Whitsunday Islands - wohnt hier die Freiheit?
Wo wohnt die Freiheit? Auf diese Frage sollte ich mal auf einer meiner Schreibreisen drei Sätze schreiben. Spannenderweise habe ich fast jeden Tag eine andere Antwort darauf. Am...


Veröffentlicht: 22.01.2025
Der Tag darauf ist unser letzter gemeinsamer Tag in der Gruppe und gemeinsam machen wir uns noch einmal auf den Weg, um ein Schiff zu besteigen. Diesmal ist es ein größeres mit einigen weiteren Menschen an Board, das uns weit aufs offene Meer zum Great Barrier Reef - genau gesagt zum Hastings Reef bringt. Ich verteile meine Reisetabletten, die ich bisher noch nicht gebraucht habe, höre der Einweisung der Crew zu und döse ein wenig auf dem Sonnendeck. Wir haben an zwei unterschiedlichen Orten - einmal Vormittags, einmal nachmittags nach dem Mittagessen - jeweils etwa 1,5 Stunden Schnorchelzeit. Optional könnte man auch Tauchen, doch wir alle verzichten aus finanziellen oder medizinischen Gründen darauf, weil die meisten von uns am nächsten Tag einen Flug vor sich haben.
In der ersten Schnorchelrunde schwimmen wir in einer kleinen Gruppe mit einem Meeresbiologen etwas abseits der anderen, der uns zuvor schon eine kleine Übersicht über die verschiedenen Organismen im Riff gegeben hat. Das ist spannend aber auch anstrengend, er redet ein bisschen zu viel und vor allem dann, wenn wir mit dem Kopf im Wasser sind. Trotzdem sehe und verstehe ich deutlich mehr, als ich es für mich alleine getan hätte und das freut mich. Das Riff hier ist noch bunter, vielfältiger, magischer als das vor den Whitsunday Islands. Es gibt so viel zu sehen und zu entdecken, dass ich jede einzelne Nervenzelle meines Gehirns an ihr Verarbeitungsmaximum treibe, um so viel wie möglich aufsaugen zu können.
Heute ist ein Tag, in dem ich so vieles finde, obwohl ich gar nicht ständig aktiv suche. Ich finde...
...die Blue Branching Coral, die eigentlich Pink ist.
...heraus, dass der Daintree Regenwald nicht nur der größte australische, sondern auch der älteste Regenwald ist.
...einen pinken Anemonenfisch.
...Riesenmuscheln auf dem Meeresgrund, zu denen ich runtertauche, um zu testen, ob sie mich mit ihren Photorezeptoren wahrnehmen können (können sie, sie erschrecken dem Zucken zufolge wohl ein bisschen).
...blaue, gelbe, violette, rosafarbene, orange Korallen, die zum Teil im Wasser wehen wie von einem Frühlingswind durchstrichen .
...Nemo. Den echten Nemo, er ist inzwischen erwachsen und lebt mit seiner Frau und 3 Kindern in einer türkisfarbenen Anemone.
...ganz viel inneren Frieden, als ich mir dem Kopf unter Wasser und dem Schnorchel über Wasser mit gleichmäßigen Flossenschlag durchs Wasser gleite.
...heraus, dass ich erstaunlich wenig Angst habe, als mir klar wird, dass da unter mir kein seeeehr großer Fisch, sondern ein Hai schwimmt.
Ich finde, dass dieser Tag, an dem ich mir später noch die zwei Gerichte, zwischen denen ich mich nicht entscheiden kann, mit Antonia teilen kann und doch noch auf ein letztes Bier mit Dominic und Elaine im Pub bleibe, genau der richtige Abschluss für eine wunderbare Gruppenzeit war. Und dass ich nun aber auch froh bin, dass eine etwas ruhigere Woche an einem festen Ort auf mich wartet. Vielleicht finde ich da dann auch etwas Ruhe, denn die suche ich jetzt sehr intensiv.
Wer suchet, der findet heißt es. Und doch habe ich an diesem Tag soviel gefunden, was ich gar nicht gesucht habe. Wann ist dir das zum letzten Mal passiert?
