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Zuletzt in Venedig

Giudecca

Veröffentlicht: 13.03.2026

Attraktion
Giudecca
Venedig, Italien
Attraktion
Klostergarten hinter der Kirche auf Giudecca
Venedig, Italien
Essen
La Palanca
$ · Abendessen
Sehenswert
Campo Santa Margherita
Venedig, Italien

Eigentlich dachte ich, diese Reise würde ganz geruhsam und ohne große Neuigkeiten oder Abenteuer verlaufen, ich würde selig lächelnd durch die altbekannten Gassen streichen, gut essen und ab und zu zu einem Gläschen in einem kleinen Café niedersinken, aber schon die erste Nacht hatte es in sich. 

Drei meiner Zimmergenossinnen hatten ihr Handy nicht abgestellt und eines von den dreien klingelte immer abwechselnd alle halbe Stunde, bis ich um 5 Uhr morgens aufstand und einmal kräftig brüllte! Dann war endlich Ruhe, aber an Schlaf war jedenfalls nicht zu denken und ich freue mich jetzt schon auf meine Nonnenklause im Kloster, wohin ich morgen umziehen werde und wo ich das Zimmer nur mit einem Kruzifix teilen werde!

Am Morgen strahlt endlich die Sonne vom blitzblanken blauen Himmel, alles sieht fröhlich aus, pastellfarben und glänzend. Trotz der durchwachten Nacht wollte ich heute den Tag im Zickzack durch Giudecca laufen. Die Insel ist lang und schmal und die Straßen und Gassen führen immer nur vom Kanal bis zur Lagune auf der anderen Seite, es gibt fast keine Querverbindungen, so dass man immer wieder zurückgehen muss, um zur nächsten Straße zu gelangen. 

Viel bunte Wäsche hängt hoch oben zwischen den Häusern, die Mülltüten werden an einer Leine oben vom Balkon heruntergelassen, wo die Müllabfuhr sie dann abholt und per Boot abtransportiert. Blühende Obstbäume, Gänseblümchen und wucherndes Gras zwischen den Häusern und in kleinen Parks.

Die große Kirche, die als Dank nach Ende der großen Pest gebaut worden ist, ist ziemlich hässlich und kahl, auch wenn einige Tintorettos zu bewundern sind, aber dahinter finde ich ein kleines Paradies, in das ich beinahe nicht hineingegangen wäre, weil der Eintritt 12€ kosten sollte. Die junge Frau am Eingang erzählt, dass es vor dem Bau der Kirche hier nur ein Kloster gab mit einem Kräuter- und Gemüsegarten und einer kleinen bescheidenen Kapelle, und dass das alles bis heute existiere. Die letzten 8 Mönche, die heute noch das Kloster bewohnen, sind wohl zu alt oder zu faul, den Garten noch zu bewirtschaften, und so hat die Stadt Venedig dieses Juwel, das auch während der großen Überflutung 2019 stark gelitten hatte, übernommen und wieder in Stand gesetzt und heute sorgen Freiwillige für die Beete und Bäume, die zum großen Teil gespendet wurden, es gibt Olivenhaine und blühende Obstbäume zwischen den Klostermauern, der Garten zieht sich bis hinüber zum Ufer der Lagune, wo man einen herrlichen Blick übers Wasser und auf die vielen kleinen Inseln hat. Ab und zu schippert eine Gondel oder ein hölzernes Privatboot vorbei. Es duftet im Garten köstlich nach Sabei, Rosmarin und Zitronenmelisse, die Anlage ist sehr gepflegt, überall stehen hölzerne Bänke, auf denen man sich niederlassen kann, Hunde sind erlaubt, ein kleines Wasserbecken plätschert in der Mitte, alles atmet Frieden. Nur wenige Besucher haben den hinter der Kirche versteckten Eingang gefunden. 

Fast zwei Stunden sitze ich beglückt am Wasser und plane schon fast, mich als Volunteer zu bewerben, denn wie immer, wenn ich in Venedig bin, möchte ich am liebsten gleich ganz hierherziehen, aber dann reiße ich mich doch wieder los und wandere weiter, an Bootswerkstätten und Handwerksbetrieben, Keramikstudios und Reparaturläden vorbei bis zu meinem Aperitif hoch oben auf der Terrasse eines historischen Restaurants mit Ausblick auf die Lagune.

Bei La Palanca werde ich schon erwartet, der Wirt selber stellt mir einen kleinen Tisch draußen neben das Kanalufer und bringt mir einen halben Liter Rotwein (auch wenn ich nur einen Viertel bestellt habe) und drei köstliche Großkrabben als Vorspeise und Überraschung, bevor er die grünen Nudeln mit Gamberetti und Muscheln serviert.

Wie wohl nicht zu übersehen ist, wenn man meine Photos betrachtet, liebe ich „mein“Venedig (wie eigentlich die meisten Orte, die ich bereise) vor allem meistens menschenleer. Ich suche und finde für mein Leben gerne die Nebenstraßen, Hinterhöfe und verlassenen Gegenden, in denen ich die Fassaden, die Fenster, Brücken, Aussichten und Durchblicke höchstens mal mit einem Hund oder einer Katze teile. Eigentlich würde ich mich weder als menschenscheu noch  gar -feindlich bezeichnen, aber genau wie ich bei Konzerten am liebsten nichts und niemanden zwischen der Musik und mir haben will, was gar husten oder mit dem Programm rascheln könnte, gucke ich mir Orte, Städte und Gegenden am liebsten alleine an, mit Vorliebe auch sehr früh am Morgen oder dann abends nach dem Dunkelwerden. Es gelingt eigentlich fast immer: dreimal um die Ecke und dann ist man meist schon ganz für sich, hat den ganzen Rummel hinter sich gelassen und findet die erstaunlichsten Dinge und Plätze und das , was man als „normales Leben“ in diesem Teil der Welt bezeichnen könnte.

Am Abend mache ich dann wieder einen Ausflug ans andere Ufer, also ins eigentliche Venedig, sehe mir mit einigen anderen Ufer-Sitzern, Eis-Essern und Buch-Lesern den Sonnenuntergang an und streiche dann noch ein wenig durch die nun meist finsteren Straßen mit der Handy-Taschenlampe bewaffnet wie alle anderen, die mir entgegenkommen auch, zum Campo Santa Margherita, wo eine Gruppe Kinder im Dunkeln laut quietschend Fußball spielt, während die Eltern ein Glas Wein nehmen und vergnügt plaudern. Hier schaue ich immer nach Wohnungen und träume davon, im Lotto zu gewinnen. Morgen vielleicht….

Auf einen Blick

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Dauer
1 Tag
Wetter
Frühling
Begleitung
Allein
KulturellEntspannendKulinarisch
  • Giudecca zu Fuß im Zickzack erkundet
  • Klostergarten hinter der Kirche mit Blick auf die Lagune
  • Aperitif bei La Palanca
  • Sonnenuntergang am Wasser
  • Abendspaziergang zum Campo Santa Margherita
StadtKulturEssenGeschichteArchitektur
  • Eintritt Klostergarten hinter der Kirche12 €
  • Aperitif bei La Palanca0 €
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