Italien im Frühling Teil 6.4 Salerno
Salerno
Veröffentlicht: 06.05.2026




















Vor 28 Jahren, allerdings im Spätherbst, war ich das letzte Mal in Rom. Damals waren wir allein im Pantheon, waren nur mit einem weiteren Paar und vier Nonnen in der Sixtinischen Kapelle und am Campo dei Fiori waren die schönsten Blumen zu betrachten, die ich jemals gesehen habe. Wir sind am Forum Romanum spazieren gegangen und sind auf der spanischen Treppe gesessen. Das ist heute alles anders.
Solche Menschenmassen habe ich nur in Sevilla gesehen. Und das im April. Außerdem, Baugerüste, Baustellensperren und Kräne sind allüberall. Ich habe trotzdem zwei nette Tage in Rom verbracht, und eine sehr schöne Begegnung erlebt. Am letzten Abend bin ich vor eine Bar unweit der Kirche Maria Maggiore gesessen, auf dem Weg zurück ins Hotell. Ich habe einen Wein getrunken und gestrickt. An mir vorbei sind viele Tourist*innen vorbei gelaufen, und auch ein paar Einheimische mit ihren Kindern, die sie offenbar von der Schule oder Kindergarten abgeholt hatten. Dann ging auch - oder schwebte förmlich eine junge Person vorbei - und kam nach kurzer Zeit wieder zurück. Sie ging ein bisschen hin und her, traute sie sich nicht, oder wartete sie auf jemanden? Dann trat sie zu mir und fragte auf englisch, ob sie sich zu mir setzen dürfte. Ich sagte selbstverständlich ja. Sie präsentierte sich als Charlotte, ich sagte wie ich heiße und plötzlich waren wir in einem persönlichen Gespräch vertieft. Sie erzählte mir, dass sie aus Kanada herkommt, eine dreimonatige Reise mit einer Freundin mache, wobei die Freundin rasch entschieden hat, sie brauche Ruhe und keine Städteurlaub. Charlotte ist seitdem allein in Europa unterwegs und wird die Freundin erst am Ende der Reise in Malaga treffen. Sie überlegt nach Berlin als nächstes zu reisen, erzählte sie mir. Ich sagte, ich glaube, dass würde ihr gefallen. Es war ganz einfach nett, sich mit dieser jungen Person zu unterhalten. Sie hat mir gesagt, sie hat sich getraut mich anzusprechen, weil sie es so schön fand, wie ich da sitze und stricke. Ich war ganz gerührt. 20 Jahre alt! Wir umarmten und beim Verabschieden. Ich fühlte mich ganz glücklich und war auch ein bisschen stolz.
