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Chinesische Hochzeit

Veröffentlicht: 14.11.2024

Unsere diesjährige China-Reise ist wegen der Hochzeit eines Neffens meiner Frau so spät in den Herbst gefallen und dieses Ereignis rückt nun näher. Am Vortag reisen wir am späten Nachmittag mit dem Bus von Cangzhou nach Dazhuangzicun, dem Wohnort der Eltern des Bräutigams. Von der Hauptstraße bis zum Hofeingang sind riesige mit Luftgebläse aufrecht gehaltene rote Bögen aufgebaut, auf denen das englische Wort "Wedding" prangt. Auf dem Hof und im Haus wird die dekorative Aufrüstung in der roten Farbe fortgeführt. Die Farbe steht traditionell für Glück in der chinesischen Kultur. Das Feierschlachtfeld im Hof und im Haus zeigt schon jetzt am Vortag der Hochzeit starke Beanspruchungsspuren, ist aber verlassen, weil sich die circa 350 Gäste in ein Restaurant begeben haben. Der Polterabend ist somit das gästereichere Ereignis. Mich überrascht diese Feierintensität jetzt am Vortag, denn damit habe ich erst am nächsten Tag gerechnet. Übrigens sind die Bögen nachts beleuchtet und das Surren der Luftkompressoren hört auch in der Nacht nicht auf. Am nächsten Tag geht es gleich früh morgens munter los. Wir kommen im Haus der Eltern des Bräutigams an und es ist schon viel Verwandtschaft versammelt. Für die Hochzeitskarawane wartet schon ein dicker schwarzer Mercedes Maibach mit Blumenschmuck und mehrere Audi A6L mit roten Flaggenschmuck. Ein Verkäufer von kandierten Früchten nutzt mit seinem Tuktuk die Gunst der Stunde und positioniert sich genau gegenüber dem Hofeingang. Der Bräutigam ist in ein festliches rotes Gewand gehüllt. Der Bräutigam und seine Eltern fahren mit der Autokolonne fort und wir folgen nach einiger Zeit in einem anderen Wagen. Die Feierlichkeiten finden im 7 km entfernten Zhaizi in einem Hotel statt. Gerade laufen wir auf das Hotel zu, als sich die Autokolonne des Brautpaares nähert. Jetzt werden die umstehenden Männer aktiv und springen vor, um eine Knallereikaskade abzufeuern. Es kracht unglaublich laut und ein großes rotes Herz auf dem Platz löst sich unter Geknatter auf. Der Maibach wartet geduldig, bis schließlich die letzte Rakete im Himmel explodiert ist. In einer schönen roten traditionellen Kleidung steigt nun das Paar aus und geht ins Hotel. Die Gäste stiefeln jetzt alle in den großen Saal, der mit Blumen und blau-weißer Dekoration festlich hergerichtet ist. Ein leuchtender Laufsteg in der Mitte führt zu einer Bühne. Effektvolles Licht beleuchtet die Kulisse. Wir warten jetzt inmitten der circa 150 Gäste und ich begrüße bekannte Verwandte, den unbekannten Familienanhang meiner Frau werde ich jetzt vorgestellt. Die Hochzeitsagentur weist nun noch einige jugendliche Akteure, wie Ringzuträgerin und Konfetti-Jungs, in ihre Aufgaben ein. Einige Gäste schleichen sich in meine Nähe und lassen sich fotografieren, damit sie mit einem Ausländer auf dem Foto sind. Ein kleiner Junge fragt sogar, ob er sich mit mir fotografieren lassen kann, klar, dafür gehe ich sogar ein wenig in die Hocke. Plötzlich leitet ein Moderator die Zeremonie ein. Der Bräutigam im grauen Anzug, der an der Seite der Bühne bereit steht, wird zuerst vorgestellt und reckt den Brautstrauß aus roten Rosen in die Höhe. Nun ertönt ereignisankündigende Musik, das Licht geht kurz aus, bevor eine Licht- und Musikshow die Spannung erhöht und zum Hauptteil der Zeremonie überleitet. Der Moderator springt auf den Laufsteg und moderiert an. Der Bräutigam steht zunächst wieder auf der Bühne mit seinem Brautstrauß im Mittelpunkt. Jetzt geht die Tür auf und der Brautvater führt die Braut, diesmal im weißen Brautkleid, herein. Der Bräutigam kommt den Laufsteg entlang, jetzt fliegt ein kurzes Lächeln über das Gesicht der Braut. Er kniet vor der Braut nieder, übergibt ihr den Brautstrauß und aus Knallrohren fliegt ein rot-weißer Konfettiregen. Der Bräutigam verneigt sich nun vor dem Brautvater, welcher nun seine Tochter dem Bräutigam übergibt. Die Brautleute gehen den Laufsteg unter ständiger Moderation zur Bühne. Knallrohre sorgen nun für weiteren Konfettiregen. Bei den folgenden Ehefragen tritt der Moderator an das Brautpaar heran und entsorgt ganz unauffällig Konfettireste, die auf dem Bräutigam liegengeblieben sind. Jetzt werden die Ringe getauscht, die eine Brautjungfer auf die Bühne bringt. Anschließend gibt es eine Umarmung und nun folgt ein ganz wichtiger Teil der Zeremonie. In China ist die Familie der wichtigste soziale Bezugspunkt im Leben. Deshalb wird gestenreich die Braut in die Familie des Bräutigams aufgenommen. Der Schwiegervater drückt seinem Willen zur Aufnahme aus, die Braut darf ihn ab jetzt "Vater" nennen und sie reicht ihrem Schwiegervater ein Glas Wasser, welches eigentlich Tee symbolisiert. Nach einem Schluck übergibt dieser ein Hongbao, roten Umschlag, mit Geld. Nun darf die Braut die Schwiegermutter ab jetzt "Mutter" nennen, dem stimmt die Schwiegermutter zu. Auch hier übergibt die Braut ein Glas Wasser und erhält einen Hongbao. Das ganze Prozedere wiederholt sich mit dem Bräutigam und seinen Schwiegereltern. Eine abschließende Verbeugung vor den Eltern durch das Brautpaar beendet diese wichtige Zeremonie. Die beiden sind nun jeweils in den anderen Familien aufgenommen. Erst jetzt darf der Standesbeamte seine Rede halten und das Brautpaar auch offiziell als vermählt melden, obwohl dieser Teil der Zeremonie eher nebensächlich scheint. Jetzt wird es hektisch unter den Gästen, denn alle Mütter versuchen ihre älteren unverheirateten Söhne auf die Bühne zu scheuchen. Der Brautstrauß soll von der Braut über die Schulter nach hinten geworfen werden. Ich habe bei der niedrigen Deckenkonstruktion mit der vielen Dekoration so meine berechtigten Zweifel zum Gelingen dieses Aktes und ich sollte recht behalten. Die vorderste auffangbereite Reihe trägt den Sieg davon. Die nun vermählten Eheleute bedanken sich bei den Gästen für das Kommen durch jeweils eine Verbeugung nach rechts und links Richtung Publikum. Zuletzt gibt es ein paar Fotoszenen und Gruppenfotos mit Angehörigen der Familie, wo ich überraschenderweise auch auf die Bühne geholt werde. Die Zeremonie ist beendet und alle begeben sich zu ihren Tischen zum Essen, die sich in anderen Zimmern auf der Hoteletage befinden. Schon kurz vor ein Uhr am Mittag löst sich die Feiergesellschaft auf und es wird zu Hause in kleinerem Rahmen zu Ende gefeiert. Eine beeindruckende Hochzeit eines äußerst netten und sympathischen Brautpaares, deren ich alles Glück der Welt wünsche. Hier kurze Szenen der Hochzeit, wobei die Zeremonie zur Aufnahme in die Familien ungekürzt ist: Chinesische Hochzeit 

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