Travelotta

Mein schonungslos ehrliches, unzensiertes Reisetagebuch. Lesen auf eigene Gefahr.

Chillán und Viña del Mar

Donnerstag, 23.01.2020

Nachdem ich wieder mein Hab und Gut in meinen Rucksack gepackt habe - es wird immer mehr - ist mittags Juan, ein Arbeitskollege aus Deutschland, in Santiago angekommen und wir haben uns in der Stadt getroffen. Er kommt aus Chile und besucht hier Familie und Freunde. Eine Weile darf ich ihn begleiten, deshalb fuhren wir mit dem Zug, nach ein paar Empanadas, nach Chillán, in seine Heimatstadt. Wir wurden sehr herzlich von seiner ganzen Familie empfangen.

Nach einem gemütlichen Nachmittag wurde spät nachts noch ein typisch chilenisches BBQ gestartet, hauptsächlich ein gutes Stück Fleisch und ein bisschen Beilagen dazu. Wie immer gab es auch guten Wein und viel Bier. Gegessen wurde erst gegen Mitternacht, daran muss ich mich erst noch gewöhnen.

Sieht so aus, als wären die Zeiten des früh ins Bett gehens nun endgültig vorbei und ich sollte mir eine Siesta angewöhnen (hier heißt das Zorrito). Die Nächte im Süden sind etwas kälter, zum ersten Mal reichte mir mein dünnes Laken nicht mehr zum Schlafen.

Freitag, 24.01.2020

Gegen Mittag machten wir uns auf in eine etwas ländlichere Gegend, zum Haus von Juan's Opa. Ein wunderschönes Anwesen mit zwei großen Gärten, einer zum Vergnügen, einer zum Gemüseanbau. Ein kleiner Pool ist auch da, die Abkühlung tat gut.

Einige Familienmitglieder sprachen gut Englisch, bei anderen versuchte ich aus dem schnellen Spanisch ein paar Fetzen herauszufiltern. Die Haushälterin versorgte uns mit leckeren, selbstgemachten Humitas - eine gedämpfte Maisspeise, die man süß oder deftig essen kann.

Der Abend wurde mit Cocktails im Pool genossen, es trafen immer mehr Familienmitglieder ein. Im Anschluss wurde wieder der Grill angeschmissen, der Wein und später Pisco, Rum und Whiskey flossen locker und die Stimmung war ausgelassen. Bis spät in die Nacht ließen wir den Abend bei Kartenspielen ausklingen.

Samstag, 25.01.2020

Nachdem alle ausgeschlafen haben ging es zurück nach Chillán und direkt weiter zur nächsten Party. Wird langsam etwas anstrengend, sich ständig auf neue Umstände und Personen einzustellen und dabei auch noch wenig zu schlafen. Aber es ist auch schön.

Wir gingen also auf den Geburtstag von Christian, einem Freund von Juan. Die Location war der Hammer - eine große grüne Wiese mit einem schönen Pool in der Mitte und einem süßen kleinen Landhaus daneben. Noch ein paar Bäume und eine Hängematte dazu, der Grill lief schon seit mittags, perfekt. Es war sonnig und warm, und ich konnte dort auch ein bisschen relaxen.

Am Abend verließ ich die Party nochmal kurz mit Camilo, Diego und Dani, und wir schauten bei einem kleinen, stationären "Festivalgelände" vorbei. Hier stehen dauerhaft drei Food Trucks, einer davon rein vegetarisch, und seit kurzem eine Bühne, auf der heute lokale Kleinkunst spielte. Nach einem leckeren Quinoa-Burger ging's zurück zur Party, wieder bis spät in die Morgenstunden.

Sonntag, 26.01.2020

Mit dem Auto ging es zurück nach Santiago, wo wir zwei deutsche Kumpels von Juan trafen, die ab heute einen Monat durch Chile reisen - Ruben und Flo. Sie fahren morgen mit uns zwei Nächte nach Viña del Mar. Ansonsten war der Abend ruhig, mal keine Party zur Abwechslung. Ich hab nochmal bei Manuel und Pablo vorbeigeschaut und gekocht, da ich mich noch nicht für die Gastfreundschaft beim Couchsurfen revanchieren konnte, beziehungsweise bisher zu faul war zum kochen.

Ich glaube, die Zeit in Viña del Mar als Gruppe könnte noch ganz cool werden, dann freu ich mich auch wieder auf's alleine reisen.

Montag, 27.01.2020

Gegen Mittag sind wir in Reñaca angekommen, ein kleiner Küstenort nördlich von Viña del Mar. Die Suche nach dem gebuchten Airbnb entpuppte sich als schwierig, da die Adresse nicht richtig in Google verzeichnet war und im Mail-Link eine ganz andere Adresse hinterlegt war. Als wir das Appartement dann endlich gefunden haben, stellte sich heraus, dass es total dreckig und unordentlich war. Ich habe also den Host kontaktiert, währenddessen sind wir Mittagessen gegangen. Da sich der Host nicht zurückgemeldet hat, haben wir kurzerhand ein anderes Appartement gebucht, welches schön und sauber war und auch nur 10 min zu Fuß vom Strand entfernt.

Tagsüber war es eher bewölkt und kühl, aber abends, als wir noch eine Runde an den Strand gegangen sind, riss der Himmel auf und das Wetter war perfekt. Nach einem kurzen Einkauf haben die Jungs gekocht und ich bin eine Runde joggen gegangen. Erst hatten wir überlegt, ob wir feiern gehen, wir haben den Abend aber stattdessen mit selbstgemachtem Pisco Sour im Appartement ausklingen lassen.

Dienstag, 28.01.2020

Heute haben wir uns aufgeteilt. Ruben und Flo haben sich Valparaiso angeschaut, Juan und seine Mama sind in die Shopping Mall gefahren und ich hab einen ruhigen Tag im Appartement verbracht - mit Schlafen, Recherche und Lesen. Danach sind wir wieder alle zusammen zum Strand, um den Tag ausklingen zu lassen. Statt zu kochen haben wir uns ein paar köstliche Empanadas am Straßenrand geholt und danach Cocktails im Appartement geschlürft.

Ich tu mich ein bisschen schwer in dieser Männerrunde, da es sehr oft um Fußball, heiße Frauen und Alkohol geht. Spät nachts wollen wir dann noch in einen Club gehen, vor Ort ist uns der Eintritt aber doch zu teuer und wir sind alle etwas müde.

Mittwoch, 29.01.2020

Nach dem Check-out beschlossen wir, den Rest des Tages noch hier am Strand zu verbringen und erst abends zurück nach Santiago zu fahren. Stark übermütig schmierten wir uns nur stellenweise ein und haben alle einen mehr oder weniger starken Sonnenbrand abbekommen. Vor der Rückfahrt gingen wir zusammen nochmal in die große Mall, die Reizüberflutung machte mich ganz kirre.

Am Abend hatte ich dann kurz eine kleine Sinnkrise, da ich nicht wusste, wie es nun weitergeht. Sollte ich länger in Santiago bleiben, wo es mir doch ziemlich gut gefallen hat? In den beliebten Surferort Pichilemu in ein Hostel gehen? Irgendwo auf dem Land eine Farm suchen? Viele Optionen und keinen Anhaltspunkt für eine Entscheidung… Was ich mir aber wünsche sind wieder mehr inspirierende Menschen und Gespräche, die mich über meinen Tellerrand blicken lassen.

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