2. Tag bei Dimitri
Nachtrag zum 21.04.23 Als ich aufstand, war Dimitri bereits bei der Hundemama und ihren Welpen. Erfreulicherweise hatte der gestrige Anstoß etwas bewirkt und Dimitri zeigte sich...


Veröffentlicht: 24.04.2023
















Nachtrag zum 22.04.23:
Obwohl man nach einem Tag wie dem gestrigen eigentlich todmüde ist, schläft man aufgrund der aufregenden Ereignisse am Tag nicht unbedingt gut. So auch in dieser Nacht.
Um müde zu sein war das allerdings der falsche Ort.
Dimitri ließ mit seinen Plänen nicht lange auf sich warten. Heute sollte ich die Zufahrts"straße" ausbessern. Die Löcher auffüllen, Stellen eben machen, Steine entfernen usw.
Nach einem Kaffe, schnappte ich mir einen Rechen und begann mit der Arbeit. Ehrliche, harte, schweißtreibende Körperarbeit. Meine Hände waren durch die Zaunaktion schon etwas vorbelastet und sahen mittlerweile wie die eines richtigen Handwerkers aus.
Zwischendurch hörte man Dimitri immer mal wieder aus der Ferne einen unsren Namen rufen. Meistens wegen irgendeiner "Kleinigkeit"die wir dann kurz zu erledigen oder zu besprechen hatten.
Zum Mittagessen sollte es nun heute den bereits seit Tagen angekündigten Fisch geben, zumindest für mich als inkonsequenter Vegetarier, zumindest manchmal im Bezug auf Fisch. Ein solches Angebot stimmte mich allerdings ausgesprochen neugierig. Für Jessica gab's frittierte Kartoffeln und auch noch einen Salat für alle, sowie Weißbrot. Und Olivenöl natürlich. Gekocht wurde in der rudimentären Außenküche. Wie, wo und mit was gekocht wurde wollte ich aber um ehrlich zu sein gar nicht so genau wissen. Ich bin bezüglich Hygiene mittlerweile eigentlich ziemlich abgehärtet und trotzdem hatte ich beim Essen immer mal wieder Momente, indenen ich bewusst versuchte so wenig wie möglich über die Details der Zubereitung nachzudenken. Den täglichen Humpen frisch gepsresster Orangensaft gab's eigentlich auch zu jeder Mahlzeit. Der mit Abstand beste Orangensaft ever. Wo diese wunderbaren Früchte wachsen zeigte uns Dimitri dann am frühen Nachmittag.
Die Straße hatte ich dann nach dem Mittagessenessen fertig gemacht. Anschließend fuhren wir dann los, um Orangen zu holen. Die zwei unterschiedlichen Grundstücke bzw kleineren Plantagen lagen nicht weit vom Meer entfernt. Wem genau dieses Land gehörte könnten wir nicht genau herausfinden. Anfangs meinte er noch, dass eine der Felder seiner Schwester gehören würde. Das stellte sich aber kurz darauf als Scherz heraus. Irgendwie war damit aber auch klar, dass Dimitri die Dinge mal wieder nicht ganz so genau nimmt und nach seinen eigenen Regeln handelt. Er fand es auch ziemlich lustig, diese Grundstücke, die wahrscheinlich irgendjemand gehören, immer wieder "sein Geschäft" zu nennen. Es war auch wirklich spaßig mit ihm auf Ernteraubzug zu gehen. Um auch wirklich alle guten Früchte zu ergattern, sollte Jessica dann sogar auf seinen Rücken steigen, für eine klassische Räuberleiter. Wir lachten uns dabei halb tot, als er auf diese Idee kam und dabei betonte, dass er halt ein "alter verrückter Esel" sei.
Die vielen Orangenbäume standen gerade in voller Blüte und der herrliche Duft erreichte einen schon von Weitem. Hier beginnt bereits ein neuer Kreislauf, der dann dafür sorgt, dass es schon bald wieder frische, saftige Zitrusfrüchte zu ernten gibt.
Auf dem Rückweg zeigte er uns noch das Haus, in dem er mit 5 Geschwistern aufgewachsen war. Seine Schwester lebt auch noch in diesem Ort. Er findet es zu langweilig hier, deswegen ist er lieber bei sich auf dem Hügel oben. Dort hat er außerdem den Blick aufs Meer. Früher war er auch die meiste Zeit als Musiker unterwegs gewesen. Das "normale" gesettelte Leben war noch nie so wirklich sein Ding.
Voll beladen, mit Orangen, Grapefruits, Blutorangen und Zitronen gings dann wieder zurück. Diesmal waren alle Tiere da und unvershert.
Kurze Pause, bis zum Ausflug nach Olympia, der kleinen aber historisch sehr bedeutsamen Stadt.
Dimitri legt zu meiner Verwunderung jedes Mal viel Wert darauf, dass wir vor dem einsteigen in sein Auto, die Schuhe sauber machen. Bei einem Auto dass bei jeder Kurve den kaputten Kofferaumdeckel verlieren könnte und auch sonst eher danach aussieht als ob jemand darin leben würde, muss man das nicht unbedingt verstehen. Aber ok. My car my rules, geht schon klar...
Roigor, einer der 3 Hunde war heute auch mit an Board und zusammen machten wir dann die Straßen unsicher. Auf halber Strecke, hielt Dimitri auf einer Brücke an, welche er als einen geeigneten Ort für ein gemeinsames Foto erachtete. Die verschmutzte Windschutzscheibe wollte er bei der Gelegenheit auch noch schnell putzen.
Was die Parkplatzsuche anging, bräuchten wir uns mit Pilot Dimitri keine Gedanken zu machen.
Wir hielten in der Nähe dieser besonderen Sehenswürdigkeiten. An dieser Stelle sollte jetzt eigentlich etwas über diese besondere Sehenswürdigkeiten und die antike Stadt Olympia stehen, doch ich weiß um ehrlich zu sein nicht einmal genau was genau man dort eigentlich anschauen kann. Die Olympischen Spiele haben hier ihren Ursprung, da bin ich mir fast sicher. Wenn man mit Dimitri unterwegs ist, hat man eigentlich auch schon genug Kultur und Unterhaltung.
Für viele andere Menschen scheint diese Stadt aber durchaus von Bedeutung zu sein, so zieht sie seit Jahren viele Touristen an.
Uns war das olympische Gelände oder was auch immer man da anschauen konnte, dann nichteinmal den Eintritt wert. Shame on us. Es war auch schon abends und Dimitri wartet auf uns am Auto.
Wir machten einen kleinen Spaziergang und begaben uns dann auf die Suche nach einem Restaurant im Stalädtchen. Dimitri den wir mittlerweile den verrückten Opa nannten, suchte eine Pizzaria für uns aus. Seinen neuen Kosenamen, nahm Dimitri gerne an. Lachend bis hinter beide Ohren wiederholte er ihn wann immer wir ihn so nannten. So wird er mir auch bestens in Erinnerung bleiben.
Aber zurück nach Olympia, in die Pizzaria. Dimitri wollte uns unbedingt einladen, machte aber kein Geheimnis daraus, dass er finanziell nicht gut aufgestellt war. Er bestand aber darauf und so teilten wir uns dann eine Pizza und eine kleine Flasche Wein. Die Pizza war richtig gut und eines griechischen Olympia Helden würdig gewesen. Jessica hatte noch ein Dessert und als wir dann bezahlen wollten reichte das Geld nicht. Dimitri hatte nämlich gerade noch 5 eur dabei. Die Situation war zwar irgendwie etwas unangenehm, aber auch wieder einmal lustig auf eine verrückte Art und Weise. Es fehlten insgesamt 40 Cent und das, nachdem wir alle unsre Taschen gründlich nach Münzgeld durchsucht hatten. Ich hätte auch mit der Karte bezahlen können, doch das wäre zu einfach gewesen. Außerdem waren wir nun Outlaws an Dimitri Seite, die gemeinsam das System boykottieren.
Der verrückte Opa nahm dann das Geld und drückte es dem Kellner ganz selbstverständlich in die Hand. Dazu sagte er etwas auf griechisch und die Sache schien geregelt zu sein.
Mit Dimitri in dem Restaurant zu sein wirkte teilweise so, als ob er aus einer anderen Welt kommen würde. Die gut gekleideten Damen und Herren um uns herum, beobachtete er nur zu gerne, um sie dann mit Amerika zu vergleichen und sich im Stile eines verrückten Opas über sie und ihre "Verkleidungen" lustig zu machen.
Auf der Rückfahrt war die Stimmung noch immer spaßig und Dimi winkte munter irgendwelchen Leuten zu, die er fast überfahren hätte.
Auf der linken Seite kam uns irgendwo eine Frau mit Kinderwagen entgegen. Crazy Grandpa hielt an, ließ das Fenster runter, sagte ein paar Sätze auf griechisch und beide lachten herzhaft. Auch wir, obwohl wir noch nicht einmal wussten, was er zu ihr gesagt hatte. Er fragte sie was das Kind denn kosten würde. Ich könnte mich noch immer wegschmeißen vor Lachen wenn ich daran denke. Auch wenn einige vielleicht denken, dass dieser Typ eine Schraube locker hat, wirkt er für mich auch stets herzlich und sympathisch.
Das war der letzte Abend unseres spontanen Volunteerings.
