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Stepanzminda

Veröffentlicht: 30.06.2019

Am Mittwochmorgen (26.06.2019) treibt mich ein später Hahn in Passanauri aus dem Bett. Nach einem kleinen Frühstück bei Nino, ist es gegen zehn an der Zeit unsere Reise fortzusetzen. Wir verabschieden und bedanken uns für die Gastfreundschaft, bevor wir die nächsten 2 h, größtenteils entlang kleiner Wege, am Weißen Aragvi wandern. Kurz vor Nadibaani gönne ich uns nach 11 km das erste Päuschen. Rango akklimatisiert sich im Schatten und ich lasse mir ein Käffchen schmecken. Anschließend gehen wir weitere 5 km entlang der georgischen Heerstraße bis nach Kvesheti, wo ein Eis auf mich wartet. Dann marschieren wir weiter bis Kvemo-Mleti, wo ich etwas einzukaufen gedenke. Mangels Market scheitert der Plan, ich werde aber von den Bewohnern des örtlichen Klosters zu Kartoffelbrei, gekochtem Buchweizen, Gemüse und Tee eingeladen. Dann suche ich mir mit dem Dicken ein Plätzchen zum Zelten. Da sich der Himmel etwas verdunkelt, richte ich meinen Lagerplatz etwas sorgfältiger her. Es sollte sich auszahlen. Kurz nachdem wir uns unter die Plane zurückgezogen haben, beginnt es heftig zu regnen. Mein Zelt ist auf Sand gebaut, der sich zunehmend vollsaugt und im Folgenden verflüssigt. Das Regenwasser läuft unter dem Zeltboden durch, es fühlt sich an als ob wir schwimmen. Eher kein gutes Gefühl, zumal die modernen Zeltböden eher so semi-dicht sind. Das gröbste scheinen wir am späten Abend aber überstanden zu haben und so schlafe ich doch irgendwann ein.

Am Donnerstagmorgen brauche ich nach dem Frühstück etwas länger. Die am Vorabend aufgehängte Wäsche ist noch feucht und auch das Zelt lasse ich vorm Verpacken in der Sonne trocknen. 10.40 Uhr sind wir dann startklar und verlassen den Lagerplatz bei Zemo-Mleti in Richtung Alter Heerstraße. Kurz bevor Selbige sich den Berg nach Gudauri hinaufwindet, gönne ich mir ein Käffchen und ein Khachapuri. Das Frühstück viel am Morgen etwas spärlich aus. Dann machen wir uns frisch gestärkt (Rango durfte sich ein halbes Käsebrot schmecken lassen) an den weiteren Aufstieg. Nach 6 km können wir die Landstraße für ein Stück des Weges verlassen. Wir wandern über Wiesen und durch eine kleine Siedlung, die wohl hauptsächlich zur Wintersportsaison bewohnt ist. Schade eigentlich, denn die Landschaft um uns herum ist auch im Sommer herrlich anzuschauen. Dann geht es kurz vor Kumlistsikhe wieder auf die Landstraße. In dem Ort werden wir von einem älteren Mann in seinem Transporter für gut 3 km mitgenommen und oberhalb von Gudauri an einem Market abgesetzt. Hier fülle ich unsere Lebensmittelreserven auf und genieße ein halbes frischgebackenes Brot zum Käffchen. Gegen um drei wandern wir weiter, wobei sich wieder ein kleiner Weg oberhalb der Landstraße findet. Wir queren den 2395 m hohen Jvari-Pass und gehen anschließend noch ein Stück im nächsten Tal nordwärts. Nach knapp 20 km werden wir von einem starken Regenguss überrascht und ich beschließe das Zelt am erstbesten Plätzchen aufzuschlagen. So bin ich nach dem Zeltaufbau klitschnass und kann mir die abendliche Wäsche sparen. Kurze Zeit später ist der Spuk auch wieder vorbei, ich hätte das Ganze auch unter meinem Regenmantel aussitzen können. Naja, beim nächsten Mal. So lässt sich sogar die Sonne kurz blicken, bevor der Tag im Zelt sein Ende findet.

Am Freitag, den 28. Juni 2019, starte ich wieder ganz gemütlich in den Tag. Sowohl Zelt, als auch Wäsche ist noch nicht ganz trocken. So bleibt Zeit für eine Rasur, nach Vollbart ist mir noch nicht wieder. Dann ist auch der Krempel langsam trocken und wir können unseren Weg nach Kazbegi am frühen Mittag fortsetzen. Unterwegs verliere ich den, in meiner Karte eingezeichneten, Weg und der Viehpfad, welchem wir folgen, erspart uns daraufhin ein paar Straßenkilometer. Kurz vor der Ortschaft Kobi sind wir wieder auf der Landstraße und in dem Nest nutze ich die erstbeste Gelegenheit für ein Heißgetränk und ein Käsegebäck. Nach einer Regenhusche geht es weiter durch den Ort, welcher recht verlassen wirkt. Außer einer Polizeistation, der Talstation eines Lifts und einer Bäckerei scheint es hier nichts an Infrastruktur zu geben. Tourismus konzentriert sich wohl noch weitestgehend auf das nahe Gudauri auf der einen und Stepanzminda auf der anderen Seite. Kurz hinter dem Ort können wir die ungeliebte Landstraße wieder verlassen und gehen entlang der aus Russland kommenden Gaspipeline am östlichen Hang weiter gen Norden. Nach etwa 14 km erreichen wir Sioni und steigen direkt zur, am Ortsrand befindlichen, Kirche auf. Wie die meisten georgischen Sakralbauten ein schlichtes Gemäuer. Dann geht es in den Ort und ich pausiere bei einer Zitronenlimo und ein paar Keksen. Währenddessen fallen uns einige Jugendliche lästig, die mit Rango spazieren gehen wollen und mich ausgiebig über dies und das befragen. Kurz nach fünf ist es Zeit weiterzuziehen. In Arsha kaufe ich frisches Brot beim Bäcker und ein paar andere Kleinigkeiten in einem Market, bevor wir den Tergi-Fluss überqueren und an einem kleinen sauberen Zufluss unser Lager aufschlagen. Die letzten 5 km bis Stepanzminda hebe ich mir für den Samstag auf, knapp 20 km reichen für heute.

So stört mich auch am Samstagmorgen das nieselig-neblige Wetter nicht. Ich bin nicht in Eile und sitze das Sauwetter im Zelt aus. Dank des straffen Windes der weht, sind meine Klamotten am Mittag trotzdem trocken und wir können uns gegen zwölf auf den Weg nach Kazbegi machen. Dort kehren wir eine gute Stunde später im Awtobus (ein zum Café umgebauter roter Bus) ein. Ich gönne mir zum Heißgetränk ein Stück Kuchen, kann meinen Akku laden und dattel etwas rum. Nebenbei schreibe und veröffentliche ich einen Reiseartikel und lerne Russisch. So vergehen die nächsten Stunden recht zügig. Draußen ist währenddessen wieder nass-kaltes Wetter. Gegen fünf sind dann erste Wolkenlücken zu sehen, ich fülle unsere Futterreserven auf und mache mich mit dem Dicken auf die Suche nach einem Zeltplatz. Etwas außerhalb des Ortes werden wir am Fuße eines kleinen Hügels fündig und richten uns für die nächsten zwei Nächte ein. Für Sonntag haben wir uns einen Ruhetag verdient.

Auch am Sonntag (30.06.2019) ist es draußen weitestgehend ungemütlich. Es weht starker Wind und es regnet ab und an bei kühlen 10 °C. So verbringen wir den größten Teil des Tages im Zelt. Am Mittag gehe ich für Käffchen und Einkauf in den Ort und drehe ein kleines Ringel. Im Zentrum wechseln sich verfallende Häuser und Neubauten ab. Ein durchwachsenes Bild. Zurück bei Rango, der Zeltdienst hatte, bereite ich das Abendbrot für mich vor, skype mit der Heimat und steige mit dem Dicken anschließend auf den Hügel am Zeltplatz. Dann geht es wieder unter die Plane und am frühen Abend ins Nest.

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