Swakopmund
Mittlerweile sind wir schon zwei Tage in Swakopmund, der vieleicht deutschesten Stadt in Namibia. Heute war Cassingaday, ein arbeitsfreier Gedenktag zur Erinnerung an ein...
Veröffentlicht: 05.05.2026
So werden deutsche Namibier hier bezeichnet
Um es mal vorweg zu sagen: Wir treffen gelegentlich freundliche Deutschländer, die uns auf deutsch in ihrer Heimat begrüßen, oder einen jungen Tourguide, der in Namibia geboren ist, einige Jahre in Deutschland gelebt hat und in seine Heimat zurückgekehrt ist, "weil es hier so wunderschön ist", ein weltoffener und freundlicher Deutschländer.
Aber manche Deutsche im Ausland neigen dazu, gesellschaftliche Modernisierungsschübe in ihrem ach so geliebten Deutschland zu verpassen, weil sie "das Deutschtum" in der Frende bewahren wollen, indem sie es konservieren und gelegentlich auch zur Schau stellen.
So darf der Deutschländer hier in Namibia sein Mannsein noch ungestört ausleben.
Ich fand ein großes Plakat auf der Innentür der Herrentoilette im Brauhaus in Swakopmund: "Warum steht Bier immer im unteren Kühlfach?", dazu eine Frau, die ihrem Mann ein Bier holt, wobei man ihr von hinten auf ihrem nackten Unterleib und direkt zwischen die langen Beine schaut.
Der Text wäre vor 30 Jahren als etwas peinlicher Altherrenwitz vielleicht noch durchgegangen. Das Bild dazu ist jedoch gesichert vulgärsexistisch und frauenverachtend.Alle Männer und Jungs (also die kommenden Männer) können an diesem Plakat nicht vorbeischauen, wenn sie die Herrentoilette verlassen. Wie schauen sie anschließend auf die anwesenden Frauen im Lokal?
Bin ich zu optimisch, wenn ich behaupte, dass so ein Plakat in Deutschland nicht lange hängen würde?
In einem zweiten deutschen Lokal hängen BHs von der Decke, auf denen weibliche Vornamen stehen. Ja, das kann man vielleicht lustig finden oder man kann es in einem Land, in dem das Jagen noch immer zur Tradition gehört, als patriarchale Trophäensammlung lesen.
Ach ja und NS-Utensilien finden wir im gleichen Lokal ebenso. An der Wand hängt eine riesige Afrikakarte der Deutschen Wehrmacht aus dem Jahre 1941, also aus dem Jahr, in dem diese Wehrmacht ihren Vernichtungskrieg Richtung Osten begann. Wir konnten nicht verstehen, das andere sich ihren Appetit auf Schweinshaxe dadurch nicht nehmen ließen. Als wir mit einer Gruppe Deutschländer, einem sehr gepflegten älteren Ehepaar mit ihrer etwa 45 Jahre alten Tochter, darüber ins "Gespräch" kamen, meinte der ältere Herr "wir sind hier in Sachen Nationalsozialismus nicht so empfindlich wie die Menschen in Deutschland."
Ach so.
Dann weiterhin guten Appetit!
An den letzten beiden Abenden gingen wir sicherheitshalber in eine Pizzeria, trafen auf lebhafte Menschen in guter Stimmung. Hier -wie auch am Strand und vielen Cafes- treffen sich junge Leute und es scheint, als spielten Herkunft und Hautfarbe nicht mehr eine so große Rolle.
Das ist dann hoffentlich auch die Zukunft aller Bevölkerungsgruppen Namibias, inklusive der Deutschländer.