Neuseeland: 8000km solo durch das schönste Ende der Welt
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10.01.2015

Ich bin erst um 1.30h ins Bett gekommen, nachdem ich noch Fährverbindungen für den 24.1. recherchiert habe und mir die Nummern von Europcar und Blubridge Ferries rausgesucht habe. Nun klingelt der Wecker um 8 und mein erster Anruf gilt Europcar. Die 0800-Nummer ist aber am Wochenende nicht besetzt. Gerne kann ich ein Email schreiben. Ich wundere mich immer wieder über Öffnungszeiten von solchen und anderen Firmen in Neuseeland. Da ist hier Hochsaison und es gibt keine Erreichbarkeit von Europcar unter der 0800-er Nummer? Ich wühle in meinen Unterlagen aus Picton und finde eine 0800er-Nummer für das Picton-Büro. Sie steht zweimal auf dem Zettel, allerdings mit zwei verschiedenen Nummern. Die eine - so stelle ich fest - gehört zu einem Laden, der Batterien verkauft. Die andere - oh Wunder! - gehört tatsächlich zu Europcar und zwar zum Büro in Dunedin?! Der Typ ist total hilfsbereit und ändert meine Buchung ab.

Nächstes Telefonat: Bluebridge Ferries. Ich habe zwar einen online Account, aber stornieren kann man da keine Buchung. Also per Telefon. Ich würde ja auch mit denen am 24.1. fahren, aber die einzige Verbindung ist mittags um halb zwei und das ist zu spät, da ich an dem Tag noch nach Napier weiter will. Also muß ich stornieren. Ich kriege eigentlich 50% des Sonderpreises zurück, aber die Tante will die Kreditkartennummer haben, mit der ich das Ticket mal gebucht hatte und da bin ich eben unsicher. Wenn das nicht die gleiche ist, wird die Erstattung nicht geleistet. Das Mädel kann aber auch nicht sehen, mit welcher KK ich bezahlt habe. Nun ja. Es geht um knapp 30 Dollar. Im schlimmsten Fall ist das eben weg.

Dann nächster Schritt: Andere Fähre. Es gibt ja glücklicherweise zwei Fährfirmen, die die Verbindung Picton-Wellington betreiben und Interislander hat eine sehr frühe Abfahrt am 24.1. um 6.30h, die ich für 55 Dollar buche. Dann bin ich um kurz vor 10 startklar in Wellington und habe auch den Vorteil, dass ich in dem Terminal ankomme, in dem auch Europcar sitzt und nicht erst mit meinem Gepäck per Taxi 3km von der anderen Fähre zum Europcarbüro fahren muß.

Als nächstes storniere ich mein bereits gebuchtes Hotel und buche für die Nacht 23.-24.1. in Picton ein anderes, das zwar teurer ist, aber ist nun auch schon egal. Ich komme an dem Tag irgendwann abends in Picton an und will dann nicht noch nach einem Hotel suchen. Fähre und Auto sind ja nun gebongt, also kann ich das Hotel auch buchen.

Die letzte Arbeit heute morgen am Rechner (was haben wir bloß alle ohne Internet gemacht?) ist die online-Bezahlung meines Strafzettels aus Wellington. 12 Dollar für eine nicht gefütterte Parkuhr. Als das auch erledigt ist, mein letztes - jetzt ziemlich zähes - Stück des drei Tage alten Mohnbaguettes mit obligatorischem Schmierkäse und Instantkaffee vertilgt sind, verlasse ich das Motel. Es war ein schönes Ding, leider hatte ich hustende Kettenraucher nebenan, die den kleinen Tisch vor deren und meiner Tür komplett mit Beschlag belegt hatten und einen übervollen Aschenbecher schon letzte Nacht dort haben stehenlassen. Heute morgen ab 8.00h geht das Gerauche und Gehuste vor meinem Zimmer weiter und ich kann nichtmal die Zimmertür aufmachen, um zu Lüften. Gräßlich.

Mein Plan war eigentlich heute bis Kaka Point zu fahren, angesichts der 2 gewonnenen Tage, werde ich jetzt einen feinen Stopp auf der Otago Peninsula in Portobello einlegen. Da ich über übliche Online-Recherche nichts zum Buchen finde, werde ich dort also vor Ort was suchen müssen und wenn ich richtig sehe, hat Portobello drei Motels und einen Holiday Park. Nun ist Wochenende, die Sonne scheint - also mal sehen. Schlimmstenfalls fahre ich die 15km nach Dunedin zurück - da wird es immer was geben. Es sind unglaubliche 24 Grad, als ich um halb zehn losfahre.

Zunächst führt mein Highway durch hügelig-braune Landschaft mit üblichen Rindern, Schafen und Weiden. Gleich am Anfang halte ich an einem Kirschen-Stand und gönne mir ein Pfund Kirschen für 9 Dollar. Köstliche Dinger und sündteuer. Schon um halb elf bin ich in Moeraki, wo ulkige Felsenhalbkugeln am Strand liegen - die Boulders




Die größten sind über 2 m im Durchmesser. Diese Felsen sind nicht vom Meer rund geschliffen worden, sondern bildeten sich eher wie Perlen, ihr Ursprung ist organisch und mich erinnert das etwas ähnliche Gebilde (Stromatolithen), die ich letztes Jahr in West Australien im Lake Thetis gesehen habe, und die zu den ältesten lebenden Organismen der Erde gehören. Die Boulders hier in Moeraki sind schätzungsweise vor 4 Millionen Jahren entstanden, die Organismen im Inneren sind aber etwa 60 Mio Jahre alt. Durch sog. Konkretion entstehen diese Kugeln und nach irgendwelchen weiteren Prozessen, entstehen Risse. Manche dieser Boulders sehen aus wie Fussbälle, andere wie riesige Seeigel. Nette Fotomotive diese Urviecher. Ich halte meine Füße ins kalte Wasser und wundere mich einmal weniger, warum hier keiner badet. Die Bucht ist wunderschön, der Strand feinsandig - aber das Wasser kalt.

Weiter geht es durch Hügelland, Laub- und auch Tannenwälder, bis ich nach weiteren 70km dann Dunedin erreicht habe. 

Dunedin

Die Stadt hatte ich beim letzten Mal mit dem Schiff besucht - in leider miesem Wetter. Heute will ich nur nochmal den tollen Bahnhof sehen, versuchen ein dünnes Merino-Shirt am Octagon - dem Hauptplatz von Dunedin - zu finden und die steilste Straße der Welt zu sehen.

Als ich beim Bahnhof ankomme, ist die Sonne wunderbar - aber es stapeln sich die Tourbusse vor dem Gebäude, die nicht etwa Bahnreisende hier absetzen, sondern Kreuzfahrtpassagiere. Die Busse verschandeln jedes Foto und ich frage mich, warum die ausgerechnet hierher fahren, den Leuten diesen sicherlich schönsten Bahnhof der Welt zeigen, um ihnen und allen anderen Touristen sämtliche Bilder zu versauen.


Ich werfe einen Dollar in die Parkuhr und laufe eine Stunde durch die Gegend. Am Octagon ist jeder Platz in den vielen Cafés besetzt und ich finde den Pullover-Shop vom letzten Jahr wieder und ein weiteres Merino-Shirt für mich. Wenn es kühl ist, sind diese extrem dünnen Pullover genial zum Unterziehen.

Mit dem Auto fahre ich zur Baldwin Street, die etwa 3,5km außerhalb der Stadt liegt. Sie ist die steilste Straße der Welt. Sie sieht aus der Ferne steil aus, aber wenn man anfängt sie zu gehen, ist es eigentlich ganz ok. Nur fahren möchte ich sie nicht. Mir fehlt allerdings der Ehrgeiz, sie komplett hoch zu laufen und ich drehe nach der Hälfte um, denn ich will noch in der Innenstadt in einen Kamera-Laden, um meinen Sensor reinigen zu lassen, nachdem ich seit gestern einen Punkt im Bild habe, wenn ich blauen Himmel fotografiere.






Um halb drei bin ich in Downtown, finde den Kamera-Laden erst im zweiten Anlauf und habe Glück, dass die Zeit haben, das Ding zu reinigen. Kurz vor halb vier bin ich 30 Doller ärmer und hoffentlich den Fussel auf dem Sensor los. Während ich einen Kaffee bei McDonalds getrunken habe, habe ich kurz bei Booking.com für die nächsten 2 Nächte in Kaka Point ein Motel gebucht. Mittlerweile gewöhne ich mich an die Preise und empfinde 115 Dollar pro Nacht schon fast günstig. Also ist nun auch klar, dass ich ab morgen dann die Catlins besuchen werde und mal wieder 2 Nächte ein Hotel habe.

Über die extrem kurvige Uferstraße geht es von Dunedin entlang des Otago Harbour, wie die langgezogene Bucht zwischen Festland und Halbinsel heißt. Kurz nach 16h erreiche ich Portobello, fahre das erste Motel an, kriege ein Zimmer für 125 Dollar mit Balkon und Meerblick und checke ein. Hurra! Der Dorfladen hat noch offen, ich hole mir Käse, Joghurt und eine Flasche Wein und bin nach 10min mit der Ortsbesichtigung durch. 


Die Hotelfrau hat mich um 21.30h auf eine Pinguin-Tour gebucht. Es war die letzte Tour heute und da man hier fotografieren darf, freue ich mich, dass ich das heute nochmal sehe. Da es die letzte Tour ist und ich ja von gestern weiß, dass die Pingus erst im Dunkeln rauskommen, wird das heute vielleicht die sogar noch bessere Wiederholung von gestern. Ich muß allerdings noch 10km Kurven hin- und im Dunkeln zurück fahren. Nun ja. Auch das wird gehen.

Ich sitze ab 17.00h auf meinem Balkon und erst ab 18.00h wird die Sonne und Wärme erträglich. Während ich auch letzte Nacht gefroren habe und mir noch um halb drei eine Wolldecke aus dem Schrank geholt habe, ist es heute und auch gestern tagsüber richtig warm gewesen. Hier in Portobello bläst allerdings ein kalter Wind. Also auch heute Abend wieder Beine an die Hose machen, Socken und feste Schuhe an und die Steppjacke über die Fleecejacke.

Ich bin etwa eine Stunde vor Beginn der Pinguin-Sichtung oben am Ende der Otago Peninsula im Albatross Center in Harington Point. Was für eine zeitweise echt fiese Fahrtstrecke. Immer direkt am Wasser entlang, schmale Fahrspuren, Gegenverkehr und unübersichtliche scharfe Kurven. Zum Ende geht es auch noch bergauf und wird noch schmaler. Da bin ich jede Minute froh, über mein kleines Auto. Für die 10km bin ich dann auch 20min konzentriert unterwegs. Leider zieht schon ein paar hundert Meter hinter Portobello dicker werdender Seenebel in den Otago Harbour und zum Ende dieses Gewässers hat der die gesamte Spitze der Halbinsel im Griff und in mir wächst die Überzeugung, dass das heute wohl mit der Sicht auf die Pinguine eher nichts bis schwierig wird.


Die Tour hat letztlich um die 50 Leute hier her gelockt und sie findet auch nur einmal täglich um 21.30h statt. Alle anderen Führungen, die hier tagsüber laufen, gelten der Albatross-Kolonie, insbesondere der, der Nördlichen Königsalbatrosse, der größten ihrer Art, die vom Aussterben bedroht sind. Dafür berappt man dann für eine 90minütige Sichtung von etwas oberhalb des Albatross Centers, stolze 50 NZ$. Da nimmt sich meine Pinguin-Tour mit 25 NZ$ geradezu wie ein Schnäppchen aus. Das Albatross-Center ist eine ziemlich gut gemachte,, wenn auch kleine Informationsstätte zum Leben und Überleben der Albatrosse in der Welt. Ich vertreibe mir die Zeit mühelos, bis es mit der Pinguin-Tour losgeht. Und ja - es dürfte heute schwierig werden mit der Sichtung, denn die blauen Zwergpinguine brauchen klare Sicht, um den Heimweg zu finden. Ist Nebel, trauen sie sich nicht (vielleicht auch, weil sie Feinde wie Seelöwen nicht sehen, die hier durchaus unterwegs sind).

Es führt ein Trampelpfad das Steilufer hinunter und endet auf einer Aussichtsplattform. Hier darf man zwar ohne Blitz fotografieren, aber die Beleuchtung ist eher spärlich, so dass ich um diese Uhrzeit und bei Nebel das Fotografieren sehr schwierig gestaltet. Ich bin etwa eine Stunde dort und erlebe die Anladung von zwei Gruppen von blauen Pinguinen. 



Nachdem 20min keine weitere Gruppe an Land kommt und es jetzt stockfinster ist, trete ich mit mulmigem Gefühl den Rückweg an. Für den Aufstieg zum Parkplatz bin ich um meine Taschenlampen-App dankbar und fahre mit 25-30kmh langsam die Straße zurück nach Portobello. Der Nebel verschluckt alles und ich bin froh, als ich nach ein paar Kilometern ein schleichendes Wohnmobil vor mir habe. Mit so einem Geschoss möchte ich diese Straße nicht fahren.

Ich bin erst gegen 23.45h wieder im Hotel. Bilder runterziehen, sichten, löschen und Licht aus.

Tageskilometer: 177km

#neuseeland#südinsel#oamaru#otago#albatros
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