Es duftet nach Kokos
Ja, ich hab’s getan. Ganz heimlich still und leise meine Haare gewaschen. Rebellische Patientin. Morgen steht medizinisch nichts an. So, dass es ein sehr lahmer Tag werden...

Veröffentlicht: 09.11.2023
Es kratzt an der oberen Grenze. Das igM liegt bei 2.23 und ist somit nochmal deutlich aufs Doppelte angestiegen seit der letzten Abnahme. Dennoch geht die Normgrenze bis 2.3 und somit bin ich einigermaßen entspannt. Ich habe seit Wochen keine Schmerzen mehr. Das ist schon mal was. Denn vorher hatte ich täglich Schmerzen, teils richtige Schmerzattacken und das seit Dezember letzten Jahres.
Am Dienstag stand meine zweite Immunglobulingabe an, diesmal in der onkologischen Tagesklinik und subkutan (das heißt ins Fettgewebe zB am Bauch). Ich ließ mir also Blut abnehmen und wartete. Da sie mich ja nun schon zwei Mal vergessen hatten, fragte ich nach zwei Stunden im Wartezimmer nochmal nach. Dann kam ich endlich dran, neue Ärztin neues Glück. Die Ärzteschaft hatte offensichtlich gerade routiert. „Hier Ihre Unterlagen, gehen Sie direkt in die Tagesklinik rüber, Sie kennen das ja schon!“ „Äh, ich wurde noch nicht aufgeklärt?“ ich sollte dann kurz rein kommen, eine Aufklärung erfolgte jedoch nichts und ich habe auch nichts unterschrieben, was so überhaupt nicht zulässig ist, da es sich um ein menschliches Produkt handelt, was sie mir da einflößen wollten. „Das gibt es jetzt als Infusion und dann nehmen wir auch diesmal ein anderes, weil sie letztes Mal reagiert haben!“
So war das eigentlich nicht geplant. Als intravenöse Infusion dauert es natürlich deutlich länger….
Gut, ab in die Onkologie. Ab auf den Stuhl. Hier kennt man mich nun wirklich schon „hey, wie gehts dir denn? Hab schon gelesen bisschen! Du kennst ja alles! Decke?“ sagte S.
Ich hatte die letzten Male immer eine Ärztin beobachtet. Sie stampfte durch die Gegend und war insgesamt sehr ruppig. Immer war ich froh, dass sie um mich einen Bogen machte.
Doch diesmal war ich dran. Sie kam in den Raum gestampft, ihr Gesicht ganz starr: „So wer zuerst?“ ich zeigte auf die ältere Dame gegenüber. Stampf stampf. „Nee, oh neee! Bei Ihnen lege ich keinen Zugang, das hat letztes Mal schon nicht geklappt.“ sie zückt trotzdem den Stauschlauch, zieht ihn sehr fest als würde sie ihr den Arm abreißen wollen. Knall! Sie zieht ihn wieder ab. „Nä!“ sagt sie in den Raum „bei der nicht! Das können die Hämatologen selber machen! Die hat so wabbelige Oma-Pudding-Arme!“
Stille. Hat die nicht gesagt! Doch hat sie. Hat sie!!!!! War das wirklich ihr Ernst? Ich formuliere schon die nächste Beschwerde Email an die Abteilung in meinem Kopf….
Die ältere Dame weinte daraufhin eine ganze Weile auf der anderen Seite. Ich selber war froh, dass der Zugang bei mir schnell lag. Dann die Infusion, eine kleine Flasche die zwei Stunden lief. Das Tavegil vorweg ließ mich schlafen. Als ich aufwachte war ich allein im Raum.