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Dilidschan

Veröffentlicht: 04.11.2018

Nach der Nacht am Dorfrand von Lorut bekomme ich, während meinen Vorbereitungen zum Frühstück, Besuch von Lewon am Zelt. So starte ich mit einer Einladung zum Kaffee in den vernieselten Freitagmorgen (02. November 2018). Eine halbe Stunde später mache ich mich mit dem Dicken auf den Weg zum nahe gelegenen Haus von Lewon und Svetlana. Rango bringe ich wegen zweier Hofhunde wieder zurück ins Zelt und nehme anschließend in einem kleinen Häuschen Platz. Der Raum dient wohl als Küche und ist durch einen Holzofen sehr schön warm. Ich unterhalte mich etwas mit meinem Gastgeber und darf mir währenddessen Brot mit Matsoni und Aprikosenmarmelade schmecken lassen. Ich kann den beiden etwas selbst gemachten Käse abkaufen und mache mich, nach einem gemeinsamen Selfi im eigentlichen Wohnhaus, auf den Weg zurück zum Zelt. Dort erwartet mich eine kleine Enttäuschung. In dem Hin und Her mit Rango hatte ich vergessen die Nahrungsmittel für die anstehende Bergtour sicher zu verstauen. Die Gelegenheit ließ sich der Dicke natürlich nicht entgehen. Auf Eigeninitiative hat er sein Frühstück (1,5 kg Hühnerflügel) während meiner Kaffeepause um ein Brot, ein Stück Butter und eine gute Wurst ergänzt. Ich muss also erneut in den örtlichen Market um unsere Futterreserven aufzufüllen. Dann packe ich unseren Krempel, um anschließend in die Berge aufzubrechen. Es geht hinab zum Fluss Marts und dann am anderen Ufer hinauf ins Gebirge. Ein paar Einheimische machen mir Hoffnung noch am selben Tag Dilidschan erreichen zu können, angeblich nur 15 km entfernt. Meine Karte sagt aber eher 25 km Luftlinie. Wir werden sehen. Das, auch für Rango gekaufte, anderthalbe Kilo Käse wiegt schwer während des Aufstieges und der Dicke trägt seinen prall, mit Wurst- und Butterbrot gefüllten Kessel spazieren. Eine einzige Provokation. Unterwegs treffen wir auf ein paar Mobilfunktechniker und Rango bekommt gleich noch eine Art Dürüm zugeworfen, so schnell kannste garnicht gucken. So kämpfe ich mich, ziemlich genervt von meinem Begleiter, die Hügel hinauf und schlage nach knapp 15 km das Zelt auf etwa 2300 m Höhe auf. Schon während des Zeltaufbaus werden meine Finger taub und ich habe Mühe die letzte Öhse am Gestänge einzufädeln. Zum Waschen gönne ich mir dann auch etwas warmes Wasser im Zelt, während es draußen wieder zu Nieseln und Schneien beginnt. Die Zeltplane ist ruckzuck festgefroren und macht bei leichtem Wind gruselige Geräusche. Der Begriff klirrende Kälte kommt höchstwahrscheinlich vom Zelten. Dem Dicken geht es hörbar im Wanst rum und ich habe etwas Angst, dass er mir ins Zelt kotzt. Schließlich hatte er die Wurst mit samt einem mittelgroßen Pappetikett und Schnüre verschlungen. Wie sich am späten Abend herausstellt hat er stattdessen ohne aufzustehen auf seine Decke gepinkelt. Ich überlege kurz ob ich ihn aus dem Zelt schmeiße, sehe aber ob der Eiseskälte davon ab.

Am Samstagmorgen ist es nach wie vor kalt. Sonne ist nicht in Sicht und so koche ich mir erstmal einen Tee und nutze, ohne mich dafür zu schämen, den Benzinkocher anschließend als Heizung. Was sich als erstaunlich effektiv herausstellt. Meine Klamotten werden fast trocken, es ist ganz angenehm im Zelt und ich kann die Eisschicht von der Außenhaut problemlos abklopfen. Dann packe ich zusammen und wir setzen unsere kleine Bergtour am Vormittag fort. Wir steigen noch bis auf gut 2700 m auf und müssen dabei größtenteils über verschneite Wege (wenn ich sie denn finde) und Wiesen stapfen. Das Laufen im Schnee ist kräfteraubend, der Blick in die Bergwelt entschädigt aber erneut für alle Anstrengungen. Bei gut 2600 m lassen wir nämlich die Wolkendecke unter uns und wandern ein Weilchen in der Sonne - herrlich. Am höchsten Punkt unserer Tour können wir über der Wolkendecke nach Süden blicken. Nur ein paar schneebedeckte Gipfel ragen aus den Wolken hervor und leuchten regelrecht in der Sonne. Dann geht es bergab und damit erneut in die Wolken hinein. Wir gehen durch eine bereits verlassene Ansammlung an Almhütten und können bei etwa 2000 m Höhe einen ersten Blick in Richtung Dilidschan erhaschen. Gegen drei halte ich für ein paar Kekse in der Stadt, nach 18 km und etwa 1000 Höhenmetern habe ich das Päuschen bitter nötig. Dann suche ich mir eine Unterkunft, nach Rangos nächtlicher Inkontinenz muss ich Wäsche waschen. Im Art Guesthouse werde ich fündig und buche für zwei Nächte. Ich organisiere ein Abendbrot, dusche warm und verbringe den restlichen Tag in der Horizontalen.

Am Sonntagvormittag, den 04.11.2018, machen wir uns auf den Weg in den nordwestlich gelegenen Dilidschan-Naturpark. Dort besichtige ich zwei, abgelegen im Wald befindliche, mittelalterliche Klosterkomplexe und laufe anschließend mit Rango ins Zentrum von Dilidschan. Am südlichen Ufer des Aghstev-Flusses kommen wir am modernen UWC Dilijan College und einem Kriegerdenkmal vorbei. Dann drehen wir noch ein Ringel in der Stadt und kehren nach gut 18 km ins Guesthouse zurück. Zeit für Tee und Kekse. Den restlichen Nachmittag verbringe ich mit Schuhpflege und Wäsche legen. Nach dem Abendbrot schlafe ich während des Bilderhochladens ein.

Über den Montagvormittag (05. November 2018) reift der Entschluss meinen Aufenthalt um einen Tag zu verlängern. Die letzten 100 km haben Spuren hinterlassen, ich brauche einen Tag Pause. So verbringe ich den sonnigen Montag größtenteils auf Stube. Nur am Nachmittag drehe ich mit dem Dicken eine kleinere Runde nach Dilijan zum Einkauf und Benzin auffüllen.

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