Die große Radltour Tag 22: über den Po und fast wie Urlaub

Jetzt bin ich 3 Wochen unterwegs und jeden Tag zumindest 33 km geradelt. Heute früh bin ich kurz davor, den Vermieter zu fragen, ob ich das Zimmer noch eine Nacht länger mieten kann, um einen Pausetag zu machen. Irgendwie ist er mir aber nur eingeschränkt sympathisch und ich bin sein einziger Gast, außerdem gibt es für die Nacht von Samstag auf Sonntag noch weniger Zimmer als unter der Woche bzw. 150€ aufwärts für ein Hotelzimmer in Bologna ist nicht das, was ich möchte. 

Also schwinge ich mich doch wieder aufs Radl. Keine 10 km nach Bagnolo San Vito überquere ich den Po und bin beeindruckt ob seiner Breite. Dagegen ist der Rhein ja richtig schmal, wenn auch vermutlich tiefer. Der Po war irgendwie so etwas für der Äquator für mich, jetzt bin ich quasi auf der Südhalbkugel - zumindest temperaturmäßig. Aber ich will mich nicht beklagen, es hat immer noch weniger als 30° und mit dem Fahrtwind ist es erträglich. 

Heute fahre ich fast den ganzen Tag autofrei, weite Strecken verläuft der Radweg auf einem der zahlreichen Dämme, die mit den zugehörigen Kanälen die Po-Ebene durchziehen. Fast zwei Stunden sehe ich keinen Menschen, die vielen Bauernhöfe wirken wie ausgestorben, kein Tier auf der Weide und auch die üblichen Hundegassiführerinnen und Rennradfahrer fehlen. Nur Pappel-Monokulturen gibt es zwischendurch, die mich irgendwie an Soldatenfriedhöfe erinnern. 

Die heutige Etappe war kurz, am frühen Nachmittag bin ich an meiner Unterkunft, irgendwas zwischen altem Bauernhof und B & B im britischen Stil und bin begeistert. Nicht nur, weil alles liebevoll, aber sympathisch schlampig dekoriert ist, Monica, die Vermieterin, ist herzallerliebst, kümmert sich rührend, als wäre sie meine Mama. Sie hat sogar einen alten Schuhkarton und Klebeband für mich, in dem ich morgen endlich meine Handschuhe und andere warme „Maloja-Pass“-Klamotten auf der Post abgeben werde. Ich darf die Frühstücksküche für mein Abendessen benutzen und genieße es sehr, dass es sich ein bisschen nach „wie Zuhause“ anfühlt - also wie Urlaub vom Reise-Alltag.

https://www.komoot.de/tour/767812637?ref=itd

B & B Villa Pacchioni, 55€, Zimmer mit Bad und Frühstück, langsamem WLAN, aber dafür Frühstücksküchen- und Garten- Mitbenutzung.

Kommentare

Reiseberichte, die Dich auch interessieren könnten:

Die große Radltour Tag 29: Heilige Kühe und chiuso ist relativ

Heute habe ich irgendwie alles richtig gemacht: um 05.45 Uhr weckt mich einer der frei herumlaufende...

Die große Radltour Tag 28: Der Tag des Blauen Lichtes und hilfsbereite Italiener

Heute war ein sehr friedlicher Tag: die Luft ist klar und trocken, nicht so schwül wie gestern, alle...

Die große Radltour Tag 27: Gegenwind, Hüschl und die Pellegrina-Frage

Ich bin froh, diesen schrecklichen Campingplatz in Florenz verlassen zu können, dafür nehme ich auch...