Tag 8: Bad Brückenau --> Lohr am Main
Frühstück im Hotel zur Mühle, mit ganz viel Plastikfolie und perfekt wachsweich gekochtem Ei (genau wie in Booking.com beschrieben), reservierten Tischen für jeden Gast und drei...

Veröffentlicht: 27.07.2023
Heute war auf jeden Fall mal so richtig schlechtes Wetter morgens. So dass ich, quasi aus Verzweiflung ;-) ins örtliche "Spessart-Museum" ging.
Und das war ausgesprochen gut, fand ich.
Zuerst einmal gab es grade eine Sonderausstellung zum Thema Migration mit u. a. einem Film mit einem syrischen und einem nigerianischen jungen Mann, deutsche Vertreibungsschicksale wurden angesprochen, es gab schriftliche Aussagen von Lohrern mit Migrations- oder Fluchthintergrund aus diversen Jahrzehnten, alles sehr gut aufbereitet und dargeboten und sehr berührend.
Eigentlicher Schwerpunkt des Museums waren die Gegebenheiten im Spessart (es lief in einem Raum der Film "Das Wirtshaus im Spessart" aus den Fünfzigern, mit u. a. Wolfgang Neuss und Lilo Pulver, durchaus witzig-nostalgisch). Aber neben den Räuberbanden gab es die Schwerpunkte Holz- und Glasverarbeitung und in diesem Zusammenhang war eine komplette Wagnerwerkstatt aufgebaut. Der Wagner, im Norden Stellmacher, war früher einer von mehreren holzverarbeitenden Berufen und zufällig auch der Beruf meines Vaters. Insofern war das für mich ganz persönlich ein Highlight, denn dessen Werkstatt sah fast genauso aus. Sowohl der damalige Eigentümer der Museumswerkstatt als auch mein Vater gaben zum fast gleichen Zeitpunkt Anfang der 60er Jahre ihren Beruf, denn der Siegeszug von Gummireifen und metallenen Wagen rollte umstandslos über sie hinweg.
Nebenan war die Werkstatt eines Möbeltischlers und Restaurators, der dort "live" arbeitete und der mir erzählte, dass er in der Werkstatt des Museums für seinen Lebensunterhalt "arbeiten durfte", weil er die Kosten für eine eigene Werkstatt nicht mehr stemmen konnte. Das fand ich auch eine ausgesprochen kreative und ungewöhnliche Art, ein Museum mit Leben zu füllen.
Die meiste Zeit, die ich im Museum verbrachte, fiel draußen Sturzregen vom Himmel und ich machte mir ein bisschen Gedanken, wie das alles weitergehen sollte mit der Tour.
Um halb zwei hatte es dann aufgehört, ich fuhr zurück, packte meine Siebzehnsachen und los gings Richtung Wertheim, wo die Tauber in den Main mündet und der Radweg "Liebliches Taubertal" endet bzw. aus meiner Perspektive begann. Die Wetterprognose war weiter schlecht, es regnete zwar nicht mehr ganz doll, aber ein bisschen schon, und als ich kurz nach fünf in Wertheim war, hatte sich das nicht geändert. Bis zur nächsten Station nach Tauberbischofsheim(TBB) wären es noch 30 km, das war mir zu weit, also war auch heute wieder eine kurze Etappe.
Wertheim reihte sich nahtlos ein in die lange Reihe von hübschen Kleinstädten mit viel Fachwerk (und einer beeindruckenden Burg), insofern ist dem an dieser Stelle nichts mehr hinzuzufügen. Heute 62 km, insgesamt 687.