Neuseeland: 8000km solo durch das schönste Ende der Welt
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09.01.2015

Das Bett war super gut und ich habe wie ein Stein geschlafen. Der Wecker um 8.00h stört mich entsprechend. Frühstück auf der Terrasse vor dem Zimmer in der Sonne mit dem zweiten Teil des Mohnbaguettes. Morgen gibts den Rest. Der letzte Blauschimmelkäse und die letzten Tomaten. Muß jetzt mal wieder was einkaufen. Aber Schmierkäse und Brot hab ich noch.

Ich fahre zunächst 10km zurück in Richtung Tekapo und biege auf den Parkplatz an dem Aussichtspunkt über den Lake Pukaki und auf Mount Cook ab. Diese Farbe vom Wasser - das ist schon unecht, aber doch echt! Die Sonne scheint von wolkenlosem Himmel und es sind jetzt schon 17 Grad, wirkt aber wärmer, wenn man in der Sonne steht. Nur es bläst ein ziemlich kalter Wind.


Ich fahre am linken Ufer des Lake Pukaki in Richtung Mount Cook Village, das 55km one-way von hier liegt. Kleine Pause von 10 min in einem Shop und wieder zurück. Hier kann durchaus der Weg das Ziel sein, denn auf dem Weg nach Mount Cook Village hat man das Panorama des 3.700m hohen Mount Cook immer voraus. 


Natürlich gibt es hier atemberaubende Wanderwege. Aber auch dieses Mal fehlt mir zu einer echten Wanderung die Zeit, weil ich noch mehr sehen will. Letztes Mal bin ich hier noch eine weitere Straße reingefahren, die am Ende oberhalb eines Gletschersees endete, heute drehe ich aber ab und fahre wieder zurück. Um halb zwei bin ich wieder in Twizel, tanke den billigsten Sprit, den ich in den 3 Wochen getankt habe (1,849) und fahre zügig in Richtung Oamaru. Ich komme durch Omarama, den Ort, in dem ich letztes Jahr die erste Nacht während meiner Tour verbracht hatte. Heute ist hier richtig Leben. Ich biege links ab auf den Highway 83 und meine Fahrt führt nun entlang von kargen braunen Hügeln, zu deren Füßen mehrere blaue Stauseen liegen. Kurz vor Oamaru sind noch alte Maori-Felszeichnungen zu sehen. 

Denke ich - denn so steht es da. Aber bevor man die hinter einen Zaun verbannt hat, haben hier alle möglichen Leute ihre neuzeitlichen Widmungen hinterlassen und größere Flächen der Zeichnungen sind abgetragen und in irgendwelche Museen gebracht worden oder einfach verschwunden. In jedem Fall sind die Zeichnungen nicht alt, sondern 100 Jahre alt - also irgendwie jetzt nicht so das Aha-Erlebnis.


Oamaru überrascht mich mit alten Fassaden, bunten Blumenampeln und ehrwürdigen Gebäuden, einer alten Oper mit Säulen und einem viktorianischen Viertel, das aus einer Straße besteht, die 100m lang ist, aber schöne alte Fassaden hat. Ich fahre in die Thames Street in das Bella Vista Motel und checke dort ein, lasse mir ein Erdgeschoß-Zimmer geben, denn ggf. mache ich heute noch eine Neupackung der großen Tasche.



Oamaru




Aber zunächst fahre ich ins Zentrum zurück und an dem Hafenbecken entlang zu dem Besucherzentrum an der Blue Penguin Colony. Jeden Abend kommen gegen 21.00h hier hunderte dieser Pinguine aus dem Wasser. Eintritt kostet zwar 28 Dollar, aber was blöder ist: Man darf absolut nicht fotografieren. Mit oder ohne Blitz, Filmen - alles verboten. Egal. Ich hol mir ein Ticket und fahre dann eine der extrem steilen Straßen zum Aussichtspunkt oberhalb der Bucht. Was für ein Blick auf dieses türkise Pazifik-Wasser! Fast wie Lake Tekapo oder Lake Pukaki. Ich stelle in der Innenstadt mein Auto ab und laufe etwas in der Hauptstraße umher, aber hier haben die Läden nicht um 17.00h zu, sondern bereits ab 16.00h geschlossen - entsprechend tot ist es jetzt hier auch. 

Also fahre ich zur Yellow Eyed Penguin Colony, die außerhalb der Stadt liegt. Hier führt eine Sackgasse hin, dann ein Trampelpfad oberhalb einer mittelgroßen Bucht und am Ende gibt es einen schattenspendenen Unterstand, an dem schon vier, fünf Leute mit Objektiven und Ferngläsern in Hab-Acht-Stellung sind.

Es ist jetzt kurz vor 18.00h und man hatte mir gesagt, dass es ab 18.00h was zu Gucken gibt. Allerdings leben hier nur 8 oder 9 dieser seltenen Pinguine und die Bucht ist ziemlich groß. Etwa um halb sieben erblickt jemand einen einzigen. Ich nehme ihn ins Visier, aber selbst mit dem größten Objektiv ist es schwierig, da er auch noch im Schatten sitzt. Außer ein paar Seelöwen und einem Seehund bleibt es das dann auch und ich mache mich kurz nach 19.00h von dort auf. 




Fahre zu dem Besucherzentrum für die Blauen Pinguine nachher und setze mich dort nebenan in das Restaurant Portside und esse nochmal blue cod & chips. Um 20.30h machen die gegenüber die Türen für die Pinguin-Geschichte auf, so kann ich hier in Ruhe essen.

Das Spektakel erfolgt in zwei Gruppen. Die Normalos, wie ich, zahlen 28 Dollar und sitzen auf Holzbänken mit Sicht auf die Felsenrampe, die diese Zwergpinguine hochkommen sollen. Die Premium-Besucher (40 Dollar) sitzen etwas dichter dran und sehen die Pinguine auch in ihre Quartiere laufen.

Die Blue Penguins sind die kleinste Pinguin-Sorte, die es gibt. Sie werden bis 30cm groß und wiegen ca. 1 Kilo. Sie leben in Erdhöhlen und die Erwachsenen sind tagsüber im Meer unterwegs. Dabei legen sie zwischen 25 und 50km Strecke nach draußen zurück und kommen die entsprechende Distanz abends wieder nach Hause. Also ein harter Tag! Diese Pinguine fühlen sich an Land im Dunkeln sicherer, weswegen sie eben erst in der Dämmerung oder Dunkelheit wieder an Land kommen. Derzeit ist Brutzeit und viele der kleinen Holzbehausungen in dieser von Menschenhand geschaffenen Kolonie sind mit Jungtieren belegt. Da es hier an Land keine Feinde gibt, wie Hunde, Katzen, Frettchen, Possums - denn darauf wird hier natürlich geachtet, hat sich die Population mittlerweile auf über 500 Pinguine gesteigert.

Die Jungtiere werden nach etwa 5 Wochen aus dem Nest geschmissen. Kein Wunder, wenn man sieht, mit welcher Macht die über die zurück kommenden Eltern herfallen, die nun nach etwa 16 Stunden paddeln und Fische fangen, den Hang hoch gewatschelt sind und dann noch die Jungen füttern. In der Regel werden 2 Eier gelegt und somit warten zwei hungrige Schnäbel auf die Eltern. Pinguine bleiben ein Leben lang mit ihrem Partner zusammen und kommen auch immer in ihre gewohnte Behausung zurück, wenn es Zeit wird, Nestbau zu betreiben.

Es ist jetzt im Hochsommer allerdings um 21.00h noch nicht wirklich dunkel, sondern fängt an zu dämmern. Die Pinguine kommen in sogenannten rafts (Flößen) an Land. Das umschreibt Gruppen von 5-20 oder auch mal 50-70 Pinguinen. Während die Futtersammlung im Meer tagsüber im Alleingang erfolgt, rotten die kleinen Pingus sich rund 500m vor der Küste zusammen und kommen dann gemeinsam mit einer Welle an Land. Das dient der Sicherheit der Tiere, denn Seelöwen sind zum Beispiel eine arge Bedrohung für die Tiere und in einer Gruppe fühlen sie sich dann sicherer.

Gegen 21.30h kommt die erste Gruppe. Meine Güte, ist das niedlich! Von einer Welle getragen, trudeln sie in den Kieselstrand und watscheln dann über Steine auf diese Rampe. Dort wird ausgiebig Federpflege betrieben. Man schüttelt sich, ölt sich das Gefieder, macht alles ordentlich und wenn dann die Kumpels aus der Gruppe alle fertig sind, geht die Gruppe geschlossen den Rest des Hangs hoch und marschiert im Pinguin-Marsch in den ¨Garten¨ der Kolonie, dorthin, wo man in mehreren Hügeln und auch unter der Erde kleine Häuschen gesetzt hat. Dabei laufen die Pingus jetzt hier im Halbdunkel über den Rasen, die kleinen Hügel und schnattern und fiepen - es ist zum Kaputtlachen. Da sich ein Reisebus mit Chinesen um 22.00h auf den Heimweg macht, ist die Besucherschar bald kleiner und man steht an dem kleinen Zaun anstatt auf den Stufen dieses Amphitheaters, von dessen Dach gelbes Licht die Anladung der Pinguine bescheint. Während kein Besucher fotografieren oder filmen darf, weil man die Pingus nicht in ihrer natürlichen Umgebung mit Elektronik irritieren will, hat der Guide ein Mikro und kommentiert auch während hinter ihm die Pingus anrollen, während von oben das Licht leuchtet. Nun ja...

Ich bin bis fast 23.00h dort und bedauere mehr als einmal, nicht fotografieren zu dürfen. Mittlerweile sind über 200 Pinguine heimgekehrt und das Geschnatter ist auch in den Büschen auszumachen. Ich steige in mein Auto und gucke erst mal darunter, ob da nicht einer sitzt, denn die kommen hier ja überall aus dem Wasser. Nur 50m weiter kreuzt eine Gruppe von Pingus die Straße und die Kameras klicken. Die sind so niedlich!


Ich fahre noch auf den Berg oberhalb der Stadt, um den Sternenhimmel zu fotografieren, aber das wird nix. Also zurück ins Hotel. Die Thames Street liegt völlig verlassen da und die schönen alten Häuser sind toll angestrahlt. Es ist fast Mitternacht, als ich mein Zimmer erreiche und nun noch meine Bilder sichere und noch ein Glas Wein genieße.

Oamaru bei Nacht


Mittlerweile habe ich mir überlegt, dass ich meinen Südinsel-Aufenthalt um 2 Tage verlängere und somit die Fähre entweder umbuche oder storniere und Europcar entsprechend auch mit der Umbuchung des Autos beschäftigen werde. So kann ich in den nächsten Tagen etwas geruhsamer fahren. Denn meine erst geplante Strecke von Oamaru bis nach Kaka Point für den morgigen Tag, würde mir keinen Aufenthalt auf der Otago Halbinsel ermöglichen, wo aber Albatrosse und auch Pinguine zu sehen sind.

Tageskilometer: 300km

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