Schahaatz und ich müssen an die frische Luft, douzo yoroshiko
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vakantio.de/cacawa2025

Hiroshima darf nie vergessen werden

Veröffentlicht: 31.07.2025

Heute gehts zu unserem letzten Reiseziel in Japan, nach Hiroshima -

mit dem Shinkansen in der 1.Klasse (Greencar). 

Wir haben jetzt beide Klassen probiert und für uns würde, für die paar Euro mehr, nur noch das Greencar in Frage kommen. Breitere Sitze, mit Fussstütze, kannst dich weit nach hinten lehnen ohne Bedenken zu haben deinen Hintermann einzuengen, weniger Leute, weniger Geschnatter - es war einfach angenehmer zu reisen.

So sieht Japan aus

Ein kurzer Schreckensmoment als Schahaatz sein Handy (und weitere Handys im Wagon) eine akustische Tsunami-Warnung bekommen. Nach einem Erdbeben der Stärke 8,8 vor der russischen Insel Kamtschatka sollen Tsunami-Wellen bis zu 3 Meter Höhe die Ostküste Japans treffen. Man gut das wir Richtung Westen unterwegs sind. Der Rest der Bahnfahrt verlief reibungslos.

Dann kam die Busfahrt - am Bahnhof waren wir super gut hinten bzw. mittig reingekommen mit unseren Koffern, doch im Laufe der nächsten 4 Haltestellen sind soviel Leute eingestiegen, das die nicht mal umgefallen wären, hätten sie sich nicht festgehalten. An Station 5 mussten wir raus.

Kurze Erklärung zum Bezahlsystem bei Bussen. Bezahlen kannst du mit der Suicacard (aufladbare Geldkarte), bei manchen Bussen gibt es feste Preise egal wie viele Stationen du fährst. Dann steigst du vorne ein, legst die Karte auf das Gerät - piep - der Betrag wird abgebucht.

Variante B, einsteigen hinten, der Preis richtet sich nach den gefahrenen Stationen. Dann musst du beim Einsteigen die Karte auf das Gerät legen und beim aussteigen auch - erst dann wird der Fahrpreis abgezogen. Das Problem bei Variante B ist, das du immer vorne aussteigen musst. Und wir hatten natürlich Variante B. Also wie kommt man von der Mitte des Busses mit 2 großen Koffern, nem dicken Rucksack auf dem Rücken, ner Bauchtasche vor der Brust und einer elfengleichen Figur, wie die meine ist, durch einen rappelvollen Bus? So muss sich Moses gefühlt haben, als er das Meer teilte. Plötzlich bildete sich eine Gasse, alles quetschte sich zur Seite damit wir mehr recht als schlecht durchkamen. Unfassbar das wir das geschafft haben. Und unfassbar wie geduldig und hilfsbereit die Leute hier sind. Eine so ganz andere, aber sehr angenehm Art, wie die Leute hier miteinander umgehen. Da können wir uns in Deutschland ganz viel Scheiben abschneiden.

Aber es ist auch keiner ausgestiegen um dem Gequetschte aus dem Weg zu gehen. Das hätte ich getan.

Und dann unser Hotel - Toplage - 

direkt am Friedensmuseum und angrenzendem Friedenspark. Nach dem üblichen Obelus für früheres einchecken, bekommen wir diesmal nur ein kleines Upgrade Blick auf den Friedenspark und den Fluss, 

dafür ein in die Jahre gekommenes kleines, etwas muffiges Zimmer im Tsunami sicheren 12. Stock. Tja es endet bei der Zimmergrösse wie es begann. 

Allerdings ist das mit Abstand das schlechteste Zimmer der ganzen Reise. Das müssen wir unbedingt noch einmal mit Kitzi diskutieren. Andererseits sind wir auch gerade kurz vor dem 06. August hier. Das historische Datum für Hiroshima, da sind die Hotels gut ausgebucht. Nun ja, oder wie es die Daoisten sagen: „Iss dann so“. Auch das werden wir überleben und vielleicht werden wir in Hongkong wieder entschädigt.

Nachdem es draußen etwas erträglicher geworden ist, schleichen wir uns in das 5 Gehminuten entfernte Friedensmuseum. 

Die Ausstellung und den darin enthaltenen Berichten von Überlebenden und die Schicksale der Opfer, der Angehörigen die ihre Lieben suchten und diese, wenn überhaupt, in schrecklichem Zustand finden (Haut hängt in Fetzen vom Körper, starke Verbrennungen und Verstümmel-ungen), viele Überlebende berichten über unstillbaren Durst, den die Menschen mit verstrahlten Wasser stillen. Eine Mutter die ihr Kind zur Schule geschickt hat, obwohl es über Kopfschmerzen klagte und zu Hause bleiben wollte - sie sah ihre Tochter nie wieder. 

All diese Berichte und die Bilder sind so unfassbar und schmerzlich, das ich oft mit den Tränen kämpfen musste. Wie können Menschen anderen so etwas antun? 

Warum müssen so viel Menschen sterben und leiden, weil einige Wenige grössenwahnsinnig und machtbesessen sind. Diese Frage muss man sich leider auch bei den vielen Auseinandersetzungen, die es derzeit gibt und gab, immer wieder stellen. Die Putins, Assad’s, Trumps, Jinpings und Netanjahus dieser Welt.

Nach der Ausstellung sind wir erstmal down.

Die Jagd nach dem Abendessen war heute dann noch etwas schwerer als sonst. Alle Okonomiaki Restaurants in die wir wollten, waren voll und die letztendlich Alternative war nicht ganz so lecker.

Da hilft nur ein Abschlussdrink in einer Rooftop-Bar. 

Hier lernen wir zwei junge Japaner kennen - Koko und Koudai. 

Koko spricht ein bisschen Englisch und Koudai spricht gar kein Englisch, er ist Bauunternehmer im Familienbetrieb. Koko meint er verdient sehr gut und kauft immerzu ein. Preise sind egal. Irgendwann kommt dann noch Googles Übersetzer zum Einsatz. Da uns das Englisch stark begrenzt. Das klappt ganz gut. Die beiden sind mit dem Auto in die Stadt, auf ein paar alkoholfreie Drinks, gekommen.

Sie geben uns noch ein paar Tipps, wo wir noch shoppen können und was wir uns noch anschauen sollen und dann trennen sich unsere Wege wieder.

Entgegen dem was die Reiseführer und Co. so schreiben und berichten, begegnen wir sehr vielen Japanern, die auch immer wieder versuchen, mit uns englisch zu sprechen (Wenn Schahaatz sein japanisch nicht ausreicht) egal wie gut sie es können.

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