Diary of a journey to myself / Die siebte Erkenntnis

03.01., 08:30 Uhr, auf der Veranda unseres Hotels

Sitze auf der Veranda unseres wunderschönen Guesthouses in einem etwas von der Straße zurückgelegenen Innenhof zwischen Palmen, Blumenkübeln, zwei schmalen, länglichen Steinbrunnen mit Goldfischen, über denen Blumenampeln mit Orchideen hängen, die sich im Wasser spiegeln. Es ist noch früh und die Sonne scheint bereits warm und lässt die goldverzierte Pagodenspitze im Park nebenan, der eigentlich ein Friedhof ist, vor dem Blau des Himmels glitzern.

„Ich such‘ mal ein ATM. Wir haben zu wenig Bargeld. Außerdem weiß ich nicht, ob wir in Khong Lor überhaupt Geld ziehen können. Trink‘ du schön in Ruhe deinen Café“, und schon zieht er von Dannen. Frühstücken ist ja nicht so sein Ding, vor allem nicht, wenn wir in Aufbruchstimmung sind, was ja eigentlich fast jeden Tag der Fall ist. Ich dagegen finde es immer ganz fürchterlich, wenn wir keine Zeit zum Frühstücken haben. Das Essen ist mir eigentlich nicht so wichtig, aber der Café. Es gibt eine Szene in einem anderen Lieblingsfilm „Almoust famous“, in der 5 oder 6 Groupies einer Band und der Protagonist, ein junger Musikjournalist, nach einer durchzechten Nacht im Hotelzimmer aufwachen, eine der Mädels mit Ponyfrisur sich im Bett räkelt und dem Hauptdarsteller leidenschaftlich das Wort Cafeeeeeeeee zustöhnt.

Daran muss ich morgens im Urlaub total oft denken, weil ich das so unglaublich nachvollziehen kann. Aber durchgezecht haben wir ja gar nicht, obwohl ich mich ein bisschen so fühle. Entspannt wandert mein Blick zwischen meinem Café und dem Obstteller mit frischer Papaya, Ananas und Bananenscheiben zu den überall im Garten verstreuten Steinfiguren, dem aus Holz geschnitzten Haustempelchen vor der Eingangstür und den vielen Blüten, die in der Morgensonne ganz besonders schön in Lila, Rot und Violett leuchten. Da kommt er auch schon wieder um die Ecke. „Das ging aber schnell. Dann können wir ja noch zusammen ein bisschen hier sitzen“, strahle ich ihn hoffnungsvoll an. „Ich gehe erst mal Bezahlen. So viel Zeit haben wir jetzt auch nicht mehr. Das Taxi kommt in 10 Minuten“, antwortet er ein bisschen angespannt. Auch das bin ich total gewöhnt und bringt mich kein bisschen aus der Fassung. Ich fände es zwar schöner, wenn er vor der Abreise nicht immer so angespannt wäre, aber ich bin ja auch nicht gerade die Gelassenheit in Person, wenn mich etwas nervös macht. Und da er unsere Weiterreisen immer managt, während ich mich eigentlich überhaupt nicht darum kümmere, ist er eben immer ein bisschen nervös, ob auch alles immer so klappt, wie er das geplant hat. Dass er das alles alleine managt, ist so eine stillschweigende Übereinkunft unter uns.

Er liebt das Organisieren unserer Reise und ich finde irgendwie nicht die Muße dazu, weder vorher zu Hause, noch unterwegs. Ich beobachte einfach lieber Leute, während er stundenlang den Lonely Planet studiert und bei jeder Gelegenheit rausholt. Aber so passt doch alles prima. „Ist okay Schatz. Dann pack‘ ich schon mal die Tasche zusammen“, woraufhin er die Augenbrauen hochzieht und mir einen misstrauischen Blick zuwirft. „Was ist denn mit dir los? Normalerweise nörgelst du doch, wenn ich dir sage, dass wir nicht mehr genug Zeit haben“.

„Ich hab‘ ja meinen Café gehabt und außerdem liebe ich dich“. Er macht ein Gesicht, als wenn ich ihm gesagt hätte, dass ich gerade Konzertkarten für Slayer organisiert hätte. Völlig überrascht, ungläubig, aber total happy. 

Erkenntnis Nr. 7:

Das, was ich äußerlich wahrnehme und wie ich darauf reagiere, scheint immer was mit meiner inneren Haltung zu tun zu haben. Wie innen, so außen.

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