Tag 13, 14 und 15
Hallo Ihr Lieben. Heute war ich im kleinem Ort Misminay, in der Nähe von Cusco. Der Ort liegt ungefähr bei 3720 m. Hatte ich im Vorfeld ganz schön Respekt vor der Höhe. Ich...

Veröffentlicht: 27.09.2023






















































































































Hallo ihr Lieben ... der Inka Trail. Faszinierend und Hölle zugleich. Der erste Tag begann um 4:00 Uhr am Morgen. Obwohl ich abgeholt werden sollte, musste ich doch selbständig zum Abfahrtsort fahren. Was ein Problem darstellt, da so früh keine Taxen fuhren. Mein Vermieter besorgte mir jemanden, was aber sehr teuer war. Gut ging nicht anders.... Wir waren ein schönes Trüppchen von 6 Leuten, zwei Pärchen, eine wirklich nette Frau und ich. Dazu zwei Reiseführer, Marko und Bruno und ich glaube 15 Träger. Zu Beginn hieß es dann, was wir nicht tragen wollen, können wir gegen Aufpreis den Trägern geben. Da hat sich Ines gleich mal ausgemistet. Dann ging es ab Kilometer 82 los. Es hieß jetzt laufen. Was das bedeutet, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Als es an die ersten 70 Höhenmeter ging (das ist durchaus nicht viel) habe ich schon sehr geschnauft und war recht schnell die Letzte in der Truppe. Mir machte da schon die Höhe zu schaffen. Die Pärchen waren jung und dynamisch und ich hatte ein schlechtes Gewissen, da immer einer der Führer hinter dem letzten (das war dann mal ich) laufen musste. Die unberührte Natur war der Hammer. So schön. Ich wollte so gern alles festhalten. Damit kommt man natürlich auch nicht vorwärts. Zwischendurch gab es Pausen und Mittagessen. Was die Träger leisten, ist unglaublich. Sie tragen bis zu 23 kg und wenn du ankommst, steht schon alles, Essen ist fertig und man fragt sich, welche Abkürzung sie wohl genommen haben. Der erste Tag war nach ca. 10 Kilometern geschafft. Wir kamen im Lager an und alles war schon fertig. Aus dem Zelt hatte man eine grandiose Aussicht auf die Berge. Um 20:00 waren alle Zeltfertig für die Nacht, denn es hieß um 4:45 ist wecken angesagt. Ganz ehrlich, wenn ich nicht in der Truppe gewesen wäre, hätte ich wohl gesagt ... gut Leute, war ein schöner Tag, hat mich gefreut, bis zum nächstem Wiedersehen. Aber dann kam noch etwas ganz Neues dazu. Ehrgeiz. Ich wollte es schaffen. Neue Seite an mir ... nicht schlecht. Der nächste Tag brach an, alle Wehwehchen waren weg und ich war frohen Mutes. Es standen 1200 Höhenmeter an. Da hatte ich richtig Respekt vor. Und das nicht ohne Grund. Es ging 7 km nur bergauf. Es ging sehr schnell und Ines war wieder letzte. Bruno wurde zu meinem Schatten. Er hat versucht so zu laufen, dass ich das Gefühl hatte es wäre niemand hinter mir. War ich ihm durchaus dankbar, habe ihn aber doch immer wieder mal entdeckt :). Im Nachhinein muss ich sagen, dass es mir auch Sicherheit gab. Ich hatte mir Kopfhörer mitgenommen und hörte Musik, um mich etwas von der Anstrengung abzulenken. Das ging ganz gut. Immer wieder musste ich kurz anhalten, um mich zu akklimatisieren. Das funktionierte gut bis auf 3800 Höhenmeter, dann wurde es richtig dünn. Zum Glück hatte mir Pepe Kokablätter mitgegeben. Ich hatte die ganze Backe voll Kokablätter und kaute darauf herum, um die Höhe zu ertragen. Immer Bergauf und noch höher. Unterwegs freundest du dich schon mit anderen Leidenden an und bist froh, dass es dir nicht alleine so übel geht. 100 m, ausruhen, 100 m, ausruhen ... dann wurde es immer steiler, von weitem hast du schon die ersten an der Spitz gesehen und dachtest, gleich, nach der nächsten Kurve.... Nein, leider nicht, auch nicht nach der nächsten und nächsten. Ich schaffte nachher nur noch 10 Stufen und musste mich hinsetzen. Aber irgendwann war auch das zu Ende. Die Quälerei hatte sich gelohnt, ich habe es auf den Pass geschafft. Riesen Glücksgefühle, Erleichterung und eine wundervolle Aussicht. Ich, Ines Fischer, habe es geschafft. Krasse Sache, kaum zu glauben. Danach ging es abwärts.... Treppen. Nicht etwa irgendwie genormt. Nö Inkastufen eben. Von ganz hoch bis niedrig alles dabei. Na ja meistens ganz hoch. Das im übrigen auch über 600 Höhenmeter abwärts. Das geht auf die Knie, alter Falter. Ich könnte jetzt nicht einmal mehr sagen, was schlimmer war, hoch oder runter. Um 14 Uhr sollte es Mittag im Lager geben. Zum Essen war ich schon immer pünktlich, ich habe es geschafft. Danach ausruhen und nicht mehr bewegen ... kein Stück. Der Tag schlug, glaube ich, mit 12 km zu Buche. Der Dritte Tag sollte der längste, aber nicht der schwierigste sein. 16 km waren angesagt. Als Erstes wieder über einen Pass, bei 4000 m, das ging sogar, da es nur 400 Höhenmeter waren, damit konnte man sich jetzt tatsächlich gut anfreunden. Danach 900 m runter. Was soll ich euch sagen, Treppe. Aber ok auch Weg. Die Landschaft, der Weg, der Wald, so wunderschön. Ich kam mir vor wie in einem Märchenwald, hätte nur noch gefehlt, dass mir eine Fee entgegenkommt. Unbeschreiblich schön, diese unberührte Natur, diese Ruhe.... wieder oben angekommen, Mittagessen. Unsere Zauberträger hatten schon wieder alles fertig. Lecker ... also das Essen war wirklich immer ein Gedicht. Nach dem Essen noch kurz ausruhen. Dort oben hatten wir seit 3 Tagen mal wieder Handyempfang. Ich habe festgestellt, dass ich das nicht vermisst habe und es mich überhaupt nicht interessierte. Liebe Daheimgebliebenen, ich habe euch alle lieb, aber es hat mir überhaupt nicht gefehlt immer und überall erreichbar zu sein. Wie gesagt, nach der Pause ging es weiter. Hatten wir bis zu diesem Zeitpunkt immer schönes Wetter, überraschte uns jetzt ein Gewitter. War aber irgendwie richtig cool. Regencape aus dem Rucksack und weiter ging es. Zwischendurch überholten uns bergabwärts rennende Träger. Also wie die das gemacht habe, solche Stufen mit der Last herunterzurennen. Respekt ... Das war auch richtig steil und neben der Treppe ging es richtig abwärts. Wenn du da fällst, das überlebst du nicht. Solche Wege würden man in Deutschland nicht gehen können. Niemals, kein Geländer, nichts. Hat mich aber auch fasziniert und geängstigt zugleich. Nach 16 km und schier endlosen Treppen und Knie, die eigentlich nicht mehr vorhanden waren, bin ich im Lager angekommen. Was heißt, ich. Unterwegs hatte ich Maria aus unserer Gruppe getroffen und wir sind den Rest zusammen gelaufen. Das war auch super gut, denn der Weg zog sich wie ein Kaugummi und wir waren uns gar nicht mehr sicher richtig zu sein. Dann war da aber noch Bruno, der immer dann auftauchte, wenn wir ihn brauchten. Danke Bruno. Im Lager angekommen, wollte ich nie mehr laufen. Das Klo war auch so weit weg von den Zelten und dann noch Bergauf, dass ich mit der Natur Zwiesprache hielt. Ich wollte mich nicht mehr bewegen. Diesen Abend wurde von den Trägern Abschied genommen, denn am nächsten Tag war das Ziel erreicht. Wir wurden um 2:45 Uhr geweckt. Um so früh wie möglich am Sonnentor zu sein. War nicht weit dieses Mal. Nur eine Stunde. Wieder ein wunderschöner Weg. Ich liebe die Natur von Peru. So viele unterschiedliche Fassetten. Traumhaft.... Und endlich ... Machu Picchu, atemberaubender Blick von oben. Unglaublich schön und wir haben es geschafft. So ein Glücksgefühl, es geschafft zu haben, all die Strapazen. Ich habe auf diesem Weg viel über mich gelernt, habe glaube ich, einige Laster auf den Berg gelassen. Es hat sich jeder Schritt für mich gelohnt. Ich bereue wirklich keine Minute. Nur meine Knie muss ich irgendwo verloren haben. Wer diese Tour macht, sollte wirklich Ehrgeiz, Liebe zur Natur haben und nicht zimperlich sein, was sanitäre Anlagen betrifft. 4 Tage ohne Dusche hat auch seinen Preis. Aber es lohnt sich in jeder Hinsicht. Nehmt, wenn ihr das macht, wirklich nur das Notwendigste mit. Man braucht nicht viel, um glücklich zu sein. Wenn ich am Anfang gern aufgehört hätte, bin ich um so glücklicher es geschafft zu haben. Das alles zu erleben, die Erkenntnis über mich, die tolle Truppe. Das ist etwas, das ich nie mehr missen möchte. Danke an die Träger, an Marko und Bruno und an meine Truppe Maximilian, Julia, Jolanda, dem witzige schweizer Kullerkeks Ramon und an Maria. Ihr wart so toll und eine Bereicherung für mein Leben. Und was soll ich euch sagen, ich freue mich auf morgen.
