8-Tages-Kultur-Tour (24.-31. Mai 2026)
Ich gehe es retrospektiv an. Sonntag 31. Mai - ein Solistenkonzert, wie ich es noch nie erlebt habe, in nicht eimal 90 Minuten 2 Bach (BVW 854/Präludium 9; BWV 830), 2 Beethoven...

Veröffentlicht: 21.10.2026
Yannick Nézet-Séguin (conductor) und The Metropolitan Orchestra (not a part of the New York Philharmonics!) vs Luisa Proske (production) und Jon Bausor (set designer)/Montana Levi Blanco (costume designer) - man hatte "nur elf Monate Zeit für diese Produktion", - nahm uns Nicholas T Reinhart (Met's Director of Education im Tuesday Talk vor der Vorstellung ins Vertrauen): Proske ist als Regisseurin eingesprungen, wie auch Lise Davidson als Lady Macbeth, während Quinn Kelsey als Macbeth gesetzt war. Akustisch ist man in der Met in der allerletzen=allerhöchsten Reihe K des Family Cercle am besten bedient (so versicherte mir ein Billeteur schon bei meinem ersten Besuch im Mai 2025, und es stimmt auch!). Bei diesem 'Macbeth' hat musikalisch einfach alles gestimmt, ein starker Eindruck. Szenisch hingegen - ein Regiekonzept wie für eine konzertante Aufführung (ausschließlich Rampengesang!) mit einem Ausstattungskonzept wie aus dem Kostümdepot des Victoria and Albert Museums in der Tiefe der Albert Hall (viel Plüsch und Plunder in einer dunklen Höhle). Woher dieses Konzept wohl stammt? Dazu liefert eventuell Luisa Proske's Biografie den Schlüssel: Sie war längere Zeiten in Halle/Saale und New York als 'artistic director' tätig, da hat sie wohl den Plunder und den Rampangesang so richtig kennengelernt und weiß vor allem, was das Metpublikum wohl besonders liebt - Applaus und Jubel nach jeder Gesangsnummer. Wie auf dem Broadway, der ja gleich bei der Met vorbeiführt.
Broadway, das ist die Benchmark, soviel habe ich verstanden, zumal ich den Vergleich parat hatte. Denn tags zuvor war ich in "Chicago" im The Ambassador. Das dritte Live-Musical meines Lebens. Davor waren es Jesus Christ Superstar (1979 in London) und König der Löwen (2018 in Hamburg): Religionsverschnitt - Urwaldverschnitt - Stripteaseverschnitt. Diesmal im Ambassador mit seinem Plüsch und seinen Holzwandbemalungen wie von einem barocken Bauernkasten. Mit einem passablen Ensemble, einem müden Orchester samt zur Musik dirigierenden Herren, und einer Ausstattung wie im Moulin Rouge. Getanzt wurde echt gut, schmissig über die an sich nicht große Bühne, wobei: für die volle Nachtclubreife hat Pole Dancing gefehlt. Wie man heutzutage noch Frauen mit breit gespreizten Beinen hin zum Publikum gerichtet auftreten lassen kann, ist mir ein Rätsel.
Nebst diesen Indoormusiktheatererlebnissen gab es auch die gelungene Mischung von Indoor&Outdoormuseumserlebnissen. Herbert George Wrights Architektur mit dem Übergang vom Außen zum Innen (und umgekehrt) ist für mich das Ideal von Architektur überhaupt, sein sanftes Bauen der Gegenpol zu Mies van der Rohes genial klaren Ecken. Drinnen im Guggenheim gab es eine Totalpersonale (Taryn Simon, Father Country I do Love You) und eine Bestandsausstellung zu zwei Jahrzehnten (1903 - 1923) vom Feinsten. Man konnte sehen was sich da getan hat, vom ernsthaften Malen zum ephemeren Installieren. Das Schönste neben van Gogh's Paysage enneigé war das Publikum - viele wirklich schöne Menschen aus der ganzen Welt.
Menschen aus der ganzen Welt, das gibt es auch bei der Statuen&Museumstour in der historischen Hafeneinfahrt von New York zu sehen. Touristisch durch und durch bei der Freiheitsstatue, alle runter vom Boot und wieder rauf an Bord. Interessiert und an Zahl viel weniger auf Ellis Island, denn die meisten fahren mit dem Hornblower-Boot ohne Aussteigen durch zurück zum Battery-Landungssteg. Dort sind auch die Einwander:innen ausgestiegen, wenn sie nicht zunächst (wegen körpertlicher oder geistiger Defekte) angehalten und zu 12% (!) zurückgeschickt wurden. Die Freiheitsstatue, muss ich sagen, ist eines der stärksten Symbole überhaupt und weltweit. War auch auf dem Tian-an-men-Platz bei den Kundgebungen prominent nachgebaut vertreten, was ich nicht wusste, wie ich auch nicht wusste, dass die Innenkonstruktion von Gustave Eiffel stammt und das Kupfer für die Figur aus Norwegen. Das bekommt man im Statue Island Museum vermittelt. Im Ellis Island Immigration Museum habe ich den Publikumstest zur 'naturalization' mit 7/10 bestanden, mich über das Schlafgehänge wie auf den Immigrant:innenschiffen gewundert, an Kafka's "AMERIKA" gedacht und einen Fünfminutenfilm über den Stadtteil QUEENS und seine Bewohner:innen aus aller Welt angeschaut. Hatte knapp zwei Stunden Zeit.
Queens, da wohne ich auch im "The Local NY" - ein Hostel natürlich, sehr zu empfehlen! Queens behalte ich für die Zukunft als Stadtteil.
