Linguistic Landscape of Taiwan
Mit dem High Speed Train von Taipeh nach Tainan beginnt es, vor dem Abflug von Taipeh nach Beijing endet es.

Veröffentlicht: 01.06.2026













Ich gehe es retrospektiv an.
Sonntag 31. Mai - ein Solistenkonzert, wie ich es noch nie erlebt habe, in nicht eimal 90 Minuten 2 Bach (BVW 854/Präludium 9; BWV 830), 2 Beethoven (op.90; op. 109) und 1 Schubert (D 566), alles in E-Dur oder e-moll, einem durch, dann drei Zugaben, und aus. Vikingur Olafsson, mit rhythmischen und dynamischen Formungen wie sie noch nicht gehört. Sir András (Bach), Alfred (Schubert) und Paul (Beethoven) - my heroes - hätten der Reihe nach den Saal verlassen. Dabei technisch so brilliant, das ich eine Soundfabrik im Off und einen Humanroboter am Steinway halluzinierte. Einmal das ja, öfter nicht. Dabei bin ich von Grigorij Sokolov schon einiges gewohnt an Durchspielen, aber eben zumindest in zwei Halbzeiten.
Zwei Tage davor war ich auch im Konzerthaus, und da war die Bühne so gefüllt, wie ich sie auch noch nie erlebt habe. ZAM-Abschlussgala mit an die 20 Beiträgen vokal und instrumental. Kärntner Madrigalchor Klagenfurt und Thomas Gansch insbesondere, das war mein Antrieb hinzugehen, und Vivi Vassileva (Percussion). Es war ein Fest der Berufs- und Amateurmusiker:innen in Österreich, wie es besser und vielfältiger nicht sein kann.
Um diese beiden Konzertbesuche gruppiert: der serbisch-orthodoxe Pfingstgottesdienst in der St.Nikolaus-Kirche in ... Mödling! Darauf bin ich ganz zufällig gestoßen, auf dem Weg zu Bahnhof, die Nutzung der Kirche, die sich inzwischen angeblich im Eigentum der Stadtgemeinde befindet, wechselt ab, einmal orthodox, einmal lutheranisch. Ich wusste zwar, dass die Othodoxie an diesem Sonntag Trinitatis feiert und habe den wunderbaren Duft der ausgestreuten Gräser und Feldblumen in den russisch-orthodoxen Gemeinden in der Nase (das gab es in Mödling nicht), aber dass ich so zu Pfingsten komme, war doch überraschend. Und am Donnerstag davor ein Abend mit Studierenden der Slawistik Klagenfurt, die von einer Exkursion nach Almaty berichteten, viel über die Völker Kasachstans inklusive.
Und das Burgtheater - zwei Abende hintereinander, das Saisonende naht, und ich hatte noch Aufführungen aus dem Jubiläumszyklus "250 Jahre", bei denen andere Termine nicht so gepasst haben. Sankt Falstaff und Wir sind noch einmal davongekommen. Palmetshofer und Thornton Wilder, nicht gerade Shakespeare oder Bernhard, aber immerhin. Wobei Palmetshofer eine Shakespeare-Überschreibung (Henry IV.) war, und Wilder eine Dystropie-Exaltation wie bei Bernhard. In beiden Stücken alles, was Theater kann. Regieeinfälle, Bühnenbild, Schauspielkunst, Stars (Bieglau, Happel, Minichmayr, Ofczarek). Und keine diktionale Kakophonie aus allen deutschsprachigen Dialektecken als Grundtöne, sondern alles gut verständlich, manchmals sogar schön österreichisch-wienerisch. Das liebe ich halt, wenn es im Text sarkastisch wird.
Ein Tipp: Im obersten Stock des Burgtheaters gibt es noch bis 30. Juni eine Ausstellung des Theaterarchivs, mit einem Schwerpunkt im 20. Jahrhundert. Was ich aus der Nazizeit nicht wusste: Oskar Werner war schon 1941 als Entdeckung im Burgtheater, und Ewald Balser ein fixes Ensemblemitglied zur gleichen Zeit (und erst recht danach).
Bleiben noch die Pfingsttage davor in Prag. In der Jizdarna führte Jiri Fajt, Kurator und eminenter Kunstwissenschaftler, durch die Ausstellung Fragmenty pameti mit Stücken aus dem Metropolitanmuseum und dem St.Vitusschatz der Erzdiözese Prag und thematischen Gegenstücken moderner Kunst (Kiefer, de Waal, Jetelova, Francis Bacon u.a.), und im Literaturmuseum läuft gerade eine Ausstellung zu Arnost Lustig, dem Holocaust-Überlebenden, Autor und Journalisten.
Der Löwe mit Engel dazwischen steht in der Kralovska zahrada auf der Prager Burg, und dort war gerade der Tag der offenen Tür für Kinder, unter dem Ehrenschutz von Eva Pavlova, der Gattin des Präsidenten.