Die lettische Hauptstadt
Nach den ruhigen und reizarmen Tagen auf dem Lande konnten wir heute das bunte Treiben in Riga genießen.


Veröffentlicht: 10.08.2026
In Riga stoßen wir immer wieder auf das Thema Freiheit und Besatzung. Lettland war von 1940-41 von der Sowjetunion, dann bis 1944 von Deutschland und danach wieder von der Sowjetunion besetzt bzw. beherrscht. So verlor Lettland in der Zeit des 2. Weltkriegs etwa ein Drittel seiner Bevölkerung: Im Krieg getötet, in deutschen KZs vernichtet, in sowjetische Gulags verschleppt, von beiden Diktaturen zwangsrekrutiert... . Im Okkupationsmuseum finden wir viele eindringliche Zeugnisse dieser Zeit.
Die riesige Freiheitsstatue steht für die Sehnsucht nach Freiheit in allen Zeiten.
Erst Ende der 80er Jahre ermöglichte die Reformpolitik Gorbatschows den Weg in die erneute Selbstständigkeit der baltischen Staaten. Erzwungen wurde diese u.a. durch eine 660 km lange Menschenkette von Tallinn über Riga bis Vilnius mit 1,2 Mio Teilnehmer*innen. Als frühere Teilnehmer an deutlich kürzeren Menschenketten im Rahmen der Friedensbewegung nötigt uns diese Leistung mehr als Respekt ab.
Als die Souveränität 1991 wieder gefährdet war, wurden das Parlament und öffentliche Radio- und Fernsehsender durch die Errichtung von Barrikaden von 50.000 unbewaffneten Lett*innen erfolgreich verteidigt. Auch diese Barrikaden finden sich im Stadtbild Rigas wieder. Wer von uns würde den Öffentlich-Rechtlichen-Rundfunk bei Gefahr so vehement verteidigen?
Wahrscheinlich sehen wir daher so häufig die ukrainische Flagge neben der lettischen.
