Sevilla zum Ersten
Kilometerstand: 262436 Der Plan sah heute Morgen vor nach Sevilla zu fahren und uns die Stadt anzusehen. Das wurde aber leider erst einmal nichts. Gestern hatten wir uns über das


Veröffentlicht: 22.10.2026




















Kilometerstand: 162450
Die letzte Nacht war eine unruhige gewesen. Das letzte Flugzeug war wohl um 23.00 Uhr geflogen und auch auf der nahen Autobahn hatte sich der Verkehr beruhigt, aber der Wachhund des Platzbetreibers hatte anscheinend einen leichten Schlaf und kläffte alles was sich vor seinem Tor und auf seinem Platz bewegte laut und ausdauernd an. So war von einer ruhigen Nacht leider nur zu träumen.
Am nächsten Morgen trafen sich ab 9.00 Uhr die Bastler des Platzes, um an ihren Wohnwagen zu schrauben, da die Herren jedoch alle die Siebzig bereits passiert hatten, ging das sehr geruhsam von Statten.
Heute sollte es für uns in das Herz von Sevilla gehen. Den Stellplatz wollten wir hingegen nicht noch eine Nacht beehren. Wir fuhren also zwanzig Minuten weiter auf einen großen Park&Ride-Platz an der Metrostation von Dos Hermanas, stellten Gary ab und setzten uns in die Metro nach Sevilla. Nach einer halben Stunde hatten wir unsere Zielstation Puerta Jerez erreicht.
Wir wanderten ein Stück am Canal de Alfonso XIII nach Norden, vorbei am Torre del Oro und einem Nachbau der Nao Victoria. Die Victoria war eines von fünf Schiffen mit welchen Ferdinand Magellan, 1519 im Auftrag der spanischen Krone in See stach, um einen Seeweg über den Westen zu den Molukken zu finden. Als einziges Schiff der Flotte kehrte die Victoria 1522 von Ostasien, durch den Indischen Ozean und um das Kap der Guten Hoffnung nach Spanien zurück. Somit war sie das Schiff mit der erste historisch belegte Erdumrundung.
Noch vor der Puente Isabel II verließen wir jedoch das Ufer und steuerten als nächstes den Plaza de Toros an. Dann ging es weiter durch die Stadt zur Kathedrale.
An der Kutschenstation Archivo General de Indias bestiegen wir einen offenen Landauer und ließen uns fast eine Stunde lang durch Sevilla kutschieren. So sahen wir auf unserer Stadtrundfahrt alle wichtigen Sehenswürdigkeiten der Stadt.
Den Torre del Oro hatten wir ja schon, dann kamen wir zum Palacio de San Telmo. El Costurero de la Reina lag nebenbei am Straßenrand des Kreisverkehrs und der Kutscher hätte es fast nicht erwähnt, wenn wir nicht direkt danach gefragt hätten, weil es uns so gefiel. Vom Teatro Lope de Vega sahen wir nur den kleinen Teil, der nicht durch die Bäume verdeckt war. Als wir dann auf einem mehrspurigen Kreisverkehr abbogen und dabei schwer beeindruckt von der Ruhe von Pferd und Kutscher waren, erreichten wir den Parque de María Luisa. Nach zwei, drei Kurven durch den Park, steuerten wir entlang der zentralen Achse auf den enormen Plaza de España zu. Als in Sevilla 1929 die Exposición Iberoamericana veranstaltet wurde, war eine ganze Reihe von Gebäuden für die Ausstellung im Parque de la Maria Luisa errichtet worden, unter diesen war die Plaza de España das Herausragende. Nach einer Runde um den großen Springbrunnen in der Mitte und ein paar Fotos, die der Kutscher von uns machte, ging es dann langsam wieder in Richtung unseres Startpunktes. Die nächste Station war der Alcázar von Sevilla, ein Gebäudeensemble, welches Sebb hoffte nach der Rundfahrt noch besichtigen zu können. Der Alcázar, Real Alcázar de Sevilla oder auch Königlicher Alcázar von Sevilla war der mittelalterliche Königspalast der Stadt. Die Baugeschichte der Anlage reichte bis in die maurische Zeit zurück und vereinte dementsprechend viele Stile. Der Palast wurde bis heute von der spanischen Königsfamilie als offizielle Residenz genutzt, wenn sich diese in Sevilla aufhielt. Direkt neben dem Palast stand die Kathedrale, die wir ja bereits gesehen hatten, mit der Giralda. Die Giralda war der heutige Glockenturm der Kathedrale. Der Turm selbst war zuvor das Minarett einer Moschee gewesen. Diese war jedoch im 15. Jahrhundert zu Gunsten der spätgotischen Kathedrale abgerissen worden. Der Turm war damals stehen gelassen und nur umgebaut worden. Als wir gegen 15.00 Uhr wieder an unserem Startpunkt ankamen, bedankten wir uns bei Ross und Kutscher für diese schöne Fahrt.
Dann spazierten wir weiter zur Puerta del León des Alcázar und stellten uns an der Schlange an, um einen Blick in den Palast zu werfen. Als ein Mitarbeiter die Warteschlange entlangkam und nach unseren Tickets fragte, mussten wir verneinen, dafür standen wir ja an. Er erklärte uns daraufhin, dass für heute alle Tickets ausverkauft seien. Das Warten lohnte sich nur für diejenigen, die ihre Eintrittskarte schon im Voraus gekauft hatten. Wir würden den Palast also nicht von innen sehen.
Da wir langsam Hunger hatten, kam uns das Angebot einer der vielen Bars hier ganz gelegen und wir bestellten zwei mal das Tagesmenü. Es gab wieder Salmorejo, dazu Tortilla, Thunfisch mit Kartoffeln und Tomate und zu guter Letzt Pilze. Es war reichlich und sehr lecker.
Nach unserer Stärkung spazierten wir weiter, um uns den Plaza de España noch einmal zu Fuß anzusehen und uns danach im Parque de Maria Luisa ins Grüne zu setzen. Das riesige Gebäude des Plaza beherbergte mittlerweile eine ganze Reihe an nationalen und regionalen Verwaltungen, Ämtern und Museen. Jeder Provinz des Landes war am Sockel ein Azulejo - ein Fliesenbild - gewidmet und selbst die Brüstungen der großen Balkone waren mit Fliesen geschmückt.
Der Park bildete den frischen, grünen Gegenpol zur sonnigen, warmen Plaza. Hier waren nicht nur allerhand bunte, vielfältige Pflanzen in allen Größen zu sehen, sondern in den Wasserbecken tummelten sich Enten und Gänse. In einem kleinen extra eingezäunten Areal stand eine große Zypresse, um deren Stamm herum man eine runde Bank mit drei verliebten Mädchen aus Marmor geschaffen hatte. Über die drei blickte die Büste des romantischen Dichters Gustavo Adolfo Bécquer, eines der großen Söhne der Stadt.
Die Metro brachte uns kurz vor Sonnenuntergang wieder zurück zu unserem Parkplatz, wo wir uns bei Gary nur noch ein kleines, kaltes Abendessen zubereiteten und dann den Abend ausklingen ließen.
