Neuseeland/Südinsel & Australien/Victoria
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22.12.18 Die Catlins!

Veröffentlicht: 22.07.2019

Samstag 22.12.18

Es regnet, als ich aufwache, also gönne ich mir eine weitere Mütze Schlaf, da der Isländer mir gestern sagte, ihm sei egal, wann ich abreise. Der Wetterbericht prophezeit bis mittags schlechtes Wetter, also warum soll ich das unterwegs haben? Die Sonne kommt so gegen halb elf heraus. Ich habe weiterhin den Waschraum mit 3 Duschen komplett für mich – niemand hier, außer mir. Ich klappe zum Frühstück den Tisch aus und – zack! – fängt es an zu nieseln, als ich gerade alles zum Essen draußen habe. Also alles wieder reinräumen, drinnen schnell auf der Bettkante essen und während ich am Abwaschen in der camp kitchen bin, geht draußen ein Wolkenbruch nieder. Um meine Route und auch einen möglichen Campground für heute Abend zu planen, stelle ich mich noch vor meiner Weiterfahrt vorne vor den Pub und kann so das WLAN des Hauses nutzen, da ich weiterhin hier kein Netz habe.

Ich biege 30m hinter dem Campground auf die Rongahere Road, eine Landstraße, ab, die rechts neben dem herrlich türkisen Clutha River verläuft und praktisch völlig ohne weiteren Verkehr ist. Riesige Tannenzapfen von Kiefern, die hier wachsen, liegen an der Straße. Wenn ich nicht nach Australien weiterreisen würde, würde ich mir hier einen mitnehmen und zu meiner Sammlung aus USA und Tasmanien stellen. Abgesehen von etlichen Schauern, bleibt es einfach nur bedeckt und ich folge dieser schönen Straße während rechts eine Steilwand aufragt und links von mir der Clutha River verläuft. Ich fahre kreuz und quer durch die Catlins, diese sehr ursprüngliche Region im Süden der Südinsel, die eine der wesentlichen Dinge war, weswegen ich diese Reise unternehme. Vielfach befahre ich heute Schotterpisten, die aber alle super zu fahren sind, aber das Auto enorm einsauen. Außer mir sind keine Touristen unterwegs und auch Einheimischen begegne ich nicht. Landwirtschaft, Schafe, sanfte Hügel, Wälder – ein neuseeländischer Traum. Mein Auto rumpelt über die Pisten und die Ruhe kann ich nur fühlen, wenn ich mal anhalte, das Fenster runterkurbele und den Vögeln und dem Blöken der Schafe zuhöre. Ich passiere Clydevale – wenigstens auf meiner Karte eingezeichnet, letztlich aber nichts, außer einer Kreuzung. Ich folge ein paar km dem SH1 nach Westen, um in Clinton kurz an einer Kartentankstelle nachzutanken. Hier in der Einsamkeit des Nichts, kostet der Liter 2,09$, während ich bisher sonst bestenfalls 1,99 oder mal 2,03$ pro Liter gezahlt habe.

Dieser Ort ist wie verlassen. Tw. sieht man in der Ferne ein paar Farmen und auch die wirken wie Geisterhäuser. Ich begegne auf der Weiterfahrt dann doch noch zwei einheimischen Autofahrern. Einer fährt mißmutig dreinblickend an mir vorbei, als ich eine kleine Pause mache, um die Landschaft zu fotografieren und die Ruhe zu genießen. Vermutlich hat er Furcht, dass ich auf seiner Weide mein Lager errichte. Ich folge der Piste Richtung Slopedown auf der Schotterstraße Slopedown Road, weiter nach Süden. An einer Weggabelung zweier Schotterpisten war ich gerade am Checken meiner Navi-Apps, um zu entscheiden, welchen Weg ich besser einschlage, um Richtung Curio Bay zu kommen, als ein netter Neuseeländer neben mir hält und mich fragt, ob ich weiß, was ich hier mache! Ja, ich denke, ich war schon eine gewisse Ausnahmeerscheinung, allein mit einem Camper im Nichts an einer Weggabelung stehend. Ich folge der linken Straße und finde diese gravel roads wirklich sehr gut zu fahren, da habe ich in Tasmanien weiß Gott andere Pisten gehabt, die voller Löcher waren. In Mokoreta bin ich gegen 16h und habe jetzt etwa noch 50-60km vor mir. Die Straße wird zur Straße und ich fahre plötzlich durch einen super tollen Regenwald: Dem Catlins Forest Park. Die Straße ist schmal und gewunden, ich bin umgeben von gigantischen Baumfarnen, Palmen und anderem Grün, gluckernden kleinen Rinnsalen, die durch die bemoosten Steilwände fließen. Absolut sowas von anders, zu der Natur, die ich heute bisher gesehen habe. Neuseeland – einfach ein ewiges Naturwunder. Glücklicherweise verläuft diese Straße bergab und ich bin froh, sie mit dieser lahmen Möhre nicht in entgegen gesetzter Richtung zu fahren. Leider ist der Catlins Forest Park nicht besonders groß und ich habe aufgrund der fortgeschrittenen Zeit keine Möglichkeit hier noch großartig irgendwas abzulaufen, sondern strebe nun der Südküste zu. In Waikawa, direkt an der Bucht, die eine Verlängerung der Porpoise Bay ist, der gibt es einen freien Campground. Ich entscheide mich, erstmal nach Curio Bay auf den Campground zu fahren, wo ich eigentlich ja über Weihnachten sein wollte und wg. des Wetters nun schon zwei Tage eher bin. Ich muß dort meine Reservierung sowieso noch stornieren. Sollten die nichts mehr frei haben, kann ich immer noch hierher zurück kehren.

Um 17.30h erreiche ich Curio Bay. Während es hier vor 4 Jahren noch recht klein und überschaubar war und nur die Eisbude oberhalb der Bucht die paar Campingplätze vermietete, ist nun ein großes Visitor Center mit einem Restaurant und einigen Parkplätzen entstanden. Alleine das Rangieren der riesigen Wohnmobile macht mich wahnsinnig, da die kreuz und quer stehen, fahren und rollen und ich nur knapp mehreren Crashs entgehe, bis ich endlich einen Parkplatz habe, um mal nach einem Stellplatz zu fragen. Der Preisaushang sagt 24$ für eine powered site, kostet aber letztlich 30$. WLAN ist kostenlos. Ich fahre also zu meinem angegebenen Stellplatz, der erstmal von meinem „Nachbarn“ mit seinem Geländewagen blockiert ist, weil er auf dem Stellplatz nebenan, gerade einen häßlichen Zaun (!) aufbaut, damit seine kleinen, permanent streitenden und schreienden Kinder nicht abhauen. Irgendwann stehe ich also auf meinem Platz und ahne es schon: Hier werde ich nicht länger als 1 Nacht bleiben. Das, was ich als Highlight meiner Reise vorgesehen hatte, ist der völlige Mist. Der Weg zur Steckdose für den Strom führt mich in gebückter Haltung durch einen Trampelpfad durch Schilfrohr auf die Nachbar-Stellfläche – ich bin froh, dass das Kabel von meinem Camper gerade so bis dahin reicht. WLAN im Camper – Fehlanzeige. Telefonnetz hat man sowieso nicht. Die Waschräume sind zwar theoretisch relativ dicht zu erreichen, indem ich hinter meiner Steckdose auf dem „Nachbargrundstück“ nochmal einen illegalen Trampelpfad über einen Knick laufe, wenn ich nicht etwa 100 m um mehrere Stellplätze und den Hauptweg laufen will. Allerdings ist die überschaubare Camp Kitchen ein Schauplatz asiatischer Kochexzesse. Die Tische sind mit Reiskochern, Speiseresten, Tellern, Besteck und Tüten übersäht, während man laut redend zu Abend ißt. Kinder sausen schreiend umher, es sind etwa 40 Leute in diesem Raum und es ist eine unerträgliche Geräuschkulisse. Nebenan sind die Duschen und Toiletten und auch das ist zum Abgewöhnen: 3 oder 4 Duschen für diesen mittlerweile riesen Campground mit 120 Stellplätzen und nur drei Toiletten und zwei Handwaschbecken für Frauen. Hier stehen gefühlt 10 Mütter mit gefühlt 20 Kindern, die alle jetzt gewaschen werden, die Zähne geputzt bekommen und wenn man Hände waschen will, steht man 10 min an. In der camp kitchen könnte man WLAN haben, wenn nicht das Signal so übel wäre, dass man nicht einmal Mails abrufen kann. Ich kehre gegen 19.30h nochmal zurück, haue mir zwei Eier in die Pfanne und esse etwas Brot, nachdem ich einen Sitzplatz gefunden habe. Mehrere Esstische sind absolut nicht nutzbar, weil die Vorgänger hier bergeweise Müll und Essen hinterlassen haben. Vielleicht waschen sie den Kram irgendwann noch mal ab, aber das sieht aus, als hätten die fluchtartig die Küche verlassen müssen. Unglaublich! Ich putze mir mit Mineralwasser im Camper die Zähne, da gegen 21.00h die Waschräume derart verdreckt sind, dass mir beim Anblick schon übel wird und ich dort keinesfalls mehr als Händewaschen möchte.

Da nun die Sonne langsam versinkt, gehe ich zur Curio Bay, wo ein unglaublich toller Sonnenuntergang vor mir geschieht, während hinter mir in der Porpoise Bay ein kugelrunder Mond in einem pinkfarbenen Himmel aufsteigt. Das ist schon grandios.

Es ist kalt in der Nacht und als ich mal raus muß, klemmt auch noch die Eingangstür zu den Waschräumen und ich muß rund um dieses blöde Gebäude laufen, durch die Küche gehen (hier ist die Tür offen und damit auch die Verbindung in die Waschräume möglich, was also den Zugang mit Nummerncode auf der Rückseite zu den Waschräumen völlig unsinnig macht). Frierend kehre ich ins Bett zurück und weiß: Morgen fahre ich hier weg.

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