Neuseeland: 8000km solo durch das schönste Ende der Welt

Von Mitte Dezember 2014 bis Ende Januar 2015 bin ich inNeuseeland unterwegs gewesen. Als grandiosen Abschluss eines Sabbaticals habeich mit einem Mietwagen knapp 7 Wochen die Nord- und Südinsel bereist. Endlose Strände, atemberaubende Landschaften, traumhafte Seen, Regenwald,Maori-Kultur, Kiwis & Kauris, Vulkane, Pinguine und heiße Quellen,unzählbare Schafe und unglaublich nette Menschen erlebt. Dies ist mein Reisetagebuch, das auch mir als Erinnerung an dieses einmalige Erlebnis dient. Kia Ora! Und viel Spaß beim "Mitreisen". Der Anfang ist ganz am Ende - so ist das bei Blogs :-) .

Tag 35 - Okarito & Franz Josef Glacier

18.01.2015

Wenn dieser nervige Junge im Nachbarzimmer nicht so laut wäre und permanent ¨mummy¨mitteilt, was er jetzt wieder macht - hätte ich völlig ohne schlechtes Gewissen ausschlafen können. So ist die Nacht aber schon um 8.00h zu Ende. Ich schäle mich um 9.00h aus dem Bett und ein Blick nach draußen sagt: Wolken hängen bis zur Erde und es regnet!


Bis ich geduscht habe und sozusagen präsentabel für die Außenwelt bin, gibt es blaue Flecken am Himmel. Ich gehe heute mal frühstücken. Nun habe ich mal Zeit und das will ich ausnutzen und muß ja nicht wieder Brötchen mit Schmierkäse und Instant-Kaffee haben. Ich sitze tatsächlich in der Sonne und gönne mir Toast mit zwei Eiern und zwei flat white. 

Franz Josef
Franz Josef


Es ist fast 12.00h, bis ich weiß, was ich jetzt mache. Da die Wolken immer noch in den Bergen hängen, bringt es nichts, jetzt zu einem der Gletscher zu fahren und Lake Matheson macht auch heute keinen Sinn. Ich steuere also etwas auf dem Highway 6 nach Norden und biege nach knapp 20km links ab in Richtung Okarito. Ein winziger Ort, der an einer Lagune liegt und dahinter gibt es ein ausgedehntes ¨Wetland¨ und einen kleinen Track, den man durch dieses Sumpfgebiet und den dahinter liegenden Regenwald laufen kann. 

Okarito Wetland 


Okarito


Die Sonne ist nun richtig warm, der Himmel blau - zumindest hier an der Küste. Ein toller Regenwald. Und nach den Wassermassen, die heute Nach hier herunter gekommen sind, gurgeln überall kleine Bäche und das Wasser tropft reichlich von den Moosen an den Hängen.


Ich laufe diesen menschenleeren Track etwa 1,5 Stunden. Da ich den Tiden-Plan nicht angesehen habe, der am Anfang aushing, drehe ich um, als es nach unten geht. Nicht, dass mich da irgendwann die Flut überrascht. Ich sehe und fotografiere endlich einen Tui. Der Vogel hat einen auffallenden Büschel weiße Federn unter dem Schnabel und ist meist so hektisch unterwegs, dass man ihn nicht fotografiert kriegt. 

Tui


Dieser hier saust immer in den noch rot blühenden Blüten des Flachses hin und her und versenkt seinen Schnabel darin. Hier sammelt er Honig. Ich fahre kurz zum Strand, der ein sehr steiniger ist. Aber endlos! Ganz wild und direkt dahinter erhebt sich die Steilküste. Einfach herrlich. Okarito liegt zudem an einer Lagune, an die ich jetzt fahre. 




Unzählige Austernfischer picken hier im Watt und meckern sich an. So viele auf einmal! Bis ich bei der Fahrt im Marlborough Sound einen brütenden Austernfischer gesehen habe, habe ich in meinem Leben noch nie so einen in freier Wildbahn gesehen. Und hier stehen jetzt locker 20 von diesen rum.


In den Bergen hängen immer noch die Wolken, aber ich habe jetzt nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder ich fahre zum Franz Josef Gletscher oder ich versuche mich nochmal mit Geduld und suche einen Aussichtspunkt hinter Lake Matheson auf und hoffe, dass es aufklart und ich dann von dort den Mount Cook und Mount Tasman sehe. Da ich eh durch Franz Josef muß, fahre ich die 4km zum Parkplatz, an dem die Wanderwege losgehen. Der Hinweis sagt, dass der Weg derzeit zur Gletscherzunge ok ist, aber sich verschlechtern kann. Ich laufe los und kann mir ja noch überlegen, wie weit ich gehe. Den Gletscher sieht man schon vom Parkplatz aus, er ist von hier aber gut 2km entfernt und der Weg dorthin führt zunächst etwa eine viertel Stunde durch einen Wald. Dann steht man oberhalb des ausgetrockneten Gletscherbetts und von dort beginnt der zweite Teil. Der ist etwas uneben und man muß schon gucken, wohin man tritt. Es geht überwiegend über Steine und Kiesel und an den Hängen sausen etliche Wasserfälle hinab, die jetzt nach dem Regen viel Wasser führen. Kurz vor dem Ende des Weges zum Gletscher geht es dann bergauf und rechts neben mir liegen schon große Eisbrocken, die auf der Oberfläche wie Gestein aussehen. Man kommt auf der Strecke 2km in Richtung Gletscher, vielleicht auf 400m an die Gletscherzunge heran, die sich in den letzten 5 Jahren dramatisch zurück gezogen hat. Entsprechend ist auch der Abfluß aus dem Gletscher angestiegen. Das ist schon furchtbar zu sehen.










Der Weg zurück wird schon frisch, denn die Sonne steht etwas tiefer und kommt nicht mehr ganz über die Hänge rüber. 


Ich bin kurz vor 17.00h wieder am Auto, nach rund 2 Stunden - und habe heute praktisch einen Wandertag eingelegt. Heute Mittag in Okarito und heute nachmittag hier am Franz Josef Gletscher. Zufrieden fahre ich nach Franz Josef zurück, nehme einen dankbaren Dänen mit ins Dorf, der ansonsten die 4km hätte laufen müssen. 



Ich setze mich irgendwo in eines der drei Lokale, trinke ein Bier und esse einen Kürbis-Feta-Salat, der aber irgendwie nicht so wirklich gut schmeckt. Während ich in der Kneipe, in der ich gestern Abend essen war, noch ein Bier trinke, schreibe ich schon mal Tagebuch, gehe um 19.30h - schon wieder im Regen - zwei Kneipen weiter, wo jetzt Maori-Live Vorführung ist. 



Ich sehe dem zu und verkrümel mich dann schnell ins Hotel. Es fängt schon wieder an zu schütten. Also Tagebuch zu Ende tippen, Bilder runterladen und ein bißchen chatten. Herrlich faul. Morgen gehts weiter nach Norden. Hoffentlich wird das Wetter da mal besser.

Tageskilometer: 70km

#neuseeland#südinsel#okarito#gletscher#franzjosef#tui

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