Wir
waren nun also wieder in Albanien, fuhren bis zur griechischen Grenze
und reisten ein. Endlich war das Fahren auf einer vernünftigen
Autobahn und wenig befahrenen Landstraßen mal wieder möglich.
Plötzlich tauchten Felsen, die eigentlich gar nicht ins
Landschaftsbild passten, vor uns auf. Gewaltige Felsen aus einem
Stück geformt, die wie Steinsäulen bis zu 600 Meter über dem
Meeresspiegel in die Luft ragen. Entstanden ist diese Landschaft in
Thessalien vor über 60 Millionen Jahren, geformt wurde sie durch den
Einfluss von Wasser, Wind und Temperaturunterschieden. Dann waren wir
auch schon im Ort Kalambaka angekommen, bezogen ein sehr kleines aber
hochmodernes Apartment und gingen, zur Erkundung der Umgebung, direkt
wieder vor die Tür. Wir fanden ein griechisches Restaurant. Die
Besitzerin sprach deutsch, hat ihre Miniküche direkt hinter dem
Tresen und bereitet alles selbst und frisch zu. Wir verspeisten
Oliven, Tzatziki, gebackenen Käse, Moussaka, Souvlaki und frisch
geerntete Pfirsiche aus ihrem Garten. Es war richtig lecker. Gut
gestärkt schlenderten wir noch etwas durch den Ort. Es war heiß,
das Thermometer war kurz vor der 40 Grad Marke. Wir konnten von hier
die riesigen Felsen sehen. Auf manchen standen Gebäude und ein
weißes Kreuz. Zum Sonnenuntergang fuhren wir hoch auf die Felsen.
Wir hatten einen tollen Blick über diese einmalige Landschaft und
konnten nun noch mehr von den Gebäuden auf den Felsen erkennen.
Diese Gebäude sind nicht irgendwelche, es sind die schwebenden
Klöster von Meteora. Bei Nebel oder tiefhängenden Wolken sieht es
wohl so aus, als ob die Klöster zwischen Himmel und Erde in der Luft
hängen.
Am
nächsten Tag gingen wir auf Entdeckungstour. Bereits im 11.
Jahrhundert kamen Mönche hierher. Um 1344 kam der Mönch Athanasios
mit seinem Ziehvater und weiteren Weggefährten in die Gegend. Sie
lebten als Einsiedler in mehreren schon früher bewohnten Höhlen.
Athanasios gründete wohl um 1356 das Kloster Metamorphosis als
erstes und größtes der Meteora-Klöster. Ursprünglich waren es 24
Klöster, davon sind heute noch 6 bewohnt und können besichtigt
werden. Wir starteten mit dem Kloster Agios Stefanos. Es ist
das, welches am einfachsten zu erreichen ist. Ein großer Parkplatz
liegt direkt davor. Wir gingen über eine neuzeitliche Brücke, waren
pünktlich zur Öffnung der Pforte um 9 Uhr da und somit die ersten
Besucher des heutigen Tages. Wir kamen in einen schönen Innenhof,
schauten in die Kapelle hinein, sahen die Friedhofskirche von außen
und genossen eine traumhafte Aussicht auf den darunter liegenden Ort
Kalambaka. Die Anfänge des Klosterlebens liegen im Dunkeln. Laut
zerstörten Inschriften war die Jahreszahl 1191/1192 hier zu lesen.
Im Jahre 1961 wurde das Kloster an eine Nonnengemeinschaft zur
Nutzung übergeben. Unser nächstes Ziel war das Kloster Agia
Triada. Es liegt ganz in der Nähe und öffnete 10 Uhr, wir waren
also auch hier wieder unter den ersten Besuchern der Anlage. Von
Weitem sahen wir die Außenmauern und eine horizontal verlaufende
Transportseilbahn, die mit dem isolierten und unzugänglich wirkenden
hohen Felsen verbunden ist. Um zum Kloster zu gelangen, liefen wir
einen Weg nach unten, um anschließend 120 Treppenstufen wieder nach
oben zu steigen. Bei diesem Fußmarsch haben wir uns gefragt, wie die
ersten Mönche im 11. Jahrhundert in dieses Gebiet gekommen sind. Wo
heute Straßen, Fußwege und Treppen sind, waren einst nur glatte
Felsen, die es schier unmöglich machten, auf die Spitze eines Felsen
zu gelangen. Das Baumaterial und die Mönche selbst wurden früher
mit Seilen und Aufzügen hochgezogen. Eine dieser Seilwinden konnten
wir im Kloster sehr gut sehen. Das Kloster liegt weit oben, aber nah
am Ort Kalambaka. Das weiße Kreuz, welches wir bereits von unten
gesehen haben, gehört also zum Kloster der Heiligen Dreifaltigkeit.
Wir fuhren wieder in unsere Unterkunft, denn am Mittag hatten wir uns
eine Tour rund um die Meteora Klöster gebucht. Wir trafen uns mit
unserer Reiseleiterin Kristina und einer 4-köpfigen Familie und
fuhren los. Wir besichtigen als nächstes das Kloster Varlaam.
Auf diesem Felsen lebte erstmals im 14. Jahrhundert ein Eremit. Mit
dem Bau der Klosteranlage wurde wohl erst 1518 begonnen. Das Kloster
war relativ problemlos erreichbar. Über eine neu gebaute Brücke
ging es über eine Schlucht zum Felsen und dann noch einmal etwas
über 100 Stufen nach oben. Wir fanden eine relativ große Anlage
vor, in der wir den Garten, die Kapelle und das Museum besuchten.
Unsere letzte Besichtigung galt dem Kloster Roussanou. Die
Namensherkunft, der Zeitpunkt und die Umstände der Gründung konnten
nicht schlüssig geklärt werden. Das frühere Mönchskloster war zu
Beginn des 20. Jahrhunderts verlassen und bis zu ihrem Tod lebte eine
fromme Äbtissin hier jahrelang allein. In den Jahren danach hat sich
eine Glaubensgemeinschaft von Nonnen etabliert, so dass es nun das
zweite Nonnenkloster von Meteora ist. Heute ist das Kloster über
zwei Brücken erreichbar, die längste Zeit seines Bestehens war es
jedoch nur über eine gefährliche Strickleiter zu erreichen. Da der
Felsen, auf dem es gebaut ist, relativ klein ist, wurde es nach oben
gebaut und so findet man die Hauptkirche im Erdgeschoss. Kristina
erzählte uns zwischen den Besichtigungen und Fotostopps viel über
die Entstehung der Felsen und Klöster und das Leben der früheren
Mönche. Wir fuhren im Anschluss zu einigen sehenswerten Löchern und
Ruinen im Felsen, die früher ebenfalls für Wohnzwecke genutzt
wurden. In den Löchern sahen wir Eremitagen – Einsiedeleien, und
unbewohnte Skiten, hier konnten früher Gäste beherbergt werden.
Natürlich
gehören die Klöster heute zum Welterbe der UNESCO und sind eine der
meistbesuchten Sehenswürdigkeit in Griechenland. Die Landschaft, die
Bauweise der Klöster und die Kulisse, die uns hier geboten wurde,
ist einfach himmlisch. Trotz mehrerer Erklärungen ist es
unbegreiflich und absolut beeindruckend, wie die Menschen früher
diese Felsen erklommen haben und Gebäude errichten konnten.