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Tag 3: Uslar --> Witzenhausen

Veröffentlicht: 23.07.2023

Eigentlich beginnt die Solo-Tour erst heute: Greta und ich frühstücken noch zusammen in Bodenfelde (unterhalten von einer Runde mehr oder weniger rüstiger Rentner) was wir deswegen nicht unnötig in die Länge ziehen wollen und warten deshalb eine Dreiviertelstunde auf dem Bahnhof auf ihren Zug zurück nach Bielefeld.

Passend setzte während des Wartens der Regen ein, der auch nicht aufhören wollte, als der Zug dann losfuhr.

Ich saß eine knappe Stunde aus, dann ließ es ein bisschen nach und ich war das Warten hinreichend über, so dass ich aufbrach. Einigermaßen trübe, regnerische Stimmung, es nieselte mal ein bisschen, mal hörte es auf, gelegentlich stellte ich mich unter. Interessant fand ich, dass ich auf den ersten 15 km Richtung Hann.Münden ungefähr 50 entgegenkommende Radfahrer zählte, davon waren mindestens 30 schwer bepackt, die anderen 20 hatten Gepäcktransport gebucht oder waren auf Tagestour. Danach wurde es aber – wie abgeschnitten – sehr viel weniger Gegenverkehr! Aber ich hatte den Eindruck, dass ich ziemlich antizyklisch fuhr, in meiner Richtung waren deutlich weniger Radler unterwegs.

Ansonsten war nicht viel los, die ersten km waren noch ganz schön, idyllisch, wie so oft, ab der Fähre Hemeln lief der Radweg aber nur noch an der Straße lang und war nicht mehr sehr reizvoll, möglicherweise war ich auch auf der "falschen" Seite.

Hann.Münden ist immer noch eine sehr schöne alte Fachwerkstadt, für das – vorher von mir überlegte – erste Straßenmusikexperiment war mir aber irgendwie zuwenig los, das war zumindest mein Gefühl. Vielleicht traute ich mich einfach nur nicht, es kostet immer Überwindung, sich so zu exponieren.

Von Hann.Münden(HMÜ) machte ich mich auf nach Witzenhausen-Blickershausen, wo ein alter Musikerkollege mit seiner Frau wohnt, mit dem ich während des Studiums (in der Jungsteinzeit oder so) tatsächlich auch schon mal Straßenmusik gemacht habe. Den hatte ich ein bisschen überrumpelt mit meinem Anruf, wir hatten seit 40 Jahren keinen Kontakt mehr, aber er hielt sich wacker und bot mir auch an, bei ihnen zu übernachten. Auch diese kleine Fahrt von HMÜ bis Blickershausen war wieder mal sehr schön, ganz naturnah, nichts los, sehr wenig besiedelt zwischen den Dörfen (ganz anders als in Ostwestfalen).

Ich wurde nett empfangen, bekam auch Abendbrot, wir saßen den ganzen Abend zusammen (mit seiner Frau) am Tisch, und sprachen über die alten Zeiten und die Zeiten seither. Ein wenig rückwärtsgewandt vielleicht auch, aber ich fand's ok. Immerhin hatten wir uns noch was zu sagen nach all den Jahren. (Zwei andere uralte und ungepflegte Freundschaften aus jener Zeit hatte ich ebenfalls versucht zu reanimieren, die waren aber beide nicht erreichbar oder im Urlaub.)
Heute 84 km, insgesamt 261.

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