2. Tag: Petrified Forest NP
Nach einer kurzen Nacht fahre ich relativ früh los. Das ist der Vorteil von Jetlag. Man hat mehr vom Tag. Es geht weiter durch Arizona, und immer weiter aufwärts Richtung...


Veröffentlicht: 19.05.2024
Wie immer - Anreise ist shit. „Sit back and enjoy the flight“ wurde von Business Class Kunden erfunden. In der Holzklasse Economy ist das Sarkasmus. Eingezwängt über 11 Stunden mit einem potentiell unsympathischen Nachbarn, kann das ganz schnell ein Albtraum sein.
Ich habe Glück. Trotz 2 Stunden Verspätung, weil die Fluglinie es nicht auf die Reihe kriegt, ein Reinigungspersonal rechtzeitig zu bestellen, dass das Flugzeug auf Vordermann bringt, habe ich einen Platz ohne Nachbarn. Das macht die Sache extrem einfacher. Man muss einfach nur durchhalten. Entschädigt wird man durch zahlreiche Ausblicke, wenn das Wetter schön ist.
Und wieder habe ich Glück. Und wieder Pech. Die Ankündigung mit dem modernsten Flugzeug zu fliegen ist ein schöner Slogan - aber Internet kann man nicht benutzen. Laut Steward klappt das mit den neuen Maschinen öfters nicht. Na super. Ich erfahre also nicht, dass mein VfB die Bayern überholt hat, oder das die Flut endlich zurückgeht. Zudem verbindet sich mein Bluetooth Kopfhörer nicht mit dem System. Auch das passiert öfters. Man müsste nur einen Knopf bei den Einstellungen drücken dann funktioniert es - welchen kann er mir nicht sagen. Dann halt iPad.
Irgendwann kommt man tatsächlich an und stellt sich für die Immigration an. Das kann dauern. Ich habe vorab eine App ausgefüllt und soll einen zuständigen Beamten kontaktieren. Wenn ich nur wüsste, wer der ist. Nach 10 Minuten warten, haue ich einen älteren Mann an, und der sagt, warum haben Sie sich denn nicht vorher gemeldet? Komiker, es stand ja keiner da.
Er lässt mich tatsächlich vor, und ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich circa 50 Leute überhole. Aber man ist sich hier selbst der nächste. Immigration dauert wirklich keine 2 Minuten. Sowas habe ich noch nicht erlebt. Vielleicht bin ich mit der App einfach vertrauenswürdiger. Und so bin ich trotz 2 stunden Verspätung erstaunlich früh bei meinem Mietwagen.
Alamo habe ich für teuer Geld erst spät gebucht, und meine bisherige Bestellung bei Dollar gecancelt, weil ich denen nicht mehr getraut habe. Zu viele schlechte Bewertungen. Ich habe mich, weil er billiger ist für einen Pick-up entschieden. Sehr ungewöhnlich, normalerweise sind die teurer als die SUVs, die ich sonst nehme. Er bietet mir einen Upgrade an, den ich aber nicht will. Kostet dann immer noch mehr Geld.
Den Wagen hole ich dann zwei Etagen tiefer ab, und eine nette Navajo Frau sagt mir, ich solle irgendeinen aus der Reihe nehmen. Ich bin etwas sprachlos. Egal welchen? Ja. Da stehen ein paar RAMs, die wohl ein Upgrade wären. Ich gebe ihr eine letzte Chance, denn ich habe ja kein Upgrade bezahlt. Ich frage sie, welchen Sie nehmen würde. Sie zeigt auf einen weißen RAM. Ein absolutes Schiff von Gefährt. Ich nehme ihn. Man soll ja nicht widersprechen. Ich frage sie mit, wie viel Leuten sie in ihrer Gemeinde zusammen lebt. Sie sagt 300. Das ist schon richtig viel für Navajos meint sie.
Nach 5 Minuten Inspektion und der Gewissheit, dass ich eigentlich eine Trittleiter brauch um in das Auto zu kommen, fahre ich dann los. Bei stockdunkler Nacht. Apple car play funktioniert und so komme ich 90 Minuten später bei meinem Motel an.
Der Besitzer ist noch wach Gott sei Dank und nach 5 Minuten habe ich mein Zimmer, dass zwar nur ganz standardmäßig ausgestattet ist, aber sauber. Gegenüber liegt ein Laden und ich versorge mich mit Bier, Cola und einem breakfast Burrito. Für das Bier muss ich mich natürlich mit 61 Jahren ausweisen. USA eben. Die Verkäuferin mustert meinen Ausweis. From Germany? Yes. On business? No, on vacation. Sie starrt mich ungläubig an. In Globe? Sie kann es nicht fassen - muss ja das allerletzte shithole sein.
Ich versichere ihr, dass ich nur durch fahre und vorher einmal übernachte. Und keinesfalls gedenke hier mehr Zeit zu verbringen. Das beruhigt sie.
Nach einem sehr langen Tag und 3 Bier Schönheitstrunk schlafe ich ein und wache um 4.30 auf. Für Jetlag ist das fast schon ausgeschlafen.
