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Die Träume des Mäusschens

Veröffentlicht: 08.11.2024


5:30 Uhr, der Wecker klingelt. Schlaftrunken stand ich auf, machte mich fertig, schnippelte meinen Apfel und ging los. Circa 25 Minuten würde ich zur Christian-Doppler-Klinik brauchen.

Es war sehr kalt heute Morgen, deutlich runter gekühlt und ich vermisste mein Stirnband. Die Hände wärmte ich mir an meinem noch warmen Porridge. Es war so dunkel und ich war froh, als ich vor dem riesigen Gebäude stand. Ich wartete nur 5 Minuten, dann sah ich den Hubert schon antraben. Wieder schritt halten mit ihm. Auf der Station angekommen zogen wir uns um. Mein Kasack war eigentlich eine Nummer zu groß, aber das war egal. Wir befanden uns auf einer Station für Geriatrie und es war COVID ausgebrochen, sah man sofort. Wusste ich aber auch gestern schon.

Wir waren hier, um einen International aus Kolumbien im Dienst zu begleiten und danach ein Feedback zu geben. Ich war schon gespannt, in wie weit ich mich einbringen durfte. Mäusschen spielen ist weniger mein Ding.


Wir kamen ins Dienstzimmer und sie starteten mit der Übergabe. Nicht anders als bei uns. Ich fragte nach Abkürzungen, niemand konnte sie mir beantworten, seltsam.

Und dann ging’s los. Kaum blickte ich von meinem Zettel hoch, sah ich sie. Die Uhr, die Gelnägel,… durchatmen. Jetzt bist du wirklich nur Mäusschen, keine Katze.

Sergio sollte 5 Patientinnen übernehmen. wir starteten um 7 Uhr. Da er die Nostrifizierung zur Pflegefachassistenz macht, überließ er die Medikamente dem gehobenen Dienst. Er selbst war u.a. für die Körperpflege zuständig. Aber erstmal Frühstück. Patientin Nr. 1 brauchte heute keine Hilfe, sie würde mit der Ergotherapie Dusch-und Anziehtraining machen. Super coole Sache!

Patientin Nr. 2 wurde an die Bettkante „mobilisiert“. Bereits hier biss ich mir auf die Zunge. Hubert hatte gesagt, wir würden nicht eingreifen.

Die Patientin saß nun also auf halber Pobacke und mit nackten Füßen an der Bettkante.

Patientin Nr.3 lag auf einer Spezial Matratze. Sie sprach nicht.

Ihre Haare standen Marge-Simpson-mäßig nach oben. Sie starrte uns an. Hinter ihr hing ein Schild „Schluckstörung“ und ein buntes Bild, Abdrücke von Kinderhänden. Konstantin.

Sergio durfte Dinge an uns delegieren, wenn er wollte. So sollte ich der Patientin das Essen anreichen, während er mit Hubert draußen die Diagnosen besprach. Kaum schloss sich die Tür, setzte ich mich in Bewegung. Zog Patientin 2 Schuhe an, nahm das Bild von der Wand und hängte es ins Blickfeld der Patientin neben sie. Sie lächelte.

Dann machte ich ihr ein Klappweckerl und sie aß allein. Na also. Ressourcen nutzen.


Als das Frühstück beendet war, „mobilisierte“ Sergio Patientin 2 ins Bad. Ich blieb draußen und machte derweil ihr Bett zurecht. Danach kümmerte er sich um Marge. Ich konnte kaum hinsehen, sonst hätte ich mein Pokerface verloren. Er wusch ihren Intimbereich und fasste danach ihre Haare zu einem Zopf. Ob er sich die Handschuhe dazwischen wechselte verrate ich nicht. Es fiel mir immer schwerer nichts zu sagen.


Wir gingen zu Patientin Nr.4

Auch sie wurde versorgt. Diesmal war ich mit im Bad. Ich möchte das an dieser Stelle nicht weiter kommentieren.

Patientin Nr.5 wurde wieder im Bett versorgt.


Dann war alles soweit fertig und wir gingen zum Feedback mit seinem Praxisanleiter über. Hier durfte ich endlich etwas sagen. Doch erst Hubert, der auffällig wenig kritisierte. War ihm das alles nicht aufgefallen? Ist mein Anspruch zu hoch? Dann war ich dran. Ich hätte nun die ewig lange Liste aus meinem Kopf runter rattern können. Manchmal ist es anstrengend, dieser Detailblick, der Perfektionismus, der mit der Hochsensibilität einher geht.

Ich biss mir wieder auf die Zunge und hob die drei mir wichtigsten Aspekte hervor. Der Rest blieb in meinem Kopf.

Ich sprach danach noch mit Hubert allein. „Du hast ja mitbekommen, dass wir eine Stelle frei haben und grundsätzlich das Team auch vergrößern wollen, also wenn du willst, komm gern nach Salzburg“ ich lachte kurz auf.

„Das meine ich Ernst, ich habe auch schon mit Thomas und Andrea gesprochen. Wir sind ziemlich beeindruckt von dem, was du so von dir gibst! Wir würden dich gern im Team haben, wäre das eine Option? Überleg dir das!“


Äääääh.

Nein.

Sorry.

Aber wer weiß was mal sein wird.


Aktuell habe ich ganz andere Pläne. In meinem Kopf rattert bereits, was ich alles mit nach Deutschland nehmen will, wie ich das umsetzen kann. Wie ich auch ggf. meine Leitungen davon überzeugen kann etwas Neues zu implementieren. Im Kopf schaffe ich mir bereits eine ganz neue Stelle. Eine Mischung aus Sozialarbeiterin und Praxisanleiterin. Die Ideen sprudeln, mein Kopf baut bereits Konzepte zusammen.

Ich kriege bereits jetzt einen freudigen Kloß im Hals, wenn ich daran denke, was das für einen Mehrwert haben wird, wie alle davon profitieren werden, wie ich mir selbst eine Traumstelle schaffen würde. Tätigkeitsprofil steht. Aber vielleicht bleibt es auch ein Traum. Vielleicht bekomme ich es nicht verkauft? Aber dazu ist es viel zu gut! Und außerdem bin ich ziemlich gut darin Prezis zu machen.

Chakka!

Aber jetzt ist Wochenende. Vielleicht erkunde ich ein bisschen die Gegend. Und Sonntag Abend kann ich dann meinen Pitch vorbereiten, wie ich die MHH umkrempeln will!

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