09.08.2025:
Mit dem Regionalzug RB 10 verlassen wir an diesem warmen Sommermorgen den Frankfurter Hauptbahnhof in Richtung Rüdesheim am Rhein. Schon jetzt zeigt das Thermometer 26 Grad, doch bei geöffnetem Fenster lässt es sich im Zug noch gut aushalten. Die Fahrt führt uns zunächst durch das geschäftige Rhein Main Gebiet, ehe langsam die Weinberge und der Fluss in Sicht kommen.
Rüdesheim am Rhein ist unbedingt einen Ausflug wert, auch wenn der Ort sehr touristisch geprägt ist. Ich denke bei Rüdesheim unweigerlich an Busse voller Rentner, die mit der Aussicht auf gutes Essen und natürlich den ebensolchen Wein einen Tagesausflug unternehmen.
Wir machen unseren eigenen Ausflug daraus und meiden zunächst die touristenlastige Drosselgasse.
Stattdessen zieht es uns bergauf, denn am schönsten zeigt sich hier die Landschaft, wenn man das Rheintal von oben betrachtet. Übrigens fuhren schon um 1770 Kutschen durch die Weinberge auf den Gipfel, um Besuchern die Aussicht zu präsentieren.
Später, im Jahr 1788, wurde auf dem Berg ein Pavillon errichtet, der die romantische Anziehungskraft des Ortes noch steigerte. Es wurden sogar Gemälde von dieser Aussicht gefertigt.
1871 schließlich wählte man genau diesen Ort für das Niederwalddenkmal mit der monumentalen Germania. Es sollte an die Gründung des Deutschen Kaiserreiches im selben Jahr erinnern, an den Sieg im Deutsch Französischen Krieg von 1870 bis 1871 und an das neu erwachte nationale Selbstbewusstsein. Das Denkmal ist dementsprechend heroisch und beeindruckend groß. Es misst 38,18 Meter und wurde nach sechs Jahren Bauzeit 1883 vollendet.
Doch warum diese gewaltige bronzene Germania?
Viele Menschen fühlten sich damals noch nicht als Deutsche, sondern in erster Linie zum Beispiel als Sachsen, Bayern, Preußen oder Hessen. Große Denkmäler wie die Siegessäule in Berlin von 1873 oder das Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald von 1875 sollten dieses Gemeinschaftsgefühl stärken.
Heute wirkt eine solche Deutschtümelei ein bisschen fremd und ist zumindest erklärungsbedürftig. Am Fuß des Denkmals informieren daher mehrere Tafeln über die historische Einordnung und Entstehungszeit.
Nach der Einweihung des Niederwalddenkmals nahm die Beliebtheit des Ortes auf jeden Fall weiter zu. Es entstanden eine Zahnradbahn und auch Fahrten mit Eselskutschen wurden angeboten. Seit 1954 jedoch führt eine Seilbahn von der Stadt aus bequem hinauf. In den für je zwei Personen ausgelegten Gondeln schwebt man lautlos über die Reben, ganz im Sinne des Werbespruchs „Über Reben schweben“, und genießt den Blick auf den Rhein, die Weinberge und die Dächer von Rüdesheim.
Oben angekommen kann man weiter zum Aussichtspunkt Naheblick wandern, von dem aus man, wie der Name schon sagt, die perfekte Sicht auf die Nahemündung hat. Wenige Schritte weiter liegt der Aussichtspunkt Rittersaal.
Für den Rückweg hat man die Wahl: Zu Fuß durch die Weinberge oder noch einmal in der Gondel talwärts. Bei 32 Grad entschieden wir uns für die bequeme Fahrt.
Und weil Rüdesheim am Rhein vor allem Weinstadt ist, schlenderten wir nach unserer kleinen Bergtour doch noch durch die Drosselgasse mit ihren vielen Weinschenken und genossen ein Bier und ein Wasser!
Unsere Rückreise im RB 10 traten wir dann etwas schweren Herzens an. Trotz der schönen Bergwanderung und der angenehmen Stunden im Ort blieb das Gefühl, noch längst nicht alles entdeckt zu haben. Doch diesmal war die Fahrt alles andere als entspannt: draußen 32 Grad, drinnen noch heißer, stickig und überfüllt. Kein Sitzplatz weit und breit – wir standen die ganze Strecke. Nach etwas mehr als einer Stunde waren wir dann doch froh, in Frankfurt wieder frische Luft zu atmen.