der BIP-Karte aufgebraucht war. Karin löste das Problem, indem sie 5000 Ch$ nachladen ließ, ohne Sprachschwierigkeiten! Dann fuhren wir in einer sehr vollen U-Bahn zu unserem Ziel. Wir waren die einzigen Passagiere, die eine Schutzmaske aufhatten. Überhaupt sieht man/frau in den Straßen und Einkaufspassagen Maskenträger sehr selten! Wir können zwar nicht beurteilen, wie die Coronalage derzeit in Chile ist, aber in einer so großen Stadt tippen wir auf Berliner-Verhältnisse! Wir hoffen, dass wir ohne eine Ansteckung durchkommen!
Die Bibliothek, eine der ältesten und größten Südamerikas, ist ein beeindruckender Bau. Seine hohen Decken und Kuppeln mit Buntglas und die Schachbrettböden machten schon etwas her! Auch der Lesesaal, mit seinen antiken Stühlen und Tischen beeindruckt. Dazu noch die Aufsichtsplätze auf jeder Seite, so etwas sieht man/frau nicht oft! Wir durchstreiften alle Etagen, aber die im Reiseführer angegebene Cafeteria gab es nicht mehr.
Danach suchten wir in der Umgebung nach Gemüse für unser Abendbrot und landeten in einer interessanten Gasse. Hier gab es fast nur kleine Geschäfte mit Ersatzteilen für alle Arten von Haushaltsgeräten. Ob Staubsauger, Toaster, Waschmaschine oder Microwelle, hier konnte man/frau alles versuchen, um die defekten Geräte zu retten. So wird die Wegwerfmentalität ein wenig verhindert! Es zeigt aber auch, dass die Menschen nicht so viel Geld zur Verfügung haben. Und wenn man/frau an die neuen Gesetze zur Elektroschrottvermeidung denkt, die jetzt in Europa gültig werden sollen, dann ist Chile richtig aktuell! Bei uns soll nämlich eine Reparaturgarantie eingeführt werden und parallel eine Umtauschpflicht, wenn das Gerät nicht mehr repariert werden kann. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie mühselig es ist Ersatzteile zu bekommen, die oft nur wenig kosten und dann eine teuere Anschaffung wieder zum Laufen bringen! In derselben Gasse gab es auch sehr viele Brillengeschäfte, eigentlich eins neben dem anderen! Ich fühlte mich ein wenig an den Aufbau einer mittelalterlichen Stadt erinnert. Auch da gab es ganze Viertel, die nur von einer Gilde belebt wurden (Bäckergasse, Schmiedestraße, Lederhosen, etc.)!
Karin signalisierte dann, dass wir doch besser nach Hause gehen sollten. Der Ausflug reichte uns und auf dem Heimweg kauften wir noch 10 leckere Kaktusfeigen für 1€! Nach einem gelungenen Abendessen saßen wir dann wieder mit Franziska auf dem Balkon, die Stadt beleuchtet zu Füßen!
