Wie vereinbart starten wir dann am Folgetag um 800. Mein erster Offizier geht noch einmal den Weg zum Tunnel ab, nicht das wir mit dem geschlossenen Tor etwas übersehen haben. Hindernisse waren keine erkennbar, also legen wir ab und begeben uns auf Fahrt. Wir durchqueren den Tunnel, Ausfahrt Wende 90° steuerbord und dann mit Kanalgeschwindigkeit gerade aus.
Nach der ersten Biegung taucht eine Schleuse auf, die Einfahrt geöffnet, das bergseitige Tor geschlossen, Fernbedienung ist hier aber nicht angesagt. Jetzt haben wir verstanden, was unser gelber Engel vom VNF mit seiner Aussage am Vorabend gemeint hat. Nur, seine Zusage, das Tor um 800 zu öffnen, die hat er nicht eingehalten.
Wir warten noch 15 Minuten, danach die Notrufnummer, eine weitere gefühlte halbe Stunde später taucht dann der besagte Engel auf und entschuldigt sich bei uns. War wohl doch etwas viel Pastis am Vorabend. Schnell bekam er Hilfe von einem Kollegen und mit vereinten Kräften haben sie uns die Weiterfahrt ermöglicht.
Anfahrt nach Besançon, das Tal des Doubs wird mit jedem Kilometer, den wir zurücklegen enger, Felswände begleiten uns und letztlich öffnet sich vor uns der Blick auf die Citadelle am Eingang zur Schleife des Doubs.
Die letzten Kilometer legen wir mit reduzierter Drehzahl zurück, den Tiefenmesser immer im Auge. Fahrtiefe 1,30 m ist angesagt, so sind wir deutlich vorsichtiger und können dabei das Treiben am Ufer beobachten. Entlang des Ufers sind überall Familien, Studenten und Touristen unterwegs. Letztlich kann ich bestätigen, dass die 1,30 m Fahrtiefe tatsächlich nur im Bereich des Port Fluvial Halte Saint-Paul relevant sind. Aber auch hier zeigt unser Tiefenmesser immer ausreichend Wasser unter dem Kiel.
Am Ende des Hafens befindet sich dann die Schleuse L'écluse de St. Paul, nr. 50. Hier ist Handarbeit angesagt. Glücklicherweise haben wir uns direkt vor der Einfahrt zur Schleuse positioniert. Nach kurzer Überlegung und Studium der angebotenen Informationen schreiten wir zur Tat. Wir schließen die Schieber und die oberen Tore. Während wir so bei der Arbeit sind, kommen uns eine Frau und ein Student zur Hilfe. Mein erster Offizier bekommt die Ansage, das muss jetzt aber schnell gehen, hinter euch wartet ein Tourischiff, der hat die Schleuse jetzt gebucht.
Mit vereinten Kräften, wir hatten bereits Vorarbeit geleistet, haben uns die beiden dann den Rest der Arbeit abgenommen und schnell hatten wir das Hindernis passiert.
Gleich nach der Ausfahrt kommt dann der lange Anleger und wir machen ziemlich am Anfang des Anlegers halt.
Das stellte sich aber nicht als gute Idee heraus, denn direkt am Ufer hatten die Studenten des Konservatoriums eine Bühne aufgebaut und schnell ging es los mit der Musik. Das hörte sich zum ersten Mal grausam an, ich möchte aber den jungen Leuten nicht zu nahetreten. Mit meiner Tochter hatte ich mal ein Konzert von Britney Spears besucht, das war zwar laut, aber melodisch, nur hier hatte ich den Eindruck, dass sich alle modernen Künstler getroffen haben und gemeinsam musizieren, jeder spielt sein eigenes Stück und durch die Lautstärke kommt das dann so raus, dass sich die Membrane der Bässe nur noch überschlagen.
Mein erster Offizier hielt Ausschau nach einem Platz im vorderen Bereich des Anlegers und siehe da, den gab es. Wir starten und legten weiter vorne an, ein Boot vor uns hat sich ebenfalls entschieden, den freien Eintritt gegen einen ruhigeren Platz einzutauschen.
Besançon wir kommen, als erstes stand für den nächsten Tag der Einkauf an und eine Käserei auf der Hochebene.