Das Problem mit dem Blinker sollte leicht zu beheben sein. In
Schweden gibt es ja nicht wenige der Biltema-Häuser. Riesige Einkaufsmärkte für Outdoor, Werkzeuge, Autozubehör und mehr. Dort sollte sich so ne olle Lampe wohl besorgen lassen.
Was ich aber noch nicht erwähnt hatte: die Anzeige des ADBlue-Füllstandes besagte 75%. Trotzdem forderte uns der elektronische Meckerheini auf, ADBlue aufzufüllen. Nur um auf Nummer sicher zu gehen, hatten wir noch kurz vor Rostock einmal vollgetankt und einen 10Liter Kanister von der geforderten Motorflüssigkeit mit gekauft.
Da man ja am Check-In vor der Fähre etwas Zeit hat, wollten wir gleich nach dem Licht-Thema die paar Tropfen ADBlue auffüllen. Mehr als 1-2 Liter sollten da nicht reingehen, is ja noch dreiviertel voll. Denkste! Der komplette Kanister von ZEHN Litern wurde vom Tank verschluckt ohne oben rauszuschwappern. Wie bitte? Hier stimmt doch was nicht! Beim Einfüllen haben wir bissl was auf den Asphalt verkleckert, das bleibt ni aus. Nach ner Weile war die kleine Pfütze getrocknet und man erkannte anhand des rötlichen Randes, wo wir das ADBlue vertröppelt hatten.
So warteten wir, bis das Terminal öffnen sollte und beobachteten die ankommenden Fahrzeuge.
Plötzlich rief mich André mit sehr besorgter Stimme nach draußen und deutete mit noch sorgenvollerer Geste auf den Boden unter der Motorhaube.
Dort....war....keine....Pfütze! Sondern fast schon ein kleiner See, der durch fast sekündliches, stetiges Tropfen von oben nass gehalten wurde. Ach du Heimatland!!! Das, was unternehmen Auto rausgeflossen ist und mittlerweile getrocknet war, hatte den gleichen rötlichen Rand wie der Fleck vom Befüllen. Wir hatten gar nicht viel Zeit zum Nachdenken, denn das Check-In Terminal öffnete und wir fuhren nun zum letzten Punkt vor der Fähre. Kein Umkehren möglich, keine Idee was das ab jetzt wird. Tausende Gedanken schossen uns durch den Kopf:
Ist die Füllstandsanzeige kaputt?
Wenn das sekündlich tropft, wieviel Liter sind das in der Stunde?
Wie lange dauert es, bis die 10 Liter (und das, was vielleicht noch drin war) leer getropft sind?
Springt dann morgen früh der Motor noch an, oder bleiben wir auf der Fähre hängen?
Was passiert dann?
Wir waren (ok, ich ein bisschen mehr als André) schon ganz schön fertig und besorgt, wie das nun ausgeht. Ein ständiger Blick unters Auto blieb da nicht aus. Es hielt mal auf, dann tropfte es wieder. Irgendwann mussten wir einsehen, dass wir die Situation jetzt so akzeptieren müssen, wie sie ist, und hoffen, dass wir es morgen mit dem Auto in irgendeine Werkstatt schaffen.
Die Fähre traf dann auch zeitnah ein und begann mit der Ein- und Ausladeprozedur. Dieses Jahr zog es sich ungewöhnlich lange hin. Ganze 2 Stunden dauerte es allein, bis die Autos eingeladen waren. Solange sitzt du abfahrbereit da und wartest auf das Zeichen vom Einweiser. Mit den kuriosesten Gedanken, die man eigentlich verdrängen will.
Wir kamen diesmal ziemlich zum Schluss auf die Fähre, bezogen unsere überhaupt nicht gemütliche Kabine und schon legten wir ab. Sogar 15 Minuten eher als geplant.
Wir gönnten uns nur einen kurzen Moment an Deck, konnten die Abfahrt gar nicht richtig genießen und suchten dann noch kurz das Bordbistro für eine Kleinigkeit zu essen auf.
Ich entschied mich für Bockwurst (die war ganz gut) mit Brötchen (welches nie einen Backofen gesehen hat) für 5€.
André bestellte sich ne Pizza Margherita für 12€, was am Ende irgendeine gummihafte Teigtasche war, die mit 2 Scheiben Tomate, bissl Grünzeug und quietschigem Käse gefüllt war. Nach 10 Minuten in der Art Mikrowelle waren aber nur die Seiten warm, der Rest kalt. Na dann gute Nacht!
Völlig erschöpft fielen wir in die Betten und hatten keine erholsame Nacht.
Den Wecker, den ich gestellt hatte, brauchten wir heute früh nicht. Wir hatten beide kaum geschlafen und dachten jetzt nur noch an das, was uns erwarten wird.
Wie es weiterging, lest ihr im 3. Teil. Wir wussten es zu dem Zeitpunkt noch nicht.