Der Diskos von Phaistos
Wenn man archäologische Stätten auf der Insel Kreta besichtigt, so wird der Besuch im Archäologischen Museum in Heraklion zur Pflicht, denn viele Fundstücke aus den Anlagen sind...

Veröffentlicht: 18.05.2025
Zwei archäologische Stätten auf der Südseite der Insel Kreta haben wir ins Visier genommen. Dazu mieten wir uns einen Mietwagen bei einem sehr sympathischen Vermieter (autokreta.de). Ich empfehle einen Mietwagen mit Versicherung ohne Selbstbeteiligung, weil es dadurch keinen Zustandscheck des Autos gibt. Mit unserem niedlichen Fiat Panda sausen wir die Stadtautobahn von Heraklion entlang und verpassen glatt unsere Ausfahrt Richtung Süden, da ein Rückstau die Autos schon vor der Ausfahrt aufreiht und ich das natürlich nicht erwartet habe. Deshalb heißt es nächste Ausfahrt wenden und zurück. Dann geht es durch die Berge aber schnell voran. Der kleine Wagen schnauft die erste Hälfte der Strecke die Berge hoch und kullert die andere halbe Strecke wieder herunter. Wir biegen nach links ab und erreichen Gortyn. Diese Stadt wird schon im "Ilias" bei Homer erwähnt, was eine lange Siedlungstradition bedeutet. Während der Römerzeit wurde die Stadt sogar im Jahr 67 v. Chr. Hauptstadt von Kreta. Die archäologische Stätte erstreckt sich links und rechts der Straße, wobei nur ein kleiner (aber wichtiger Teil) zu besichtigen ist. Die alte Basilika interessiert uns nicht und wir gehen an der Schülergruppe und den uralten Olivenbäumen vorbei zum Odeon. Dort unter einer schützenden Überbauung sind in einer Wand die Stadtgesetze von Gortyn aus der archaischen Zeit eingemeißelt. Somit konnte jeder Bürger die Gesetze nachlesen. Mit 2.500 Jahren ist es einer der ältesten Dokumentation von Gesetzen in Europa. Neben dem Strafrecht sind auch Regelungen zum Eigentumsrecht und Erbrecht aufgeführt. Die Ruinenanlage des Odeons zeigt einen hohen Zerstörungsgrad, so dass die Besichtigungsmöglichkeiten wirklich begrenzt sind. Man darf die Erwartungshaltung hier nicht hoch ansetzen, aber ich bin sowieso nur wegen der Schrifttafeln hier. Nun versuche ich schlau zu sein und fahre in ein kleines abgelegenes Dorf zum Tanken. Meine Logik dabei ist, dass der Preis abseits der Touristenstraßen geringer ist. Diese Logik sollte sich als fundamental falsch erweisen. Wir erreichen die alte Tankstelle und werden von einem noch älteren braungebrannten Griechen bedient, der auch auf jeder Packung griechischen Schafskäse abgebildet sein kann. Er kann kein Englisch und ich kein Griechisch, trotzdem erhalte ich die richtige Menge Benzin. Der Preis ist nicht hoch, aber auch nicht niedrig, dem Tankerlebnis ist es aber Wert gewesen. Durch das kleine griechische Dorf Mitropoli bahnen wir unseren Weg wieder zur Hauptstraße. Nun fahren wir zum zweitgrößten ausgegrabenen minoischen Palast nach Phaistos. Der Palast in Phaistos wurde erstmals vor 3.900 Jahren errichtet. Mehrere Zerstörungen wahrscheinlich von Erdbeben machten Neubauten notwendig. Aber auch kriegerische Auseinandersetzungen könnten der Grund für Zerstörungen gewesen sein, insbesondere der Brand vor circa 3.450 Jahren fällt mit der Besiedelung Kretas von den mykenischen Griechen vom Festland zusammen und wird deshalb dieser Ursache zugeordnet. Aber auch die folgenden Jahrhunderte danach zeigen zahlreiche archäologische Funde starke Überbauungen und somit die Nutzung der Siedlung. Die Ruinenanlage ist nicht so stark von Restaurationsaufbauten betroffen. Trotzdem sieht man überall Betonvergießungen. Was ist an der Anlage besonders sehenswert? Die Bodenplatten auf der Nordseite veranschaulichen die Wohngestaltung, ein Brennofen einen Arbeitsbereich und die großen Amphoren die Lagerräume. Auch hier sind die runden Kouloures zu bewundern und lange breite Treppen lassen die Dimension und Wichtigkeit des Palastes erahnen. Und natürlich ist für mich der Fundort des Diskos von Phaistos interessant, den wir ja im Archäologischen Museum begutachten konnten. Es sind enge kleine Räume gleich neben dem Fundort anderer Schrifttafeln, was dem Bereich den Namen "Schule" gegeben hat. Eine wirklich plausible Fundstätte. Auf dem Phaistos Hügel können wir nun die schöne Aussicht auf die umliegende Landschaft genießen, was wir auch nach dem Besuch der Ruinenanlage auf der Terrasse neben dem Museumsshop tun. Das preiswerte und lecker gastronomische Snackangebot sollte man unbedingt nutzen. Der Aufenthalt in Phaistos hat einen entspannten Charakter, denn obwohl sich auch hier zahlreiche Besucher eingefunden haben, so sind es nicht die Massen an Gruppen wie in Knossos. Aber man muss auch auf bunte Rekonstruktionen verzichten und sich somit mit den flachen Ruinenmauern und den grauen Betonverstärkungen begnügen.
