Neuseeland: 8000km solo durch das schönste Ende der Welt
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07.01.2015

Seit 3 Wochen bin ich nun in Neuseeland. Bergfest und es ist nicht vorstellbar, schon in drei Wochen hier wieder abzureisen. Mein Motel hat sich als echter Glücksgriff herausgestellt. Das Bett war bequem, das Wasser ist heiß, das Zimmer groß und das WLAN ist gut. Fürs Frühstück finde ich eine Plunger Kaffekanne (Bodum) und somit wird der Kaffee auch besser schmecken, als der lösliche. Der Toast verbrennt ausnahmsweise nicht das Brot und da weder Spülbürste noch Spüli auffindbar ist, brauche ich heute nicht abzuwaschen! Ich überlege schon, ob ich nicht ggf. heute Abend wieder hierher zurück kehre. Eigentlich will ich ja in Richtung Tekapo, aber wenn ich erstmal Christchurch durchstreift habe und endlich mit Muße den Film von über einer Stunde im Quake Museum angesehen habe, wird Tekapo eh zu weit sein. Und ich will den Scenic Highway 72 fahren, der hier, in Rangiora beginnt und nicht von Christchurch quer rüber. Nun denn. Erstmal gehts nach Christchurch, dessen Außenbezirke man in 20 Minuten erreicht. 

Bis ich allerdings in der Innenstadt bin, bin ich dann doch rund 40 Minuten unterwegs. Nach wie vor sind Parkplätze keine Mangelware in Christchurch.


Das war schon letztes Jahr so, als ich hier am 31.1. den Tag über war. So viele Baulücken durch abgerissene Gebäude (die nach dem Erdbeben vom Februar 2011 unbewohnbar waren), dienen jetzt als Parkplätze und die sind entsprechend billig. Für 5 Dollar kann man hier den gesamten Tag parken. Ich parke direkt hinter der zerstörten Christchurch Cathedral und gehe los. 

Das Wetter ist bewölkt und eher frisch mit 18 Grad. Ohne Jacke ist das heute erstmal nix. Die Kathedrale ist immer noch im selben beklagenswerten Zustand und auch auf dem Sockel auf dem Platz davor fehlt immer noch die Statue, die beim Erdbeben am 22. Februar 2011 heruntergefallen ist. Die Stadt ist weiterhin eine riesige Baustelle und man hört Baulärm ohne Unterbrechung. Die Skyline von geschlossenen Hochhäusern, deren Fenster vernagelt sind und deren Eingänge verriegelt bleiben, wird durch Dutzende Baukräne ergänzt. Heute baut man hier natürlich erdbebensicher mit modernster, teuerster Technik, was dazu führt, dass der Aufbau etliche Jahre dauern wird. 


Einsturzgefahr nach 4 Jahren


Geschlossen wg. des Erdbebens vor 4 Jahren


40 Milliarden Neuseeland-Dollar sind zunächst dafür angedacht und es ist ja nicht so, dass der Aufbau das Einzige ist, sondern auch der Abriss vieler Gebäude steht heute immer noch aus. Rund 10.000 Häuser sind bereits abgerissen worden, weil sie nicht mehr erhalten werden konnten. Fährt man durch Wohngebiete in Christchurch sind diese Wunden in den Nachbarschaften überall sichtbar. Mittlerweile stehen an etlichen leeren Grundstücken For-Sale-Schilder und auch die Bevölkerungszahl von Christchurch steigt wieder. Allerdings auch durch die große Zahl externer, oft ausländischer Bauarbeiter und Fachleute.

Christchurch muß in der Vor-Erdbebenzeit eine wunderschöne Stadt gewesen sein. Fotos, die man überall sehen kann, zeigen eine fast britisch aussehende Stadt, mit vielen trutzigen, grauen Steinbauten. So viele alte Gebäude sind noch sichtbar, aber viel verhüllt oder von riesigen Gerüsten gestützt. Ich laufe vom Cathedral Square Richtung Botanischer Garten. 


Die Worcester Street führt entlang des Arts Center of Christchurch, einem alten langgezogenen Steingebäude, das praktisch die gesamte eine Straßenseite umfasst und noch um die Ecke geht. Alles im Gerüst, abgesperrt, eine riesige Baustelle.



Man braucht in Christchurch eben nicht nur Bauarbeiter sondern vielfach sicher Historiker und Restauratoren für Kirchen und diese altehrwürdigen Institutionen.

Es gibt einige wirklich schöne alte Holzhäuser, in denen mal Restaurants, Hotels oder Galerien sind - oder sie sind auch wirklich bewohnt. 


Das Canterbury Museum, das Museum dieses Bezirkes Canterbury, zu dem Christchurch gehört, ist ebenfalls ein Bau, der in diesen Stil passt, in dem sowohl das Arts Center, die Kathedrale und viele andere Gebäude der Stadt vor über 100 Jahren gebaut wurden und die viele Erdbeben überstanden haben, bis das am 11. Februar 2011 kam, das extrem nah unter der Erdoberfläche stattfand und deswegen solche unglaublichen Schäden anrichtete und 185 Leben forderte.

Der Botanische Garten, neben dem Canterbury Museum sieht nett aus. Aber ich will heute keinen Garten durchstreifen. Ein altes Holzhaus dient hier als nobles Café. Ein paar Schritte weiter und ich folge wieder dem Avon, dem beschaulichen Flüsschen, dass sich quasi rund um den Innenbereich der Innenstadt zieht und auf der man Punting geht! Punting ist so etwas wie Gondelfahren in Venedig. Aber ich habe keine Lust und es ist auch zu frisch. Aber ich guck mir mal den alten Boatshed an, in dem auch die netten Uniformen der Gondoliere hängen.



Dann stehe ich wieder am Re:Start - dem eigenwilligen Shopping District von Christchurch, der heute das neue Zentrum ist. Fassaden alter Kaufhäuser sind um die Ecke und vernagelt und wg. Einsturzgefahr weiterhin gesperrt und vermutlich bald noch die nächsten Opfer der Abrissbirne.


Re:Start
Re:Start

Im Re:Start hat man bunte Container aufgestellt, in denen nicht nur Geschäfte, sondern auch Banken und die Post ein neues Zuhause gefunden haben. Dazwischen jede Menge Picknicktische und hier tummeln sich Einheimische und Touristen gleichermaßen. Direkt daneben ist Quake City - das Museum, das sich der Erdbebengeschichte der Region beschäftigt und dabei einen Fokus auf das große Beben vom 22. Februar 2011 legt.

Quake City


Ich bin vor einem Jahr hier sehr schnell durchgelaufen und wollte insbesondere den Film jetzt sehen - eine Reihe von 15 Interviews mit Überlebenden und ihren Stories wo und wie sie überlebt haben. Der eine im 17. Stock eines Hauses, eine Frau in einem kleinen Raum in der Kathdrale, indem sie im Fenster saß, während neben ihr der Fußboden wegsackte. Eine junge Frau, die in ihrem Büro verschüttet wurde und dabei ihre Hand verlor, ein Mann, der das Beben unversehrt überlebte und beim Nachhauselaufen von einem der Nachbeben in ein Loch geworfen wurde und seitdem querschnittsgelähmt ist - die Geschichten könnten nicht unterschiedlicher sein und machen betroffen. Das Erdbeben hatte mit einer 5.9 Magnitude keine große Stärke, das Nachbeben mit 6,0 war stärker - aber die Tatsache, dass es so dicht unter der Erdoberfläche war, machte dieses Beben so tödlich und zerstörerisch. Über 1500 Nachbeben gab es in den 18 Monaten danach und hier hat gestern auch die Erde gebebt.

Nach dem Erdbeben 2011
Nach dem Erdbeben 2011
Werte vom 12.2.2011

Nach dem Beben 2011

Mit einem Ausschlag der Stärke 6 gab es gestern 30km westlich von Arthurs Pass ein kurzes Erdbeben, das man in Christchurch gespürt hat. Mashanka, meine indische Bekanntschaft aus Picton, schreibt, dass ihr so ersehnter Bahntrip von Christchurch nach Greymouth nicht stattfand, weil Kiwirail erst einmal alle Schienen überprüft, bevor wieder etwas fährt. Also fuhr sie Bus. Der Reiz der Bahnstrecke ist aber, dass sie nicht dort entlang führt, wo die Straße verläuft. Sehr schade.

Es ist 14.00h als ich dort wieder raus komme, laufe noch in Richtung der alten Basilika, die auch schwer zerstört ist und ich finde leider die Reste nicht mehr. Nun habe ich mich entschieden zum Willowpark Refuge zu fahren, weil die ein Kiwihaus haben und ich nun nach 3 Wochen endlich mal Kiwis sehen will. In freier Wildbahn wird mir das auch nicht mehr gelingen. Glücklicherweise habe ich ein Navi im Handy, sonst hätte ich das versteckt liegende Gelände nicht gefunden. Es liegt nord-östlich der Innenstadt und ich muß 28 Dollar Eintritt zahlen. Ich schenke mir alles an anderen Tieren dort und steuer direkt das Kiwi-Haus an. Erfreut stelle ich fest, dass hier eine Art Freigehege angelegt ist, in dem man über einen bestenfalls hüfthohen Zaun die Tiere sehen kann und eben nicht hinter Glas wie in Queenstown



Natürlich ist es ein Nachthaus und man braucht ein paar Minuten, bis man was sieht. Aber die Kiwis sind aktiv und picken non-stop nach Insekten im Boden. Hier leben 6 Kiwis, 4 habe ich über einen langen Zeitraum beobachten können. Damit die Besucher die Tiere sehen können, haben die praktisch den umgedrehten Tag/Nacht-Rhythmus, wie es in Wirklichkeit ist. In unserer Nacht ist es bei denen im Haus taghell, damit die dann ihre Nachtruhe halten. Fotografieren ist somit also nur mit langer Belichtung möglich was - angesichts des permanenten Picken der Kiwis - zu wenig brauchbaren Fotos führt. Witzig ist, dass man die Kiwis richtig schniefen hört oder schnuppern. Sie haben ja vorne am Schnabel Nasenlöcher, mit denen sie in der Erde ihre Nahrung er-riechen bevor sie mit dem Schnabel dort reinpicken und da der Schnabel sehr lang ist, bohren die ganz schön tief in den Boden, wodurch sie die Beine brauchen, um den Schnabel wieder dort rausziehen zu können. Ich finde die Kiwis einfach witzig und bin sicher eine Stunde im Kiwihaus und beobachte die Vögel.

Folglich ist es auch schon halb fünf, als ich wieder am Ausgang bin und dort im Café einen Kaffee trinken wollen würde, aber das Café hat schon zu. Neuseeland eben. Der Park hat bis 19.00h Uhr offen...

Ich sitze im Auto und konsultiere meine Landkarte, werfe kurz das Internet an, gucke in einem Reiseführer, ob es Sinn macht, den Scenic Highway, den ich morgen fahren will, schon heute zu beginnen - aber es scheint mir, als seien dort die Dörfer so klein, dass es da nichts zum Wohnen gibt und ich hab keine Lust heute noch durch x Dörfer zu kurven, um etwas zum Schlafen zu finden.

Nach einem Blick in den Wetterbericht für morgen, der sehr gut aussieht, entscheide ich wieder nach Rangiora zurück und ins Lilybrook Motel zu fahren. Heute ist dort ein anderer Chinese und er fragt mich ob ich wieder "Loom Fow" (Room Four) haben will. Ja, Room Four wäre nett. Also bringe ich alles wieder in mein altes Zimmer, fahre kurz zu McDonalds, weil es das hier gibt und ich keine Lust habe, heute zum dritten Mal zum Chinesen zu gehen. 

Im Anschluss finde ich noch einen Supermarkt, der ein geniales Mohnbaguette hat. Hätte ich das mal eher gefunden, wäre das heute mein Dinner gewesen. Nun wird es Frühstück, inkl. eines Stückes Käse. Ich stocke meinen Vorrat an getrockneten Mangos auf, die man hier in vielen Supermärkten lose kaufen kann und die einfach super-lecker sind. Die Preise für Lebensmittel sind in NZ immer noch gewöhnungsbedürftig...

Käsepreise
Joghurt für 8.49$
4 Bagels für 4,99$


Ab ins Hotel und mal nicht bis 23.00 Fotos und Tagebuch machen. Heute bin ich damit um 21.30h fertig. Bingo.

Tageskilometer: 67km

#neuseeland#südinsel#christchurch#quake#rangiora
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