Afrika ... 🇲🇿 + 🇿🇦
Afrika ... 🇲🇿 + 🇿🇦
vakantio.de/africa-2009

Robben Island

Veröffentlicht: 30.10.2023


Heut ist unser letzter voller Tag. Es ist 9 Uhr und Karo und ich fahren nach Kapstadt, wir wollen nach Robben Island.


Zuvor fahren wir jedoch auf den Market (https://ozcf.co.za/market-day/), Karo war hier schon und möchte ihn mir zeigen. Das Areal ist groß, it looks organic, verschiedene Händler bieten alles an: von Smoothies, über Nüsse, Brot, Blumen, Kleidung, Pilze, bis hin zu allem, was man sich vorstellen kann. Der Markt ist voll, Karo und ich drehen ein paar Runden, bevor wir zum Essen und Trinken kommen. Es gibt Smoothies, Salate, Pilz Kebap, Kuchen, Sommerrollen. Die Sonne scheint, zum Rugbysieg vom Vortrag wird nur südafrikanische Musik gespielt.


Es geht per Schiff nach Robben Island. Die Tour ist zweigeteilt: eine Fahrt über die Insel mit Erklärungen des Guides (ich habe noch nie eine Frau erlebt, die so klar und deutlich artikuliert, am Ende hat sie uns noch einige Sätze in ihrer Sprache Xhosa beigebracht) und eine Führung durch das Hochsicherheitsgefängnis zu Fuß.


Wir lernen z.B:

- heute leben ca 200 Menschen auf der Insel, die für Robben Island arbeiten

- man kann hier auch heiraten (finde ich sehr sehr merkwürdig)

- zu Fuß braucht man ca 45 min, um die Insel zu begehen

- zwischen 1964-1991 gab es keinen geglückten Ausbruchsversuch

- am Eingang zur Insel gibt es ein Gebäude, das Besucherzentrum von damals. Gefangene konnten 2x im Jahr Besuch von ihren Familien erhalten, für jeweils 30 Min. Auch durfte nur Englisch oder Afrikaans gesprochen werden, was die meisten Afrikaner nicht sprachen, daher war eine Kommunikation kaum möglich


Dann verlassen wir den Bus und treffen auf einen Guide, der auch einmal hier politisch Gefangener war und nun als Führer hier arbeitet.

Seine Story ist sehr persönlich, wir lauschen ihm gespannt und nehmen alles in uns auf, z.B.:


- dass Asiaten u Farbige besseres Essen bekamen als Schwarze (dennoch war beides unter aller Sau)

- dass man als Schwarzer früher einen „Dummpass“ mit sich tragen musste, es ist ein Ausweis, den man immer dabeihaben musste, reine Schikane, und er sagt aus, dass man als schwarzer Mensch dumm ist.

Die Passgesetze wurden als Dreh- und Angelpunkt der Apartheid bewusst geplant. Von allen Apartheidgesetzen waren sie die tiefgreifendsten und perversesten. Am 21. März 1960 organisierte der Panafrikanische Kongress (PAC) einen Protest des zivilen Ungehorsams gegen die Passgesetze. Viele Demonstrant:innen sollten bei dieser Aktion ohne Pässe zur Polizeistation in Sharpeville marschieren und damit ihre Verhaftung herausfordern. Über 5.000 Demonstrant:innen kamen friedlich an der winzigen Polizeistation zusammen und forderten ihre Verhaftung. Die große Menschenmenge beunruhigte die Polizei und sie befahlen, die Versammlung aufzulösen. Als dies nicht geschah, eröffnete die Polizei das Feuer und tötete 69 Menschen, darunter acht Kinder und zehn Frauen, die auf der Flucht von hinten erschossen wurden. Weitere 180 Menschen wurden von der Polizei verletzt.

  • wir sehen sie Zelle von Mandela am Ende des Rundgangs

Karo und mir liegen die Infos schwer im Magen, wir reden noch lange darüber. Als wir auf die Insel kamen , wünschte uns ein Mann vom Schiff eine wunderbare Zeit auf der Insel. Die Wortwahl fanden wir als unpassend, wunderbar war es nicht, aber einzigartig und lehrreich.

Ich muss etwas essen, mir ist zwar nicht schlecht nach der Fahrt mit dem Schiff, aber ganz wohl ist mir auch nicht. Und da ich noch nicht an der Waterfront in Kapstadt war, nutzen wir den letzten Abend für ein zu grosses Essen. Ich bin auch fasziniert von den Leuten, v.a. Von den sehr stylischen schwarzen Frauen, die sich auch kein bisschen daran stören, dass ihre Kleider doch sehr eng sind und man mehr sieht, als man will.

Karo und ich werten aus. Was hat uns am besten gefallen?


Mamas Statement ist: den Teil Südafrikas, den den wir gesehen haben, ist Europa aber halt in Afrika, die Menschen sind sehr nett, die Unterkünfte und das Essen gefallen sehr. Finanziell ist es hier absolut machbar.

Karo findet, dass SA sehr kontrastreich ist, v.a. Bezogen auf Lebensbedingungen, Verteilung, Teilhabe. SA ist überraschend,plötzlich ist es landschaftlich schön, dann wieder sehr verarmt, usw. Die Menschen sind sehr nett, kulinarisch ist SA vielfältig.


Ich schließe mich dem an, die große Schere zwischen Arm und Reich, Schwarz und Weiß ist aber - wie bereits benannt - erschreckend und kaum zu ertragen. Die letzte Fahrt durch Kapstadt am gestrigen Abend fühlte sich unsicher an. Karo wollte noch ihr ausversehen geklautes Handtuch aus ihrer 1. Unterkunft im Hotel abgeben und ich habe angeboten, sie dorthin zu fahren. Ihre Worte „Schön, dass du das machst, T.hat sich nicht getraut, in diese Ecke mit dem Auto zu fahren“, waren zwar nicht hilfreich, aber ehrlich. Kapstadt und sicher SA in Summe wirklich schön, aber sicher nicht ungefährlich.


Auch haben wir immer wieder Folgendes festgestellt:

1. ab 17 Uhr habe die meisten Geschäfte und Restaurants geschlossen.

2. wenn man für SA packt, dann packt man am besten für 4 Jahreszeiten.

3. Cash ist fast ausgestorben, Karte ist King.

4. es gibt meist keine Steckdosen im Badezimmer.

5. Die MAMA und SISSI Debatte

6. Mülltrennung ist out

7. es gibt für alles einen Job, auf jedem Parkplatz, in jeder Ecke hilft dir jemanden. Man sollte aber Trinkgeld geben. Kleingeld sollte man also immer dabeihaben

8. alles ist abgeriegelt und vergittert, Kriminalität ist eben auch King

9. gehe niemals nach Einbruch der Dunkelheit allein oder in Gruppe spazieren


And dennoch: es ist soooo schön hier! Ich komme auf jeden Fall wieder.

Nachtrag: auf dem Weg zum Airport halten wir spontan in Constantina. Dort wollte ich schon lange hin, habe nur Gutes gelesen, es soll eine gute Alternative sein für Stellenbosch. Und das war es auch. Constantina ist ein großes Areal für Weinliebhaber, die Sonne scheint und meine beiden Mädels entscheiden sich - mal wieder - Wein zu trinken. Ich bleibe bei Orangensaft. Wir wollen gar nicht los. Aber wir wollen auch noch nach Kirstenbosch, leider nicht in den botanischen Garten, aber in den Shop, den Mama M und B so toll fanden. Und ich verstehe, warum.

Das Konto glüht, später verrät uns Karo, dass heute Weltspartag ist. Welch Ironie.

Am Flughafen werden wir mit dem Final call aufgerufen, ich weiß nicht, wie das passieren konnte. Aber keine von uns hat das Boarden mitbekommen. Das war knapp.

Das Flugzeug ist nicht voll besetzt, dennoch sitzen wir nicht zusammen. Karo zieht ganz um. Denn sie sitzt zwischen jeweils 1,5 Leuten, also etwas fülligere Menschen, die je mehr als ihren eigenen Sitz einnehmen. Vor mir sitzt eine Frau ganz links, neben ihre beide Sitze frei. Ich biete also meinen Sitznachbarn an, dass ich nach vorn rücke. Kaum gesagt, bekommt die Frau da das mit und springt wie eine Furie auf den Sitz in der Mitte, um mir zu zeigen, sie besetze alle drei Sitze: ein Wortgefecht zwischen den Damen bricht aus, ich gehe lieber zurück auf meinen Sitz, ich will nicht, dass sie mir die Augen auskratzt. 


Afrika ... 🇲🇿 + 🇿🇦 Folge diesem Blog und verpasse keine neuen Beiträge.
Antworten