Reis(e)hunger-Südostasien
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Auf nach Sa Pa – das dachten wir uns. Pünktlich, wie in der Buchung angegeben, standen wir um 6:30 Uhr an der Bushaltestelle und warteten voller Vorfreude, Hanoi zu verlassen, auf den Bus in Richtung Sa Pa. Tja…. Eine viertel Stunde verging, eine halbe Stunde verging, eine Stunde verging,… Der Bus kam nicht. Plötzlich hatten wir eine SMS bekommen, dass wir an einem Ort 20 Gehminuten entfernt abgeholt werden sollten. Glücklicherweise konnte der Bus uns beide Nachzüglerinnen dann schlussendlich doch noch am ursprünglichen Ort abholen, was jedoch ziemlich stressig war. Endlich um ca. 8 Uhr ging die Fahrt dann los!

Unsere erste Fernbusfahrt (übrigens deutlich billiger als in Deutschland!) verlief relativ unspektakulär. Es ging gegen Ende ziemlich kurvig bergauf, was Emilie jedoch wie immer verschlief.

Angekommen in Sa Pa erlebten wir gefühlt schon den ersten Teil unserer geplanten Trekkingtour: Der Anstieg von der Bushaltestelle hoch zum Hostel mit unseren vollgepackten Backpacks. Das Hostel Lustig war ziemlich entspannt. Besonders die schönen Zimmer waren wirklich toll. Das einzige Manko war ein großer schwarzer Fleck über Annas Bett, der aussah, wie eine zerdrückte Fledermaus….. (die andere Nacht schlief ich dann woanders :D) und das harte Bett in der zweiten Nacht. Aber man kann ja schließlich nicht alles haben..

Die Stadt Sa Pa war an sich sehr verschlafen, jedoch wurden wir direkt am ersten Tag schon sehr oft von Einheimischen angesprochen. Sie wollten uns unbedingt ihre Armbändchen, Ketten o.ä. verkaufen und ließen uns teilweise kaum gehen.. Nach einem unspektakulären Mittag-/Abendessen freuten wir uns auf die morgige Trekkingtour.

Sa Pa in der Abenddämmerung 

Am nächsten Tag klingelte der Wecker um 7 Uhr und Anna erwachte in ihrem Element: Auf zum Wandern!

Nach dem großen Frühstück im Hostel trafen wir unsere Guidin Sang an der Kirche Sa Pas und los ging es. Schon nach ca. 15 Minuten erreichten wir den ersten spektakulären Aussichtspunkt, an dem schon klar wurde, wie wahnsinnig viel Reis hier angebaut wird. Bei bestem Wetter führten wir unsere Wanderung durch die Landschaft fort und durchlebten einige Höhen („wow, das sieht so unglaublich schön aus!“) und einige Tiefen („ich gehe nie wieder wandern“ - anonymes Zitat :D).

Bald konnten wir uns jedoch schon mit einer Kokosnuss an einem Aussichtspunkt ausruhen und die Landschaft genießen.

Unsere Guidin Sang war sehr nett und erzählte uns viel über die Dörfer in der Umgebung Sa Pas, in denen jedes Dorf mehrere Stämme hat. Außerdem, dass die Menschen (bzw. fast noch Kinder) hier sehr früh heirateten, nämlich im Alter von ca. 14 Jahren. Spannend war auch, dass die älteren Kinder immer auf die jüngeren aufpassen müssen. Der jüngste Sohn muss bei den Eltern bleiben und mit seiner Frau für diese sorgen. Sang war das jüngste Kind ihrer Familie und genoss somit eine gute Schulbildung. Sie konnte sogar in Hanoi Tourismus studieren. Mit ihren 25 Jahren hatte sie noch keinen Mann, und ihrer Aussage nach würde sich das auch nicht mehr ändern, denn sie sei zu alt. Eigentlich will sie aber auch nicht heiraten und hofft darauf, sich irgendwann etwas eigenes aufbauen zu können.

Dies und viele weitere Sachen erzählte sie uns während wir durch die Dörfer und Felder wanderten. Es war sehr auffällig, wie viel Müll und Plastik überall rumlag. Warum genau das so ist, wissen wir nicht. Die Massen an Touristen, die die Wege begehen, sind womöglich nicht ganz unschuldig an diesem Umstand.

Begleitet wurden wir bis zu dem Mittagessen von einer alten einheimischen Frau, die uns häufig über Wasserfälle oder andere schwierige Wege hinweghalf (auch wenn wir nicht darum baten). Als wir jedoch beim Essen nichts von ihr kaufen wollten, wurde sie ziemlich sauer und wir sahen sie nicht mehr. Sang erzählte uns, dass die Menschen hier tatsächlich nur etwas durch den Tourismus verdienen. Ansonsten leben sie von ihrem angebauten Reis und den Tieren, die ebenfalls Reis aßen. Die Einheimischen zahlen keine Steuern, erhalten jedoch auch kaum gesundheitliche Versorgung oder so etwas wie Rente.

Nach unserem ersten, spannenden und trotz der Länge der Strecke relativ moderaten Trekkingtag, erreichten wir unser erstes Homestay. Hier saßen wir noch teilweise mit anderen Wanderer*innen aus aller Welt und Einheimischen zusammen, aßen gut und kamen in den Genuss des „Happy Waters“. Das ist Reiswein, den ich (Anna) jedoch eher als Reisschnaps beschreiben würde, da der Alkoholgehalt ziemlich stark schien. Wir lernten das vietnamesische „Prost“ und mussten erfahren, dass es bei den einheimischen üblich ist, immer eine gerade Anzahl an „Happy Water“- Shots zu trinken, da es sonst Unglück bringt. Nach einem netten Abend mit Happy Water und einigen Runden Kartenspiele fielen wir müde in unsere „Prinzessinnenbetten“. Diese sahen durch ihre Moskitonetze nämlich wirklich aus, wie royale Himmelbetten! (… Emilie und ihr königliches Blut :D)





Am zweiten Tag begannen wir den Tag mit einem total leckeren Frühstück. Typisch vietnamesisch sind zum Frühstück ganz dünne Pfannkuchen, die fast schon an Crêpes erinnern mit verschiedenem Obst und Honig oder dieser besonderen, dicken Kondensmilch, die hier auch in den Kaffee kommt. Danach starteten wir gestärkt unsere zweite Trekkingtour…und jagten einen Anstieg nach dem anderen. Die Aussicht und der Wasserfall waren jedoch eine wahnsinnige Belohnung (zumindest Annas Empfinden nach – Emilie hat „schon lange nichts mehr sooooooooo anstrengendes gemacht!!!“). Besonders die Wege durch den wild zugewachsenen Bambusdschungel und die steinigen Wege im Wasser machten Emilie zu schaffen (Sie ist auch am Stein abgerutscht und hat sich am Knie verletzt – was hätte sie in diesem Moment für einen Helikopter gegeben). Dafür konnten wir einen beeindruckenden Wasserfall bestaunen und sind richtige Abenteuer-Wege (Grüße an Mama und Papa Amann) gegangen! Zwar ist Anna auch ein bis zwei Mal abgerutscht, aber das war nicht so schlimm ;-) Glücklicherweise wurden wir nach dem Mittagessen mit dem Taxi abgeholt und mussten die letzten Kilometer zurück in die Stadt nicht mehr laufen.

Emilie am Ende der Tour
Anna gelangweilt weil Gesprächspartnerin ausfällt


Vietnam

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Kommentare

Barbara
Gruß zurück, bin begeistert! Denk an euch! 😘