Suchen und Finden am Great Barrier Reef
Nach einem unfassbar schönen gemeinsamen Tag auf den Whitsunday Islands lassen wir am frühen Morgen des Samstags Airlie Beach hinter uns zurück. Um die Dimensionen unserer Reise...


Veröffentlicht: 28.01.2025
Am 20.01. bin ich in Cairns zweimal in ein Flugzeug gestiegen. Einmal, um mit Fallschirm wieder rauszuspringen, einmal, um nach Brisbane zurückzukommen, von wo aus ich nach Byron Bay gefahren bin.
In einem Paralleluniversum würde ich mich trauen und alles hinwerfen. Dann würde ich kündigen - meinen Job, meine Wohnung, meinen Glauben an mein Sicherheitsbedürfnis, ich würde nicht mal meine Sachen packen und nur mit Handgepäck wieder hierher zurückkommen, vielleicht für ein Jahr oder drei oder viele. Ich würde mir irgendeinen Job suchen, mit dem ich über die Runden komme (vielleicht kann ich ja sogar unterrichten) und eine Wohnung ohne Blick aufs Meer (damit finanzierbar). Ich würde üben, den Weg zum Leuchtturm nach oben zu joggen und das jeden Tag zum Sonnenaufgang oder -untergang tun, weil sie viel zu schön sind, um sie nicht anzusehen und weil es unter Tags zu heiß zum laufen ist. Ich würde mir einen Neoprenanzug und ein Surfbrett kaufen, weil es sich dann lohnen würde und neue Freunde finden, mit denen ich immer mehr Wellen nehmen würde. Ich würde mindestens einmal pro Woche dieses geniale Pistazieneis essen und quasi täglich das Banh Mi. Ich würde mich daran gewöhnen, dass alle Cafés schon um 14 Uhr schließen und deswegen morgens Iced Latte trinken. Ich würde jeden Abend den Sand und die Sonnencreme von meiner Haut spülen, mich über meine Bräune wundern, meine Haare hätten echte Beachwaves. Ich würde die Koalas besuchen, die zwei, die in diesem Baum spielen hinter dem Wategos Beach und zusehen, wie sie sich irgendwann erschöpft einen Ruheast suchen. Ich würde Ausschau halten nach dem kleinen Wallaby in den Büschen, den Schildkröten und Haien in der Bucht und den Flughunden am Himmel. Ich würde aufs Meer schauen und atmen, würde die Wellen hören und abends den Gitarrist am Strand, würde mich mit bewunderndem Blick um die Surfer in den hohen, brechenden Wellen am Tallow Beach sorgen und dabei darauf warten, dass einer dieser Krebse, die sich Sandlöcher bauen, über meine Zehen läuft. Ich würde mich abends durch die Straßen treiben lassen und die Geräuschkulisse des Nachtlebens aufsaugen, ohne dass ich mittendrin sein muss. Ich würde - im Gegensatz zu jetzt - genug Energie und bekannte Gesichter um mich herum haben, um mir die Nacht in der Pianobar um die Ohren zu schlagen. Ich würde jeden dritten Tag bei meinem Surflehrer Gaz vorbeischauen (und mir einen seiner doofen Witze abholen), jeden zweiten eine Mango kaufen und jeden einzelnen daran denken, wie anders, wie leicht, wie frei die Menschen hier im Vergleich zu Zuhause sind. Ich bin sicher, in einem Paralleluniversum gibt es diese Version von mir, die diese Freiheit leben will, die soviel Mut und Rastlosigkeit in sich hat, das alles andere dagegen klein wird und die kein Zuhause braucht, weil das für sie überall ist. In diesem Universum bin ich es nicht oder nicht genug. In diesem wird in mir nur für immer ein kleines Sehnsuchtsziepen nach diesem Ort bleiben.
Gleichzeitig ist da auch ein Aufregungskribbeln in mir, das ich schon kenne. Dieses kleine Blubbern im Herz, das mit sagt: "Da ist noch so viel mehr." Deswegen sitze ich mit Füßen, die genau dieses Gefühl durch Wippen und Trippeln nach außen zeigen, am Flughafen und sehe die Zeiger auf der Uhr schneller rennen als erwartet. Denn heute sage ich: Bye Bye, Australien - Hallo Neuseeland!
